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1931 (0009)

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Copyright

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Bibliographic data

fullscreen: 1931 (0009)

Periodical

Persistent identifier:
1671265963
Title:
Der Saarkalender
Sub title:
ein Volksbuch für heimatliche Geschichtsforschung, Kunst, Naturwissenschaft, für saarländische Literatur, Statistik und Volkshumor
Shelfmark:
Z 647
ZDB-ID:
ZDB Icon2981281-1
PPN der Nachfolger-Zeitschrift:
1671266579
Place of publication:
Saarbrücken
Publisher:
Druck und Verlag von Gebr. Hofer AG
Document type:
Periodical
Collection:
Periodicals
Erscheinungsverlauf:
1923 - 1936
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger

Volume

Persistent identifier:
1671265963_0009
URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-516544
Title:
1931
Volume count:
0009
Publisher:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Document type:
Volume
Collection:
Periodicals
Year of publication:
1931
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger
Digitised pages:
191

Chapter

Title:
Gemischte Beiträge
Document type:
Periodical
Structure type:
Chapter
Digitised pages:
145

Contents

Table of contents

  • Der Saarkalender
  • 1931 (0009)
  • Cover
  • Title page
  • Zum Geleit
  • Preface
  • Kalendarium
  • Gemischte Beiträge
  • Contents
  • Inserate

