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1924 (0002)

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Copyright

Public Domain Mark 1.0. You can find more information here.

Bibliographic data

fullscreen: 1924 (0002)

Periodical

Persistent identifier:
1671265963
Title:
Der Saarkalender
Sub title:
ein Volksbuch für heimatliche Geschichtsforschung, Kunst, Naturwissenschaft, für saarländische Literatur, Statistik und Volkshumor
Shelfmark:
Z 647
ZDB-ID:
ZDB Icon2981281-1
PPN der Nachfolger-Zeitschrift:
1671266579
Place of publication:
Saarbrücken
Publisher:
Druck und Verlag von Gebr. Hofer AG
Document type:
Periodical
Collection:
Periodicals
Erscheinungsverlauf:
1923 - 1936
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger

Volume

Persistent identifier:
1671265963_0002
URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-498376
Title:
1924
Volume count:
0002
Publisher:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Document type:
Volume
Collection:
Periodicals
Year of publication:
1924
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger
Digitised pages:
261

Chapter

Title:
Gemischte Beiträge
Document type:
Periodical
Structure type:
Chapter
Digitised pages:
167

Contents

Table of contents

  • Der Saarkalender
  • 1924 (0002)
  • Cover
  • Inserate I
  • Title page
  • Zum Geleit
  • Preface
  • Kalendarium
  • Gemischte Beiträge
  • Contents
  • Inserate II
  • Cover

