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1948 (0076)

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CC BY-NC-SA: Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. You can find more information here.

Bibliographic data

fullscreen: 1948 (0076)

Periodical

Persistent identifier:
86316854X
Title:
Saarbrücker Bergmannskalender
ZDB-ID:
ZDB Icon2862115-3
Place of publication:
Saarbrücken
Publisher:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Document type:
Periodical
Collection:
Periodicals
Mining
Erscheinungsverlauf:
1873 - 1962
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger

Volume

Persistent identifier:
86316854X_0076
URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-454108
Title:
1948
Volume count:
0076
Publisher:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Document type:
Volume
Collection:
Mining
Year of publication:
1948
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger
Digitised pages:
249

Chapter

Title:
Gemischte Beiträge
Document type:
Periodical
Structure type:
Chapter
Digitised pages:
222

Contents

Table of contents

  • Saarbrücker Bergmannskalender
  • 1948 (0076)
  • Cover
  • Prepage
  • Title page
  • Imprint
  • Preface
  • Kalendarium
  • Gemischte Beiträge
  • Contents
  • Cover

Full text

188 
J)a» eiwacftte Het% 
Von Claus Schmauch, Saarbrücken. 
Wie ein zottiger, hagerer Wolf erhob sich 
Theiß Hartberger von seinem Lager, kroch 
auf allen Vieren ins Freie und lauschte. 
Doch rundum sangen nur die Schwarz 
drosseln, und selbst die Häher, die noch 
gestern so unruhig waren, meldeten sich 
nicht. Sie strichen verstohlen durchs Hasel 
holz und plünderten die reifen Nüsse. 
Und noch etwas war draußen, was Theiß 
Hartberger verwirrte. Es roch nicht mehr 
nach Rauch und Brand. Doch bevor er ver 
schwand, warf er die Armbrust über die 
Achsel und tastete nach dem rostigen Kroaten 
dolch an seiner Hüfte. 
Fast lautlos trabte er durch den taunassen 
Wald. Als er sich einer Lichtung näherte, 
wurde er zu einem schleichenden, von Baum 
zu Baum huschenden Schatten, und am Wald 
rand duckte er sich hinter eine Schlehen 
hecke, die ihn vollständig verhüllte. 
„Wartet, ihr Hunde!“ Aus den Augen des 
Bauern, die bis jetzt wie zwei gefrorene Seen 
im braunroten Bartgewirr lagen, schlug ein 
funkelnder Haß, und seine breiten Zähne 
drohten wie Eberhauer. Zweimal schwirrte 
ein Bolzen nach einem nahen Feuer und warf 
jedesmal einen zerlumpten Söldner auf den 
Rücken. Nach dem letzten Schuß aber schni t 
ein Jammerlaut durch den Wald, der Theiß 
Hartberger das Blut in die Augen peitschte 
und so lähmte, daß er vergaß, den dritten 
niederzuwerfen, der einer nahen Mulde zu 
stürmte und rannte, als sitze ihm der Leib 
haftige im Nacken. 
,3ei Christi Blut, was war das?“ Erschrocken 
sprang der Freibeuter aus der Hecke, sank 
*3 
vor einem wimmernden Milchbart in die 
Knie und starrte in ein bleiches Gesicht 
und in zwei braune, flehend auf ihn gerichtete 
Augen. Und merkwürdig, je länger er diese 
weichen, zuckenden Züge betrachtete, um so 
heftiger fiel die Vergangenheit über ihn her. 
„Margret!“ Der Ru| klang, als stiege er aus 
einem tiefen, verschütteten Schacht, und in 
der Kehle des Bauern war ein Rasseln. Dann 
warf er sich zu Boden und wälzte sich stöh 
nend in den Nesseln und Disteln, die die 
Heerstraßen umwucherten. 
Als er sich blutend und zerschunden auf 
raffte und wieder über den seltsamen Gesellen 
beugte, erblickte er ein fremdes, unbekam es 
Gesicht. Aber die Hände des Verwundeten 
bedeckten jetzt eine blutende Frauenbrust 
und trieben die letzten Zweifel aus Theiß 
Hartbergers Hirn. 
Eine Stunde später lag die ohnmächtige 
Frau auf einem aus Lumpen und Laub ge 
schichteten Lager, und der Bauer kniete neben 
ihr und bestrich die Streifwunde mit warmem 
Dachsfett, von dem er stets einen kleinen 
Vorrat besaß. 
* 
Der Wald sauste und schüttelte seine nassen 
Kronen, Regenschauer schossen schräg durch 
wirres, unwegsames Gestrüpp und tromme.ten 
auf frischgefallenes Laub. Zerrissene Wolken 
fetzen fegten durch die Wipfel. Faule Äste 
splitterten und trafen dumpf die Erde — und 
noch immer saß der Hartberger am schwelen 
den Feuer und rührte keinen Muskel. 
Aber in seiner Brust war ein seltsames 
Dröhnen. Immer heftiger stieß das Herz gegen 
die steinharte Kruste, die dreißig wilde, er 
barmungslose Kriegsjahre um es legten, und 
wie sie endlich zerbrach, fiel der Hartberger 
mit einem jähen Laut aufs Gesicht. So lag er 
lange und merkte nicht, wie das Feuer nach 
seinem Barte leckte und immer näher an 
seine verkrampften Hände rückte. 
Als aber der Morgen fahl und feucht durch 
das gilbende Laubdach schielte, schüttelte der 
Hartberger seine steifen, in bunten Sö.dner- 
lumpen steckenden Glieder, und strich zu sei 
ner aus verkohlten Balken und Brettern ge 
fügten Hütte. Dort starrte er in das heiße 
Gesicht des im Wundfieber liegenden Weibes 
und verschwand. 
Wie einer, der etwas sucht, was er schon 
lange aufgegeben hat, trat er aus dem Walde, 
sandte seine Blicke hinab in die Mu de, wo 
einst das Dorf stand, und heftete sie dann auf 
einen Hang jenseits des Tales. 
Dort muß er sie finden! 
Um seinen einstigen Hof, der längst in 
Trümmer gefallen war, einen scheuen Bogen 
schlagend, erreichte er eine Stelle, die mehr 
einem Schindanger als einem Friedhof ähnelte. 
Er wand sich durch Brombeerranken und 
Hagedomgestrüpp, übergratschte ein paar ver 
witterte, umgestürzte Steinkreuze und blieb 
vor einem Hügel stehen, auf dem drei morsche*.
	        

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1948. Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, 1948. Print.
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