Full text: 1962 (0090)

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Das Pulver im Saarbergbau 
Von Hans Bläs 
Die erste nachweisbare Nachricht über die Anwendung des Schießpulvers zu bergmännischen 
Arbeiten stammt aus dem Jahre 1627. Damals führte der Tiroler Bergmann Kaspar Weindl in 
einem Bergwerk in Ungarn die erste Sprengung aus. Die Schießarbeit zur Hereingewinnung der 
Kohle und des Gesteins fand im saarländischen Steinkohlenbergbau verhältnismäßig spät 
Eingang. Das mag einmal an der Struktur der Kohle gelegen haben, nämlich an dem hohen 
Prozentgehalt an flüchtigen Bestandteilen, zum andern an einem besonders großen Mißtrauen, 
das die Leute der Sprengarbeit entgegenbrachten, bedingt durch die Gefährlichkeit des Schießens 
in gasreicher Kohle. Hierbei ist zu bedenken, daß die Sprengstoffe, die als brisante Sprenge 
Stoffe bekannt wurden, erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts aufkamen und bei ständiger 
Verbesserung dann die sogenannten Sicherheitssprengstoffe entwickelt wurden, die heute unter 
dem Namen Wettersprengstoffe aus dem Bergbau nicht mehr wegzudenken sind. In den An* 
fängen der Sprengarbeit kannte man nur Pulver als Sprengstoff. Zweck dieser Abhandlung 
ist es nun, einen Blick in die Zeit zu werfen, in der im Saarbergbau noch mit Pulver umge* 
gangen und geschossen wurde. 
in genaues Datum über die Einführung des 
Pulvers im saarländischen Bergbau ist nicht zu er= 
mittein. Jedoch wurde nach einem Befahrungsbe= 
rieht des damaligen kurpfälzischen Bergrates Ja* 
koby im Jahre 1778 noch keine 5chießarbeit unter 
Tage angewandt. „Ich habe bei einigen hiesigen 
Bergleuten eine besondere Furcht vor dem ganz 
derben und festen Gestein bemerkt, weil sie glau* 
ben, es müßte alles mit der Keilhauen gewonnen 
werden. Der große Vortheil, der hierbei durchs 
Schießen kann erhalten werden, ist ihnen unbe= 
kannt. Man findet aber doch einige Kohlenarbeiter 
von fremden Bergwerken, die damit umzugehen 
wissen." So liest man in den „Mineralogischen 
Briefen" 1779. 
Bald darauf aber mußte die Sprengarbeit einge= 
führt worden sein; denn in einer „Instruction" vom 
Jahre 1787, in der ein Steiger Schultz zu Schwalbach 
verpflichtet wurde, heißt es unter anderem: . 
Alles zum Bergbau gehörige Gezäh und Materia* 
lien, wie sie dermalen bei denen ihm anvertrauten 
Gruben vorhanden sind, oder angeschaft werden, 
als Holz, Bretter, Pulver, Oel, Stahl, Eissen, 
Pompen Zeug, Fäustel, Setzeissen, Bohrer, Schies 
Gezäh, Keulhauen, tannen Kiebel, Seile, Haspel, 
Laufkarren, Hunde, Gestänge, und wie sie Namen 
haben mögen, soll er in das Inventarium ordentlich 
und solchergestalt eintragen, daß er mit jedem 
Jahresschluß in der Berg Kassen Rechnung richtig 
angemerkt werden kann ..." Da hier also Pulver 
und Schießgezähe angeführt werden, war mittler* 
weile die Schießarbeit auch in Anwendung gekom* 
men. 
Unter den Fürsten von Nassau=Saarbrücken und 
danach unter der französischen Verwaltung war 
die Beschaffung der Betriebsmaterialien den Schicht* 
meistern der einzelnen Gruben überlassen. Bei die* 
ser Maßnahme blieb es auch nach dem zweiten 
Pariser Frieden. In zwei Befahrungsprotokollen 
vom Juli und August 1816 wird festgestellt, daß 
die Materialien schlecht und teuer seien: „das Pulver 
sei fast um Vs theurer wie dasjenige in den öst* 
liehen Revieren . . {Preußens, d. Verf.) Man sucht 
nun nach Mitteln, diese Materialien, deren Kosten 
die Bergleute zum großen Teile selbst tragen muß* 
ten, billiger zu beschaffen. So kam es zu der zentra* 
len Einkaufs* und Bevorratungsstelle, der Bergfak* 
torei Kohlwaage. 
Ursprünglich eine Art von Zollstätte für den Stein* 
kohlenabsatz auf dem Wasserwege bildend, dann 
zu einer Kohlenniederlage erweitert, fiel dieser 
Faktorei ab 1822 die Aufgabe zu, die Betriebsma* 
terialien für die Saarbrücker Gruben {Staatsgruben) 
zu beschaffen. Dazu gehörte auch das Pulver, ob* 
wohl die Kosten dafür, ebenso für das Schieß* 
gezähe, von jedem Bergmann selbst aufgebracht 
werden mußten.
	        

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