Full text

  
Saarkalender für das Jahr 1924. 
anfertigen oder Tinte aus Pulver machten. 
die. Panzer zuſammensettte und mit Waſser 
nachfüllte. 
Es war sein größter Schmerz, daß es ihm 
niemals gelungen war, ſeinen Chef zu 
ſprechen. Er sah ihn zuweilen vorüber- 
fahven und hörte ihn an Feſttagen aus der 
Ferne auf der Rednertribüne die Ansprache 
an seine Beamten und Arbeiter halten, von 
der man nur die Hälfte verſtand, er hielt 
ihn seinen Lehrlingen stets als Muster vor. 
. .. „Und Jhr Kerle sin zu faul, e Schipp 
Kohle uff de Owe zu ſchitte. Eich wärs 
rech, wann mir um 10 Uhr ahnfange 
dähte.“ . . . Gewiß wäre das den Lehr- 
lingen recht gewesen, sie stöhnten unter 
Rudolf Panzers Zucht. Aber sie lernten auch 
etwas in seinem „Birro“. Er ſparte für 
die Hütt’. Wenn die Erzpreile ſtiegen. ſchlief 
er schlecht, denn dann zogen wieder die 
Kohlenpreiſe an, die Frachten und alles, 
und wer sollte dann noch der Hütt' die 
Schienen und Schwellen abkaufen? Der 
arme Staat konnle es bald auch nicht mehr. 
Vor den Streiks lief er zu den Führern 
und suchte sie zu beſänftigen, zu überreden; 
wenn ſie höhere Löhne bekamen, ſtieg doch 
nur das Brot. Aber auch Rudolf Panger 
gelang es nicht, sie davon zu überzeugen. 
und so stieg das Eiſen, das Brot und alles. 
Und je höher die Preise stiegen, desto 
eifriger ſparte Panzer Material, denn etwas 
anderes konnte er nicht ſparen, sein Ge- 
biet war begrenzt. Es endete an der gelben 
Tannentüre, die seit dreißig Jahren nicht 
mehr gestrichen war. 
Was hatte seine kleine Frau ihm ſchon 
zugeredet. endlich zu einem guten Schneider 
zu gehen; aber er ließ nicht ab von dem 
alten, der alle Jacken zu eng und die Bein- 
kleider zu weit machte; er trug denselben 
fuchſigen Zylinder, den er sich zur Hochzeit 
angeschafft; „der hält mich noch aus“, sagte 
er, ihn liebevoll glättend vor einer Be- 
erdigung. 
Ihre Schulfreundinnen wurden angeredet 
Frau Seminardirektor, Frau Oberpoſt- 
ſekretär, Frau Stationsvorſteher + nur ſie 
hieß immer nur: Frau Panger. 
Wenn er wenigstens ſeinen Dialekt ab- 
gelegt hätte; aber „mir ſchwätze wie mir 
da h em m geſchwätzt han“, sagte Panzer; 
er sagte „Dirmel“ zu den Lehvlingen oder 
„Halt's Maul“. –~ Was nützte es ihm, 
daß ihn alle Kinder kannten und alle Ar- 
êÑ beiter grüßten? j 
Sein Chef kannte ihn nicht einmal dem 
Namen nach, er las ſeinen Namen vielleicht 
einmal flüchtig auf einer der langen Be- 
amtenlisſten, ehe man zu dem alljährlichen 
Mittagessen aufs Schloß geladen wurde, zu 
dem Frau Panzer nie etwas anzuziehen 
hatte, und von dem sie nur die Kollegen- 
frauen im Kränzchen nachher prahlen hörte. 
. . . Ihr Mann rechnete aus, was der Hütt’ 
so ein Feſt mit Bewirtung koſtete. 
§ 
Rudolf Panzer liebte ſeine Heimat. Er 
wußte alle Sagen seines Landes auswendig; 
zuweilen erzählte er sie ſeinen Kindern 
Sonntags abends, wenn sie in der Dämmer- 
ſtunde im Winler am Ofen um ihn herum 
saßen: Von dem gespenstigen Pudel, der 
die eiſerne Kette nachſchleppte, in dessen 
Leib die Seele eines Wucherers gefahren 
war, der keine Ruhe finden konnte. Von 
dem Haus mit dem Renaissancetürmchen in 
der Suppegaß, in dem die Here gemwohnl, 
von den unterirdiſchen Gängen. die vom 
Schloß unter der Saar herführten und die 
Grüfte der Kirchen miteinander verbanden, 
in die man ſich flüchtete zu Kriegszeiten. 
Von der an Zahnweh verstorbenen Gräfin, 
die in Stein gehauen in der dunklen 
gotischen Schloßkirche ruhte. Von dem ge- 
panzerten Reiter, der in der Neujahrsnacht 
über den Boden der Dragonerkalerne ritt 
usw. Am liebſten erzählte er von dem 
Mann, der seine Heimat so geliebt hatte, 
daß, als der Beerdigungszug auf der Höhe 
ankam, von wo aus man die ſchönſte Aus- 
sicht auf das Dorf hat, er am Sargdeckel 
hämmerte, bis sie ihn aufmachten und ihn 
noch einmal seine Heimat sehen ließen ... 
erſt dann konnte er ſterben.... „So hat 
der fine Heimat geliebt,“ schloß Panzer 
ergriffen. 
Schlimme Jahre hatte ihm der Krieg ge- 
bracht! Zwei Söhne fielen draußen; die 
Sorge, was aus einem würde, wenn man 
auswandern müſſe, hatte ihm das Haar 
gebleicht; die Flieger warfen die Bomben 
auf seine Hütt’, und sein hübſches, blankes 
Haus war unter der ewigen Einquartierung 
in den grauen Novembertagen unter dem 
Winterregen beschmutt und verbraucht 
worden, und nun saßen die Frangoſen drin. 
Den ganzen erſten Stock hatten sie mit 
Beschlag belegt, für ihn und seine Frau 
blieben noch zwei Stuben im Parterre. ... 
Die Kinder waren aus dem Hauſe, da 
ging's, aber seine Frau weinte doch oft. 
Doch Panzer tröſtete sie. Er hatte unter 
alten Papieren noch den Aufruf Blüchers 
gefunden: „An die Bewohner des linken 
Rheinufers!“ er war vergilbt und aus- 
gefranſt. „Die haben's damals noch ſchlimmer 
gehabt; sei ruhig, Malchen . ..“ und während 
ſie über ihm die Marſseillaiſe sangen, las 
er den Aufruf Blüchers, der über den Rhein 
kam 1814 zu den Großvätern, um sie zu 
  
105
	        

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1924. Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, 1924. Print.
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