Full text

Der überliſtete Klarinettenfrit. Trotz ihrer ſchweren und ſtets gefahrdrohenden 
Arbeit haben unſere Saarbergknappen Sinn für Humor. Er ſpricht ſich ſchon in den 
Spißnamen aus, mit denen ſich die Kameraden, oft in Erkennung <arakteriſtiſcher Merk- 
male des einzelnen, ſo gerne belegen. Weiter lieben es unſere Knappen, ſich gegenſeitig 
zu hänſeln und die Shwächen guter Freunde für mancherlei Kurzweil auszumüßen. Beim 
Halbſchichtbrot an der Mündung der Flözſtrecke Aſter der H.-Grube ſigen gemütlich 
beieinander der Schienenmatz, Hopplahopp, ider Michel von Otzenhauſen, Huſarenjübche 
und Vetter Bernhard. Sie unterhalten ſich über iden zu allem Schabernack ſtets auf- 
gelegten Klarinettenfrit, der manchem von der Kameradſchaft ſchon übel mitgeſpielt und 
ihn lächerlich gemacht hat. Nur der Vetter Bernhard erzählt, wie er dem alten Fuchs 
eine Falle ſtellen konnte und ihn auch darin zu fangen wußte. „Jhr wißt doch,“ ſagte er, 
„daß de Frit frieher bei de Bergkapell die Klarinett gebloſt hat. Als er dann verunglickte 
un aus idem Neinkerjer Lazarett entlaſſe war, hat er ſich pangſioniere laſſe. Er is 
Wittwer, hat ke Kinner un ſei ein un alles is ſei Klarinett un uf der ſchpielt er jede 
Omend vor idem Sc<hlofegehe e ganz Zeit lang. Als ich aus de Palz hemkam, hat er 
als mei Nachbar wiſawi in einer Manſard geſeſſe. Ich han drei Omende ſeinem quietſchen- 
den Geblos zugeheert un ich han werklich gedenkt, wenn doh nur ide do Vochel wieder 
fort wär. Jh han im Bett geläh, do han ich noch idas Gedudel vom Antoniusmarſch 
gehört un Lieder wie „Herzliebhen mein unterm Rebendach“ und „Sah ein Knab ein 
Röslein ſtehn“ hat er in alle Verſe geſchpielt un ſo ſchrecklich, ich han Leibweh davun 
gehat. Am vierten Dag ſinn ich zu ihm gang, es war omends um ſiwe Uhr, un han zu 
ihm geſat: „Vetter Fritz, ſo ſcheen han ich noh net ſchpiele geheert, wenn Ihr mir jeden 
Omend ſo ſcheen ſchpielt un immer ide Antoniusmarſch dabei, gew ich Eich vo jeden 
Omend finfunzwanzig Penning.“ Un de Fritz war ſeelevergniegt un hat -- ich han noch 
ä bißc<he mit ihm geſchwäßt -- noher hinner mir hergeſchpielt: „Freut euch des Lebens!“ 
IH han ä ganz Woch ä ſcheenes Omendkonzert gehat, daß alle Katze ausgeriß ſinn un 
die ganze Nachbarſchaft hat Teil genommen an ldem Finfunzwanzigpenning-Konzert. 
Sunndagsmiddags bin ich dann zum Klarinettenfrit gang und han ihm geſat: „Mei 
liwer guter Freind, vun heit an zahle ich nix mehr. Ih han mich erkunnigt, ic brauch 
nix zu zahle un kann (doch idei Konzert höre. Do hätſcht de awer de Klarinettfriz höre 
ſolle. Ufgeſprung is er und hat geſchrie: „Was, zahle wolle Jhr net mehr, dann ſuche 
Eich awer ach ä annerer, ider vo Eich ſchpielt.“ Was hat er gemacht? Am annere Da hoi 
er ſei Dachkammer gekinnigt un vor acht Da is er noch Neinkerje gezo. Geſchpielt hat 
er nix meh. Als er mit dem Doppeljohann ſei Fuhrwerk no Neinkerje zog, is ihm de 
Schlempehäns begähnt un hat geſat: „Mich haſcht de öfter verwitſcht, awer de Vetter 
Bernhard hat Dich aach verwitſc<ht. Der wollt nur mache, daß am omend die Micke 
ſc<hlofe kenne. Mit Deinem Gedudel ſin alle Hunde wild worre un alle Singvögel zu 
arank. Da is de Klarinettefriß aac krank worre vor Aerger un Künſtlerſtolz un kreiſcht: 
„Hier jaule ſe vor Kunſt, un in Neinkerje ſuche ſe e Muſikdirektor!“ 
Von den „Asbachern“. Der Stamm öder Arbeiter auf der Halberger Hütte in Brebach 
waren die alten Asbacher. Sie ſiedelten mit dem 1919 verſtorbenen Jnduſtriellen, Geh. 
Kommerzienrat Böcking, Ende der ſechziger Jahre vorigen Jahrhunderts mach der Still- 
legung der Asbacher Hütte nach dem Saartal über, um ſich eine neue Heimat zu gründen. 
Unter dieſen biederen und treuherzigen Leuten waren einige Köſtliche Originale, vor 
allen Bertges Friß, genannt „Feierabend“. Dieſen Spitznamen erhielt er wegen eines, 
durch ihn hervorgerufenen peinlichen Vorfalls in der Brebacher Kirche. Es war ein heißer 
Sommertag, die Arbeit der Woche hatte den B. hart mitgenommen, er war müde und 
ſ<lief wähend 'der Predigt ſanft ein. Als er anfing zu „ſägen“, wurde er von den neben 
ihm ſißenden zwar einigemale unſanft aus ſeinem Schlummer gerüttelt, aber nach wenigen 
Augenblicken nickte er wieder ein, träumte von ſeiner Stammkneipe und platzte plötzlich 
mit ſJeiner kraftvollen Baßſtimme in die Feier hinein: „Feierabend, Feierabend!“ Es 
war 'das Wort, das er ſo oft von dem Polizeidiener Jſengardt vernommen, wenn er im 
ſchönſten Zuge am Trinken war. Der Schrecken über dieſe Störung des Gottesdienſtes 
malte ſich auf allen Geſichtern. Alle ſaßen wie erſtarrt, ſelbſt Pfarrer Hauſtein verſchlug 
es das !Wort in der Predigt. Aber dann kanzelte er den Störenfried tüchtig ab, der ganz 
zuſammengebrohen und zerknivſcht unter der Strafpredigt und iden zürnenden Blicken 
der ganzen Gemeinde vor ſich niederſah. In ider Stammkneipe Schlüter begoß er ſein 
Malheur und zugleich ſeine zweite Taufe. Seit jener Unglücksſtunde kannte ihn niemand 
anders als unter dem Namen „Feierabend“ 
Einſt ſaß er mit ſeiner Familie beim Mittagsmahl. Schmalhans war Küchenmeiſter, 
es gab nur Kartoffel und Schnittlauchſalat. Frit iſt darüber höchſt unwillig und meint 
verdrießlich: „Js datt e Eſſe vor e Mann, wo ſo ſchafft!“ Einer ſeiner Söhne fällt ihm 
ins Wort: „Jo, wo ſo ſauft!“ 
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1931. Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, 1931. Print.
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