Full text: Philosophische Forschungswege

Das Wesen der Psychologie. 
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jenige der wissenschaftlichen Philosophie überhaupt, und 
so weit verfolgt, wie es nur geht. 
In der Einleitung haben wir gesagt (Seite 6), wie man 
eine Kathedrale ,,von weitem44, dann „immer näher44 
und endlich „mikroskopisch44 betrachten könne. Da 
wechselt man nicht den „Standpunkt44, sondern sieht 
nur immer genauer hin! Endlich sieht man, so wollen 
wir annehmen, die Elektronen, Damit sei die Ganzheit 
zerstört, sagt man uns. Sie ist es keineswegs. Denn auch 
der Mikroskopiker, wenn er ein Yollständigkeitsdenker 
ist, was er natürlich sein muß, behält ja in seinem Ge¬ 
dächtnis das vorher „makroskopisch44 Gewonnene und 
weiß sehr wohl, daß die Elektronen, von denen er jetzt 
freilich jedes einzelne in seiner Einzelheit studiert, in 
Gruppen geordnet sind und daß ihre Gruppenverteilung 
eben „ganz44 ist. — 
Psychologie ohne Kausalität ist Psychologie ohne Dyna¬ 
mik. Ganzheit kann Kausalität nie ersetzen, sondern 
muß sich mit ihr paaren1). Denn alle Geschehnisse 
— und es handelt sich psychologisch um Geschehnisse — 
brauchen Dynamik, um verstanden zu werden. Kausali¬ 
tätsfreie Psychologie begeht denselben Fehler wie Hegels 
Geschichtsphilosophie: beide übersehen die Notwendig¬ 
keit der Einführung einer Dynamik angesichts von Ge- 
schehensfragen. 
Daß Psychologie es mit „Sinnvollem44, mit „Sinn44 
zu tun habe, sagt auch gar nichts gegen die Notwen¬ 
digkeit kausaler Erfassungsart für sie. 
Gewiß, sie hat es mit „Sinn44 zu tun, weil Erleben 
Sinnvolles haben heißt, weil ich gar nicht erleben kann, 
1) Das übersehen Spann in seiner „Kategorienlehre“ (1924) und 
in gewissem Grade auch Friedmann in seiner „Welt der Formen“ 
(1925), so Vortreffliches auch sonst beide Werke bieten.
	        

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