Full text: Zur Lage der Arbeiter im staatlichen Bergbau an der Saar

Versuchsarbeiten 
beeinflussen auch 
d. Durchschnitts 
förderung. 
Manche Aender- 
ungen wirkten 
leistungs 
mehrend. 
Leistungs 
mindernde 
Aenderungen 
überwiegen die 
leistungs 
mehr enden. 
bach“. Gerade diese Gruben aber hatten mit Ausnahme von Sulzbach im Jahre 
1906 noch eine Steigerung der Förderleistung pro Kopf der Gesamtbelegschaft 
zuwege gebracht, während für das gesamte Revier ein Sinken zu verzeichnen 
war. Es kann also keine Rede davon sein, daß die christlichen Gewerkschaften 
an dem Rückgang der Leistungen die Schuld tragen. 
Von welchem Einfluß die strenge Beobachtung der bergpolizeilichen Vor 
schriften auf die Durchschnittsförderung sein kann, dafür noch ein Beispiel. 
In einer im Oktober 1910 abgehaltenen Sitzung des Grubenausschusses der Berg 
inspektion V wies ein Ausschußmann darauf hin, daß an dem betreffenden 
Tage etwa 50 Tonnen weniger gefördert seien wie sonst, weil alle Sicherheits 
männer gefahren hätten. 1 ) 
Es darf dann auch nicht vergessen werden, daß die zahlreichen Versuchs 
arbeiten, die auf den Staatsgruben vorgenommen werden, einen ungünstigen Ein 
fluß auf die Durchschnittstonnenförderung ausüben müssen. Damit soll nichts 
gegen diese Versuchsarbeiten gesagt iverden. Im Gegenteil. Sie sind im Interesse 
des gesamten, auch des Privatbergbaues, notiuendig und ist zu wünschen, daß auch 
in Zukunft der Staatsbergbau auf diesem Gebiete vorbildlich bleibt. Es muß 
aber diese Arbeit bei der Beurteilung der Arbeitsleistung berücksichtigt werden. 
Man kann, wenn durch solche Arbeiten die Durchschnittstonnenleistung ungünstig 
beeinflußt wird, nicht die Arbeiter dafür verantwortlich machen. Notwendig 
ist aber eine Aenderung des bisher herrschenden Systems, welches dem Staats 
bergbau die ganzen Lasten der Versuche auf ladet, ohne ihm den entsprechenden 
Vorteil zu bringen. Der Hauptnutzen, den solche Versuche bringen können, 
geht dem staatlichen Bergbau infolge des starken Wechsels in den höheren 
Beamtenstellen verloren. 
Nicht verschwiegen werden soll, daß auch manche Änderungen, die in den 
letzten Jahrzehnten zur Einführung gelangten, die Durchschnittstonnenförderung 
günstig beeinflußten. Wir nennen nur die Verbesserung der Fördereinrichtungen, 
der Schießmaterialien, des Gezähes usw. Wie weit solche Verbesserungen 
die Durchschnittsförderung erhöhten, läßt sich nicht nachweisen. Ebenso ist 
auch nicht genau abzuschätzen, welchen Einfluß die erfolgten Änderungen, die 
im entgegengesetzten Sinne wirkten, hatten. Eines aber steht fest: Die in den 
Arbeiterverhältnissen und im ganzen Grubenbetriebe erfolgten leistungsmindernden 
Änderungen überwiegen in ihrer Wirkung offensichtlich weit die leistungsmeh 
renden. Besondere Beobachtung verdient insbesondere die erhebliche Abnahme 
des Prozentsatzes der eigentlichen Bergarbeiter, die mit der Aus-und Vorrichtung, 
dem Abbau und der Förderung beschäftigt und die Zunahme des Prozentsatzes 
der Arbeiter, die mit den Nebenarbeiten betraut sind. Es kann nicht die Spur 
eines Beiveises für die Behauptung erbracht werden, die Arbeitsleistung, d. h. 
die Arbeitsfähigkeit und Arbeitsiuilligkeit und die infolgedessen aufgewendete 
Arbeitsenergie sei zurückgegangen. Das Sinken der Durchschnittstonnenförderung 
auf den Kopf der Gesamtbelegschaft beweist nach dieser Richtung hin nichts. 
Ihm gegenüber kann mit Recht auf die veränderte Gesamtlage im Bergbau und die 
bedeutende Steigerung der Durchschnittstonnenförderung auf den Kopf der Klasse 
A hingewiesen werden. In diesem Zusammenhänge muß einmal ganz entschieden 
gegen den immer wiederkehrenden Vorwurf, die Saarbergleute würden weniger 
leistungswillig, protestiert werden. Ein solcher unberechtigter Vorwurf ist nicht 
geeignet, die Berufsfreudigkeit zu heben und die Bergleute zufrieden zu erhalten. 
Um das Unberechtigte des Vorwurfes der Minderleistung nachzuweisen, haben 
viele Arbeiter sich in der letzten Zeit angeboten, unter Beamtenaufsicht zu arbeiten. 
1 J Bergknappe Nr. 44, 1910. 
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