Full text: Das Bürgertum und die katholische Weltanschauung (1)

VORBEMERKUNG 
Der hier folgende Anhang soll eine Art Textbuch sein, eine Samm- 
lung von Dokumenten des XVII. und XVII. Jahrhunderts, aus der 
sich der Leser eine selbständige Vorstellung von dem Umfange und der 
Bedeutung der im Vorhergehenden erörterten geschichtlichen Probleme 
bilden kann. Viele der hier zum Abdruck gelangenden Dokumente 
sind besonders für den deutschen Leser nur schwer zugänglich. Es wäre 
darum zwecklos gewesen, nur einfache Hinweise zu geben. Sollen solche 
Zeitdokumente der Vergessenheit entrissen werden und ihr Gehalt in 
das aktuelle geschichtliche Bewußtsein eingehen, so bleibt nichts anderes 
übrig, als sie wieder zum Abdruck zu bringen. Nun scheint aber wohl, 
daß bei der hier gegebenen Problemstellung keine synthetische Formel, 
keine zusammenfassende Schilderung den unmittelbaren Eindruck des 
zeitgenössischen Dokuments ersetzen kann. Es handelt sich um soziale 
Phänomene, um bestimmte kollektive, stets aber auch irgendwie indi- 
viduell variable Reaktionsweisen, nicht um eine Darstellung als solcher 
loszulösender und ihrer Bedeutung nach zu bestimmender Ideen. Die 
Mannigfaltigkeit der Äußerungsweisen, das im gewissen Sinne Zufällige 
und Gelegentliche des besonderen Ausdrucks, wie es etwa einer be- 
stimmten Lage, den Notwendigkeiten einer zu führenden Diskussion, 
dem Bildungsgrade der Individuen, den verschiedenen Phasen der Aus- 
bildung ihres Selbstbewußtseins entspringt, behält dabei seinen Wert. 
So müssen die Menschen dieser Zeit möglichst selbst zu Worte kommen, 
damit der Zusammenhang ihres Denkens und Fühlens mit ihrem sozialen 
und individuellen Leben ständig zu Bewußtsein gelange und man so 
der Gefahr entgehe, das Variable und Vieldeutige einer geistig-sozialen 
Massenerscheinung auf das Schema einer objektiv zu erfassenden Ab- 
folge von Ideen zurückführen zu wollen. 
Vm der Bedeutung der zeitgenössischen Predigten für das Ver- 
ständnis der geistigen Entwicklung des Bürgertums ist schon anderswo 
die Rede gewesen. Dagegen bedarf die eingehende Berücksichtigung 
zeitgenössischer jansenistischer und jesuitischer Streitschriften noch 
einer Rechifertigung. An sich scheint ja hier der Fall etwas anders zu 
liegen als bei den meisten der übrigen hier zum Abdruck gelangenden 
Dokumente. Jansenisten und Jesuiten gehen von bestimmten Grund- 
überzeugungen aus; beide vertreten sie ein „System“. So scheint es 
sich hier zunächst um eine rein ‚,theologische‘‘ Ideenentwicklung zu 
Groethuysen, Entsteh. d. bürgerl. Welt. u. Lebensanschaunung in Frankreich. 16
	        
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