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1928 (0006)

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Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Bibliographic data

fullscreen: 1928 (0006)

Periodical

Persistent identifier:
1671265963
Title:
Der Saarkalender
Sub title:
ein Volksbuch für heimatliche Geschichtsforschung, Kunst, Naturwissenschaft, für saarländische Literatur, Statistik und Volkshumor
Shelfmark:
Z 647
ZDB-ID:
ZDB Icon2981281-1
PPN der Nachfolger-Zeitschrift:
1671266579
Place of publication:
Saarbrücken
Publisher:
Druck und Verlag von Gebr. Hofer AG
Document type:
Periodical
Collection:
Periodicals
Erscheinungsverlauf:
1923 - 1936
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger

Volume

Persistent identifier:
1671265963_0006
URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-508127
Title:
1928
Volume count:
0006
Publisher:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Document type:
Volume
Collection:
Periodicals
Year of publication:
1928
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger
Digitised pages:
214

Chapter

Title:
Gemischte Beiträge
Document type:
Periodical
Structure type:
Chapter
Digitised pages:
150

Contents

Table of contents

  • Der Saarkalender
  • 1928 (0006)
  • Cover
  • Title page
  • Zum Geleit
  • Preface
  • Kalendarium
  • Gemischte Beiträge
  • Contents
  • Inserate
  • Cover

Full text

ECE 
  
  
M... 
  
  
Kurze Umſchau. 
ot, geistige, politische und wirtschaftliche, in allen Gauen des Reiches, die durch 
NM Sturm wild aufgewühlte See glättet ſich noch nicht. Wie von allen guien Geiſtern 
verlassen, liegt mit dem Reich die einst so vornehme Göttin unseres Erdteils, die 
alle Eurove, auf ihrem vom Siechtum bedrohten Krankenlager, geschüttelt von Fieber- 
ſchauern. Ihr antiker Götterfreund dagegen, Mars, iſt heute wieder recht geſund und ein 
vielbesſchäftigter Mann, in Europa ſchleift er sein Schwert an allen Ecken und Enden, in 
Aſien arbeitet er schon im Akkord. Freiheit und Selbstbeſtimmung sordern auch dort ihr 
Recht, und vergeblich werden die Herren dieſer Weli jetzt das von ihnen entfachte Feuer 
zu löschen suchen. 
England, dieser olle, ehrliche boy, sieht in Asien seine Geldkatze gefährdet und 
ſchreit verzweifelt: „Jch bin ein Chriſt und fromm und alles Edlen Hüter, Völker 
Europas wahrt eure heiligſten Güter!“ Italien will ſich, wie immer, neue Niederlagen 
holen, um dann + auch wie immer –] trotß aller hingenommenen Prügel dennoch gut 
abzuschneiden. Im Symbol der Heimaterde, des Drecks zu Haus, des Schwarzhemdes, hat 
Muſsolini, jedes Volksrechts Rinaldini, Glück gehabt. Ob lange noch, steht dahin. Fr an k - 
r e i ch macht in bleicher Angst um sein Prestige bereits das letzte Wickelkind mobil und 
stellt + c'est tres dangereux + die älteste, faltenreichſte Chansonette in den Dienst des 
„bedrängten“ Vaterlandes. Und Mariannes an Ungeziefer reicher Sohn, d er Pnlakt , 
wenn er sich nicht juckt, uns frech ins deutsche Antlitz spuckt. Die So w j et s haben längst 
in ihren Wirtſchaftswodka viel Wasser gießen müsſſen. aber er macht noch trunken, denn 
die Propheten vom Evangelium des ſtaatlichen Zwanges ziehen hinaus in alle Welt. Um 
hen roten Stern versammeln sich die Gläubigen und predigen, um „eindrucksvoll“ zu 
wirken, ihre Heilsbotſchaft mit Knüppeln. Allen diesen Herrſchaften gemeinsam ist außer 
dem Deutsſchenhaß die Ebbe im Geldbeutel und mit ihr die wirtschaftliche Kalamität. Und 
den Yankee hört man plärren: „Auf, zur Kasse meine Herren!“ § 
In Genf setzen ſich hin und wider „Okkultisſten“ um den wackelnden Friedenstisch und 
ſuchen vergeblich den „Geiſt von Locarno“ zu zitieren. Nur Sputgeſstalten übelster Art 
erſcheinen. Etliche Teilnehmer an der Sitzung lachen ſstillvergnügt, die anderen möchten 
weinen. Michel iſt stets bei den letzteren; er ſteht wie weiland König Heinrich im Büßer- 
hemd vor dem erlauchten Publikum, geht ängstlich nur und zaghaft vor, spielt Parzival, 
den „reinen Tor“. Und wünſcht er was, schreit man: „Hallo, sic volo et sic jubeol Und durch 
die ſchrille Jazzmusik klingt für die deutsche Republik als der Entente Unterton ein 
grimmig knurrend Saxophon. Und heimlich bibbern doch die Hoſen vor dem gänglich 
Waffenlosſen. Statt Frieden und Freiheit von seiten der Macher ein elend jämmerlicher 
Schacher und ſchließlich neben verstohlener Hetz nichts wie Geſchwätz. 
„Denk' ich an Deutschland bei der Nacht, ſo iſt mein Schlaf dahin!“ Heines Wort hat 
heute wieder Geltung. Und dennoch! In allen Kümmernissen der Nachkriegszeit, einer 
Katastrophe in der Menſchheitsgeſchichte, bliten in dem deutschen Chaos ſchon tröſtende 
Lichter auf. Unrecht und Gewalt, die letzten Zuckungen einer absterbenden Weltordnung, 
werden vergehen. Wegweiſer aber einer ſchöneren Zukunft zu sein, iſt das deutsche Volk 
nach seiner äußern Lage wie durch ſeine Begabung berufen. Den Geiſt, der sich heute in 
allen Nationen regt, kann man nicht mit Kanonenkugeln töten. Aus der allgemeinen Not 
wird sich die neue Zeit emporringen. Will aber Deutschland seinen Wert und seine Würde 
voll in die Wage werfen, so iſt und bleibt eine Kardinalforderung die nationale Einheit, 
„ſoweit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt“. 
Das zuerst 1813 in den Freiheitskriegen heraufsteigende Ideal deutſcher Volksgemein- 
ſchaft wurde durch die Eiferſucht der Fürſten niedergehalten, leuchtete 1848 in dem Ringen 
um den deutschen Staatsgedanken erneut auf und konnte, wenn auch nicht voll, erſt durch 
Bismarck Tat und Wahrheit werden. Nach dem tiefen Fall unserer Tage taucht die alte 
Sehnsucht wieder auf und wird, verwirklicht, unsere neue Weltgeltung besiegeln. „Das 
große, treue, tapfere Volk der Deutschen“. wie Freiherr zum Stein es bezeichnete, wird 
  
  
  
33 
Saarkalender 1928 3
	        

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1928. Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, 1928. Print.
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