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1923 (0001)

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Copyright

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Bibliographic data

fullscreen: 1923 (0001)

Periodical

Persistent identifier:
1671265963
Title:
Der Saarkalender
Sub title:
ein Volksbuch für heimatliche Geschichtsforschung, Kunst, Naturwissenschaft, für saarländische Literatur, Statistik und Volkshumor
Shelfmark:
Z 647
ZDB-ID:
ZDB Icon2981281-1
PPN der Nachfolger-Zeitschrift:
1671266579
Place of publication:
Saarbrücken
Publisher:
Druck und Verlag von Gebr. Hofer AG
Document type:
Periodical
Collection:
Periodicals
Erscheinungsverlauf:
1923 - 1936
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger

Volume

Persistent identifier:
1671265963_0001
URN:
urn:nbn:de:bsz:291-sulbdigital-512290
Title:
1923
Volume count:
0001
Publisher:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Document type:
Volume
Collection:
Periodicals
Year of publication:
1923
Copyright:
Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek
Language:
ger
Digitised pages:
222

Chapter

Title:
Gemischte Beiträge
Document type:
Periodical
Structure type:
Chapter
Digitised pages:
148

Contents

Table of contents

  • Der Saarkalender
  • 1923 (0001)
  • Cover
  • Title page
  • Preface
  • Kalendarium
  • Gemischte Beiträge
  • Contents
  • Inserate
  • Cover

