Full text: 1962 (0090)

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Was bedeutet der Bergmannsgrufc 
Aus einer dreihundertjährigen Geschichte 
von Theo Schwinn 
II 
GLÜCKAUF" 
er Bergmannsgruß Glückauf wird mit Sicher= 
heit Ende des 17. Jahrhunderts bezeugt. Kluge/ 
Götze führt ihn auf das Jahr 1675 zurück im „Ety= 
mologischen Wörterbuch der deutschen Sprache". 
Im Erzgebirge sei der ermunternde Zuruf „Glück* 
auf" zum bergmännischen Gruß geworden, mit dem 
sich die Knappen vom „Glück zu" der städtischen 
Zünfte absetzten. Prof. Heilfurth gibt in seinem 
Buch „Glückauf" das Jahr 1680 an. Er stützt sich 
auf die Dissertation des erzgebirgischen Chronisten 
Christian Meitzer „Glück auff! Vom Erzgebirgi* 
sehen Silber=Bergwerk". 
Der Sinn des Grußes wird verschieden gedeutet. 
Der Freiberger Steiger Ch. G. Lohse schreibt 1745 
in der Vorrede eines Erbauungsbuches: „Glück auf 
und nicht Glück zu! wie sonsten gemeinlich der 
Gruß des Land Volcks ist, geschiehet ohne Zweifel 
darum, weil unsere gottseligen Vorfahren vielleicht 
auf das Aufthun der Klüfte und Gänge ihr Absehen 
mögen gerichtet, daß sich die Gänge aufthun und 
darstellen mögten, damit sie solchen reichen Segen 
Gottes zu Tage ausfördern und sich, sammt den 
Ihrigen, darvon ernähren und versorgen könnten". 
Neben dieser Bedeutung der „Glücklichen Aus* 
beute" steht die Sinndeutung der gesunden, unver* 
sehrten Rückkehr. Diese Deutung war eine Folge 
des fortschreitenden Tiefbaues und der Wandlungen 
der Abbau* und Fördereinrichtungen. Prof. Heil* 
furth meint, es könne keine Frage sein, daß der ge* 
fiihlsstarke Ausdruck „Glück auf" in seinem be= 
grifflichen Ineinanderspiel des „auf" einmal als 
„offen" und zum andern als „empor" von Anfang 
an empfunden, verstanden und ausgedeutet worden 
ist. „Doch stand die heute übliche Beziehung des 
Grußwunsches auf die glückliche Ausfahrt, auf die 
glückliche Rückkunft aus dem Gelände unter Tage 
ursprünglich nicht im Mittelpunkt der Vorstellun* 
gen, wie wir sahen". 
Mit erstaunlicher Schnelligkeit verbreitete sich der 
Bergmannsgruß über das Erzgebirge hinaus bis 
nach Südosteuropa und Skandinavien. Sogar in 
Mundart und alltäglichen Gebrauch wuchs er hi* 
nein. 1728 erscheint die Glückauf=Formel erstmalig 
in dem Clausthaler Hochzeitsgedicht: „Klick auf". 
Ein Gedicht in Forbacher Mundart endet mit „E 
frehliches: Glick auf". Eine erzgebirgische Zeit* 
Schrift erhielt den Titel „Glück auf". In dem berg* 
männischen „Briefbuch" von 1730 wird der Gruß 
„Glückauf" als Briefschluß und =beginn und in Ver* 
bindung mit Redensarten empfohlen, auch als 
Glückwunschformel. 
Im bergmännischen Liedgut der letzten 250 Jahre 
sind alle Bedeutungsfeinheiten des Glückauf=Wun= 
sches ausgeschöpft. Novalis spricht vom neuen be= 
deutungsvollen Gruß. Im bergmännischen Brauch* 
tum wirkt der glückverheißende Sinngehalt der 
Grußformel sich aus. Auch in Versen, Sprüchen und 
Redensarten findet sie Anwendung, selbst bei 
Trinksprüchen. Auch im Reiftanz der Kärntner 
Bergleute in Hüttenberg erklingt das „Glück auf". 
Im Knappentanz am Salzberg Altaussee, der 1956 
aufgeführt wurde, kommt auch die Glückauf=For= 
mel zur Anwendung. Bergmännische Musikvereine 
und Gesangvereine führen den Namen „Glückauf". 
Es gibt Glückauf=Märsche und Glückauf=Fanfaren. 
Im Begräbnisbrauchtum spielt der Gruß bis heute 
eine große Rolle. Die Symbolkraft der Glückauf* 
Formel hat sie zum beliebten Motiv auf Fahnen 
und Gedenkzeichen werden lassen. Auch in Wap* 
pen auf Türstürzen findet man es. In der Volks* 
kunst begegnen uns geschnitzte Bergmannsfiguren, 
Kristallkelche, Zinnhumpen, Zinn* und Tonteller 
mit der Inschrift: Glück auf. Auch Graphik und 
Fototechnik verwenden diesen Gruß, indem sie ihn 
in ihre Ornamentik einbeziehen. Unter dem Not* 
geld der Inflationszeit finden wir eine Reihe von 
Geldscheinen aus Bergbaustädten mit bergmän* 
nischen Motiven und der Umschrift: „Glück auf". 
Glückauf erscheint auch als Bergwerks*, Orts* und 
Familienname. Jüngeren Datums sind die Bezeich* 
nungen von Straßen, Gebäuden und Firmen mit 
Glückauf. Es gibt sogar einen Gliickauf=D=Zug. 
1907 wurde das Boot „Glück auf" als Motorschlep* 
per in den Dienst des Saarbrücker Hafens gestellt. 
Der Gruß ist auch im bergmännischen Spruch* und 
Erzählgut motivisch und thematisch angereichert. 
Auch im bergmännischen Humor steht der Gruß 
im Mittelpunkt. In Sage und Schwank offenbart 
sich die Vielfalt des Inhalts und der Funktion der 
Glückauf=Formel. In der Biedermeierdichtung war 
sie ein beliebtes Thema. 
Kein Wunder, daß Goethe als weimarischer Staats* 
minister für Bergbau auch in seiner Dichtung auf 
das Wort eingeht. In „Wilhelm Meisters Wander* 
jahren" heißt es: „Montan (Bergmann) geleitete
	        
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