Volltext: 1962 (0090)

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Zunder nicht sehr geschickt und am äußersten Ende, 
vielleicht sogar mit der Lampe angesteckt, dann 
sprühte das Pulver heraus und brachte durch den 
kurzen Halm sogar den Schuß zur Entladung, noch 
bevor sich der Bergmann in Sicherheit bringen 
konnte ... 
Für die Helmzündung auf den bayerischen Gruben 
im Saarrevier benutzte man keine Strohhalme, son= 
dein konische Papierröllchen, die sogenannten Hel= 
me, die ebenfalls zu Hause vorbereitet werden 
mußten. Das Papier wurde stark durchfeuchtet, auf 
einer Seite wurde feines Schwarzpulver gestreut 
und aufgedrückt. Diese Seite wurde nach innen 
konisch so gerollt, daß am einen Ende eine Spitze, 
am anderen Ende eine Öffnung blieb, die man beim 
Transport zukniffte. Diese Helme hatten den Vor= 
zug, daß man sie bei tiefen Bohrlöchern in belie= 
biger Länge zuschammenschachteln konnte und 
trotzdem keine Versager vorkamen. Das Aneinan= 
dersetzen der Halme führte dagegen fast immer zu 
Versagern und war verpönt. . ." Soweit die Aus= 
führungen Keuths. 
Verbote bei der Schießarbeit 
Eine Strafordnung für die Arbeiter auf den Gruben 
im Bergamtsbezirk Saarbrücken vom 5. Februar 
1842 zeigt die schon hier geltenden Verbote bei der 
Schießarbeit auf. Es heißt da u. a.: 
„11. Wer beim Besetzen der Bohrlöcher das Pulver 
lose, und ohne Patrone in das Loch schüttet, 
wird das erste Mal in eine Strafe von 10 Sgr., 
das zweite Mal von 20 Sgr. und das dritte Mal 
von 1 Thlr. genommen. 
12. Wer die Patrone anders, als mittels gefüllter 
Halme anzündet (mit Raketen etc.), wird das 
erste Mal auf drei Monate, das zweite Mal auf 
sechs Monate, und das dritte Mal für immer 
abgelegt. 
13. Wer die beim Schießen zu gebrauchenden 
Halme in der Grube füllt, wird das erste Mal 
in eine Strafe von 2 x l-i Sgr., das zweite Mal 
von 5 Sgr. und das dritte Mal von 10 Sgr. ge= 
nommen. 
14. Wer sich beim Schießen eiserner Räumnadeln 
bedient, bezahlt das erste Mal eine Strafe von 
5 Sgr., das zweite Mal von 10 Sgr. und wird 
das dritte Mal auf 4 Wochen abgelegt; in je= 
dem Falle wird die eiserne Räumnadel confis= 
cirt. 
15. Derjenige Bergmann, der das in Empfang ge= 
nommene Pulver nicht in einem, ledernen Beu= 
tel aufbewahrt, wird zum ersten Male mit 10 
Sgr., zum zweiten Male mit 20 Sgr. und zum 
dritten Male mit einem Thaler bestraft .. 
Die Zündung erfolgte also anfangs mit dem Schwe= 
felfaden, der durch die Halm= und Helmzündung 
abgelöst wurde. Diese wiederum hat sich bis um 
die vergangene Jahrhundertwende erhalten, jedoch 
wurde daneben für die brisanten Sprengstoffe die 
Zündschnur geschaffen. Diese bestand zunächst aus 
einer Pulverseele und einem leichtentzündlichen 
und meist mit einer Flamme verbrennenden Gutta= 
percha=Uberzug. Damit hatte man zwar die Halm= 
und Helmzündung durch mechanisch hergestellte 
Zündvorrichtung ersetzt, aber sicherer war dies 
keineswegs. Diese Zündung hatte jedoch den Vor= 
teil, daß man sie in nassen Betrieben verwenden 
konnte, wo Halme und Zündschwamm versagten. 
Deshalb verwendete man auch in nassen Betrieben 
Zündschnurzündung, wenn mit Pulver geschossen 
wurde. Gegen 1890 wurde für die Zündschnur eine 
unbrennbare Hülle aus einem mit Blei getränktem 
Gewebe entwickelt. So standen Zündschnurzündung 
und Halmzündung etwa zwei Jahrzehnte nebenein= 
ander. Wenn wir heute beim Schießen den Ruf „Es 
brennt!" hören, dann wissen wir, daß er in berg= 
männischer Arbeit seinen Ursprung hat — einer 
rief es dem andern zu, als Zunder oder Zündschnur 
brannten, damit sich jeder in Sicherheit bringe. 
„Der Kater schnurrte" 
Zur Zündung des gegen 1867 im Saarbergbau ver= 
suchsweise eingeführten Dynamits, der bald die 
verschiedensten Zusammensetzungen erfuhr, waren 
mehr oder minder starke Zündhütchen (Zündkap= 
sein) erforderlich. Ab 1872 trat ein stärkerer Ver= 
brauch der sogenannten brisanten Sprengstoffe ein,
	        

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