Full text: Philosophische Forschungswege

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Naturwissenschaft“ und „Geisteswissenschaft“. 
Daß unter „naturwissenschaftlichem Gesichtspunkt“ 
die Freiheit verloren gehe, ist ein gern gehörter Einwand; 
der sinn tragende Mensch dürfe nicht dem Naturgetriebe 
eingegliedert werden. 
Das Wort Freiheit wird da meist recht pathetisch ver¬ 
wendet — aber ohne daß gesagt wird, was man eigentlich 
meint, ob man wahrhaft Ernstes, nämlich den Indeter¬ 
minismus meint oder nur „Wesensgemäßheit“ im Sinne 
Spinoza’s und Kant’s1). 
Wir wollen nun aber doch, neben anderem, gerade erst 
wissen, ob Freiheit als Indeterminismus vorhanden ist 
oder nicht. Heute wissen wir das, wenn wir offen sein 
wollen, nicht; sie mag nicht da sein, sie mag dasein, 
vielleicht sogar schon im Biologischen engeren Sinnes. 
Wo kommen wir hin, wenn wir „geisteswissenschaft¬ 
liche“ Wünsche für Wissen ausgeben! 
Hier kann ich nun wirklich mit großer Zustimmung 
Hegel, der in vielem nicht mein Freund ist, zitieren: 
„Die Philosophie muß sich hüten erbaulich sein zu 
wollen.“ 
Und ich kann hinzufügen: Sie wird gerade dann im 
tiefen, ja im religiösen Sinne, erbaulich wirken, wenn 
sie das nicht beabsichtigt! — 
2. Das Wesen der Psychologie. 
Neuestens wird sogar im Rahmen der Psychologie 
die „naturwissenschaftliche“, das heißt hier: die kausale 
Ordnungsauffassung bald stark zurückgedrängt (Spran- 
*) Tillichs „Freiheit“ ist Wesensgemäßheit, und seine Lehre von 
„Kairos“ und „Logos“ kommt im Grunde auf nichts anderes hinaus 
als darauf, daß das Philo so phie ren jeweils unter der Notwendig¬ 
keit stehe, daß also jeder Philosoph aus seinem notwendig bestimm¬ 
ten „Wesen“ heraus philosophiere und daher an Wahrheit nur glau¬ 
ben könne.
	        

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