Full text: Philosophische Forschungswege

Die ontologische Phänomenologie. 
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Gewiß vollzieht sich beim Erwachsenen der Sprung 
zum Du, wenn ich so sagen darf, nicht als bewußter Ana¬ 
logieschluß; das hat ja auch nie Einer gelehrt. Aber beim 
Kind hat er sich einmal, zwar auch nicht als eigentlich ex¬ 
pliziter syllogistisch aufgeputzter Schluß, aber doch als In¬ 
duktion, kraft der Dynamik seiner Seele, vollzogen, so daß 
auf alle Fälle das Wissen um Duheit erworben ist, wor¬ 
auf allein es ankommt: Das Wissen um Du war bei jedem 
Menschen einmal noch nicht da; das Wissen vom Ich 
war von je da, mit dem Erleben zugleich1), wenn schon 
selbstverständlich auch nicht in Form einer „Reflexion“. 
„Du“ sagen, von fremdem Bewußtsein reden ist also, 
um das immer wieder zu sagen, für die Logik nichts 
anderes als ein kurzer Ausdruck für einen sehr zusammen¬ 
gesetzten Sachverhalt: da sind Naturkörper, deren Ver¬ 
halten mechanisch nicht auflösbar, d. h. nicht aus der 
Konstellation der materiellen Teile und aus Wirkungen 
zwischen ihnen verständlich ist, sondern zur Setzung 
nicht-materieller Geschehensbestimmer — Entelechie ge¬ 
nannt — zwingt. Mein Leib gehört zu diesen Körpern. 
Bei ihm geht mein Erleben dem Gebahren der Entelechie 
(aber nicht „der Mechanik des Gehirns“) „parallel“. 
Also wird auch wohl dem Gebahren der aus den Bewe¬ 
gungsbesonderheiten anderer Menschenkörper erschlosse¬ 
nen Entelechie Bewußtsein „parallel“ gehen. In ganzer 
Strenge darf hier eigentlich nur von der Entelechie ande¬ 
rer Menschenkörper als von einem zur Natur gehörigen 
Agens geredet werden; der „Parallel“-Zusatz ist, ganz 
streng genommen, Hypothese und muß das bleiben. 
Um Mißverständnisse zu verhüten, mag besonders 
daraufhingewiesen sein, daß auch der Vitalismus, welcher 
behauptet, daß organisches Geschehen nicht in 
*) Vgl. Seite 39.
	        

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