Full text

Saarkalender für das Jahr 1923 
Vom alten Piſchtel (Piſtorius). An allen Stammtiſchen der Großſtadt lebt er noch, der alte 
Biſchtel, Bäcker und Wirt zu St. Johann, ein ſeltſamer Kauz von einem ſchier unglaublichen 
Selbſtgefühl. Streit- und ſchreibluſtig, wie ſeit langer Zeit keine Seele im Saargebiet. Faſt 
20 Jahre hindurch (1865--1883) beſtürmte er die Zeitungen mit ſeinen Artikeln, die ſtets ſo 
unfreiwillig komiſch waren, daß die Bevölkerung die HerzenSergüſſe nicht entbehren wollte. Er 
fühlte ſich auch berufen, an den Regierungspräſidenten, an den Reichstag und an den König zu 
ſchreiben 3. B. über Marktfragen. In einer Eingabe an den König heißt es hierüber: „Und 
darum möchte ich Ihre liebe Majeſtät bitten, daß Gott Jhnen einmal Zeit und Geduld ſchenkt, 
dieſe Zeitungs - Annocen mit Ihrer lieben und werthen Familie zu leſen, denn was ich ſchreibe, 
kan auf den Dächer gepredigt werden“. Ein Eingeſandt überſchrieb er „Von der Kirche“. Es 
lautet : „Zu St. Johann ſind -ſie jezt daran, die Kirche zu wärmen, damit ſie ſtärker beſucht 
ſoll werden. 1) Warum ſind die Sand-Uhren auf der Kanzel ? Antw.: damit die Herren Pfarrer 
ſehen ſollen wanns Zeit iſt nachzulaſſen zu reden; 2) 1/z Stunde warm aus dem Herzen geſprochen, 
das wieder zu Herzen geht, iſt hinlänglich genug, das behält noch nicht jeder, damit punkt 11 Uhr 
auf der Kanzel Amen geſagt wird, alsdann laßt die Gemeinde ſich mit einem kräftigen Liede 
warm ſingen und wer nicht ſingen will, geht nach Hauß. Unſere Vorfahren hatten auch keine 
Defen, ſollen Wir uns jett jo verweichlichen, =- thut die enge Schnürkleidun und Schuh oder 
Stiefel weg, daß das Blut ſeine Zirkulation hat, anſtatt daun die luftige S inline einen gut 
wattirten oder ſonſt ein warm Kleidungsſtück, dann wird's ſchon gehn“. Er kämpfte lange gegen 
die Anlage des heutigen St. Johanner Friedhofs, ſein Schlagwort war dabei: „Es iſt nicht nötig, 
den ganzen Stadtbann mit Kir<höfen zu verſchmeeren!“ Die meiſten lachten über den 
ſonderbaren Mann, ein Gerichtöherr ärgerte ſich aber über ihn und machte ihn in einem Gedichte 
lächerlich. Der Schluß dieſer Spötterei lautet : 
„Alles zog er vor das Auge ſeiner Betrachtung und fand, daß zu beſſern ſei. Sela! 
Aber am meiſten fand er zu tadeln an der Lage des neuen Friedhofes : 
Der weite Weg, die Größe der Fläche, die Umfaſſungsmauern =- alles war ſchlecht. 
Und er erfand ein Wort, wie es größer und ſchöner nie gedacht worden iſt. 
Da3 Wort aber heißet alſo: Jhr verſchmert den ganzen Bann mit Friedhöfen. Sela! 
Er blieb ein Muſter der Stadt St. Johann ſein Leben lang und ward begraben 
Mit ſeinen geſammelten Werken =- auf dem neuen Friedhofe. Sela ! 
Die Freude des Wiedererkennens. Vor mehreren Jahren kam eine Anzahl Ulanen durch die 
Saarbrücker Linſengaſſe. Wie es der Zufall mit ſich brachte, lag da auf irgend einer Fenſter- 
bank ein ebenſo najeweiſer als ſchmußtig verſtruppter Frauenkopf. Einem der Soldaten diente 
das Meduſenhaupt gleich als Ziel ſeiner ausgelaſſenen Spottluſt. Er rief ſeinen Kameraden zu: 
„Guke mool do owwe, das is leibhafdig 'm Deiwel jei Großmutter 1“ --“ Kaum waren dieſe Worte 
bis an da3 Fenſter gedrungen, da legte ſich das geruhſame Geſicht in zärtlich lächelnde Falten. 
Und e8 tat von oben herunter den Au3ruf: „Aach mei, kennt mich mei ſtolz? Enkelche aach noc<!" 
Geſegneter Appetit. I< ſize am 5. Juli im Jahre des Heils 1922 in einer Konditorei. Eine 
ältere fette Lothringerin betritt das Lokal und beſtellt Kaſfee und Torte. Das Fräulein bringt das 
Gewünſchte. Der Gaſt zeigt auf das StüF Kuchen und ſagt: „Ja, von dem do!“ „Wieviel?“ fragt 
der dienende Geiſt. „Bringt nur de Kuche!" Das Fräulein kommt lachend mit einer ganzen 
Torte, ſtellt ſie auf den Tiſch und bemerkt: „Das koſtet aber 130 Mark!" „'8' iſch guet! ce m'a 
rien a dire!" entgegnet die Die und läßt zur Freude ihrer Umgebung zu einer Taſſe Kaffee die ganze 
Torte verſchwinden. Sie bezahlt und ſagt zu uns: „Was lachen Sie! Alles zuſammen koſtet nicht 
einmal 4 Franfen. Steige ich in Forbach aus, ſo bekomme ich für: 4 Franken ein ganz kleines Stüc 
Torte und weiter nichts!" Allewetter! Daran hatte im Augenblicke niemand gedacht. Ein Freund 
gibt mir einen ſanften Rippenſtoß. „Du“, flüſtert er mir zu, „in den ſchönen Friedenszeiten gab es 
hier nicht einen, ſondern eine Reihe von Leuten, die auf einem Siß ſogar einen ganzen Gänſebraten 
verzehrten, auch eine Leiſtung, aber daß eine Saarländerin eine ganze Konditortorte eſſen kann, wird 
bi3 in Ewigkeit niemand erleben!" 
Trefffichere Antwort. Prof. Glabbach, uns Aelteren noch in lieber Erinnerung als herzensgute! 
Menſch und vielverehrter Schulmann, hat ſeine Oberrealſchüler von Quarta bis Oberſekunda in aller 
Not des Lehrer3 und der Lernenden geführt. Jn der Oberſekunda wird ſtets offiziell das „Du“ mi! 
„Sie“ vertäujiht- Prof. Gl. vergißt dies in der Liebe zu ſeinen Schülern. Sofort geht der -Sobn 
eine38 höheren Bergbeamten zum Direktor und beſchwert ſich in dieſer Sache. Der Direktor hält mil 
Gl. Rückſprache. In der nächſten Stunde betritt der Profeſſor nach ſeiner Art würdevoll die Klaſſe, 
ſieht ſcharf den Beſchwerdeführer an und ſagt zu ihm lachend: „Zm Grunde iſt e3 doch wohl gleich“ 
gültig, ob ich zu Jhnen Du Eſel oder Sie Eſel ſage!“ 
mI 
162
	        

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1923. Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, 1923. Print.
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