Full text: Zur Lage der Arbeiter im staatlichen Bergbau an der Saar

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geförderte Kohle muß in großen Haufen auf die Halde geschmissen werden(Stenogr. 
Bericht, Sp. 2461.) 
Es ist falsch, auf der einen Seite von der staatlichen Bergwerksver 
waltung alle möglichen vom kapitalistischen Standpunkt des Saarbergbaues 
aus schädliche Rücksichten auf das Inland, die inländische Industrie, kleine 
Händler und Genossenschaften usw. zu fordern und gleichzeitig vom Saarberg 
bau eine Verzinsung zu verlangen, wie sie nur ein rücksichtlos nach kapitalistischen 
Grundsätzen geleiteter Betrieb bringen kann. 
Trotz seiner Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit ist der staatliche Berg 
bau an der Saar nicht unrentabel, er rentiert sich sogar recht gut. Leider fehlt 
uns eine genaue und, zuverlässige Nachweisung der Höhe des im Saarbergbau 
angelegten Kapitals. Auch in den Materialien, die dem Abgeordnetenhause 
zugehen, findet sich eine solche nicht. Wir können deshalb auch nicht einfach 
glatt ausrechnen, mit wieviel Prozent sich dieses verzinst. Bei der zweiten Be 
ratung des Etats der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung für das Jahr 1909 
wurde in der 33. Sitzung des Hauses der Abgeordneten am 17. Februar 1909 vom 
Berichterstatter Herrn Abg. Stengel (Staßfurt) aber auch diese Frage berührt. 
Er führte dazu aus: 
„Die Staatsregierung hat uns auch in der Kommission mitgeteilt eine Aufstellung, 
wie sich die Rentabilität der staatlichen Werke gestaltet. Demnach stellt sich der Kapitalwert 
auf im ganzen etwas über 291 Millionen Mark. Hierbei ist angenommen als Kapitalwert 
der Wert des Grund und Bodens, der Wert der Gebäude, der Betriebsanlagen und der Wert 
der Geräte, und dann der Kapitalwert derjenigen Kohlenfelder, die vom Staate angekauft 
sind. Sie sind mit dem dafür bezahlten Kapital eingestellt und werden allmählich amor 
tisiert. Ebenso werden alljährlich abgeschrieben von den anderen Anlagen: bei massiven 
Gebäuden 1 Prozent, 2 Prozent von Fachwerkgebäuden und 10 Prozent von den Maschinen. 
Durch frühere Reservationen oder auch durch Mutungen erworbene Felder werden mit 
einem Kapitalwert nicht eingesetzt, ebensowenig die Herstellung der Schächte und die unter 
irdischen Anlagen. Nach der Berechnung, die auf diese Basis gestellt worden ist, rentiert 
sich der staatliche Bergbau mit etwa 9\' 4 Prozent(Stenogr. Bericht der 33. Sitzung am 
17. Febr. 1909.) 
Verschiedentlich wurde bemängelt, daß nicht auch der Kapitalwert der 
jenigen Kohlenfelder, die durch frühere Reservationen oder Mutungen erworben, 
in die Bilanz eingestellt und mit der Berechnung des Zinsertrages zu Grunde 
gelegt sind. Man kann aber doch gegen den Grundsatz nichts einwenden, daß 
man Vermögensobjekte, die dem Staate nichts gekostet haben, nicht mit einem, 
gewissen Betrage in die Vermögensaufstellung einstellt. Abgesehen davon, daß 
der Wert der Gerechtsame doch nur durch Schätzungen und deshalb nicht zuverlässig 
zu ermitteln ist. 
Mehrfach ist auch schon verlangt worden, die Schachtanlagen und, die 
unterirdischen Anlagen sollten ebenfalls mit ihrem Werte in die Vermögens- 
aufStellung einbegriffen werden. Von dem. hier angelegten Kapital kann man 
aber doch kaum noch besondere Zinsen verlangen. Denn die genannten Anlagen 
wurden in früheren Jahren unter den laufenden Ausgaben gebucht, sind also 
damals von den Überschüssen in Abzug gebracht. Besondere Kapitalien, die 
eine Verzinsung und Amortisation verlangen können, sind in diese Anlagen 
nicht hineingesteckt. Würde für solche Anlagen eine Anleihe auf genommen oder 
durch eine Vermehrung des Aktienkapitals das dafür notwendige Geld beschafft, 
so müßte selbstverständlich ein solches werbend angelegtes Kapital sich verzinsen 
und amortisieren und bei der Zinsberechnung berücksichtigt werden. 
Hier und da begegnet man gar der Auffassung, die Erträge des Staats 
bergbaues könnten überhaupt nicht oder nur zum geringsten Teile als Gewinn 
angesehen werden, sie seien ja nur eine Entschädigung für den durch die För 
Der Saarberg 
bau ist nicht 
unrentabel.
	        

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