Full text: 1962 (0090)

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Von der Revolutions- zur Preußenzeit 
von Kurt Hoppstädter 
Der Saarbergbau in den Jahren 1793 bis 1815 — 46 000 t Jahresförderung vor 170 Jahren — „Seil= 
fahrt" in Fässern—Streit um die Berechtigungskohlen — 25 Franken Monatslohn für einen Bergmann 
Ein Chefingenieur namens Duhamel... 
^A/ährend der Zeit von der Französischen Re» 
volution bis zum Obergang an Preußen lassen sich 
im Saarbergbau deutlich drei Epochen unterscheid 
den: die Revolutions» und Kriegszeit, die Zeit der 
Verpachtung der Gruben und die staatliche Ver= 
waltung im Kaiserreich unter Napoleon I. 
Als die französischen Revolutionstruppen bei uns 
einriickten und das Land in Besitz nahmen, waren 
die Gruben Eigentum der Landesherren, und das 
war für die Gruben in der Grafschaft Saarbrücken 
Fürst Ludwig von Nassau=Saarbrücken, für die 
Grube St. Ingbert die Reichsgräfin Marianne von 
der Leyen und für die Grube in Illingen der Frei= 
herr von Kerpen. Diese ließen sie auf eigene Rech» 
nung durch Beamte und Arbeiter ausbeuten, von 
einigen kleineren Gruben abgesehen, den soge= 
nannten „Glashüttengruben", die an Glashütten 
verpachtet waren, und der Grube Illingen, die 
durch einen ortsansässigen Rußfabrikanten aus» 
gebeutet wurde. 
Als die Gruben von den die Truppen begleitenden 
politischen Kommissaren, den Volksrepräsentan» 
ten, beschlagnahmt wurden, änderte sich daran 
grundsätzlich nichts; nur an die Stelle der Landes» 
herren trat als Arbeitgeber die französische Repu» 
blik. Die bestehenden Pachtverträge liefen aber 
weiter. 
Zu dieser Zeit war die Ausbeute nach einer ruhigen 
vierzigjährigen Entwicklung bis zu einer Jahres» 
förderung von insgesamt rund 46 000 — 47 000 t ge= 
stiegen, eine für die damalige Zeit mit ihren doch 
noch recht primitiven Methoden beachtenswerte 
Leistung. Die Aufwärtsentwicklung wurde jedoch 
durch die Französische Revolution und die ihr fol» 
genden, sich zum Teil in unserer Gegend abspie» 
lenden Kämpfe zwischen der französischen Trup» 
pen und Preußen und Österreichern, jäh unter» 
brochen. Die dauernden Kämpfe und ernste Er» 
nährungsschwierigkeiten hielten die Kohlengräber 
von den Gruben fern und machten die Arbeit un= 
möglich. Die Bewohner gruben zwar die Kohlen 
— das darf man annehmen — für ihren eigenen 
Bedarf, aber auf Rechnung der Republik wurde 
nichts gefördert, während die vorhandenen Hai» 
denbestände für militärische Zwecke beschlag» 
nahmt worden waren. 
Auch die Ernennung des Lothringers H e n r i o n 
zum „Inspecteur des mines et usines des pays con» 
quis de la Layen et de Nassau" am 7. Frimaire 
Jahr II (27. 11. 1793) durch den Volksrepräsen» 
tanten Ehrmann vermochte keine Besserung her» 
beizuführen. Einerseits bestanden die ungünstigen 
Verhältnisse fort, und andererseits war Henrion 
nicht der Mann, von dem man irgendwelche berg» 
baulichen Leistungen erwarten konnte. Er war 
ohne jede Spur von Fachkenntnissen. Was für seine 
Ernennung sprach, war lediglich die Tatsache, daß 
ihn die Reichsgräfin v. d. Leyen wegen seiner Rolle, 
die er in St. Ingbert als Propagandist der Revo» 
lution spielte, verjagt hatte. Das genügte freilich 
nicht, um die ihm nunmehr gestellte Aufgabe zu 
lösen. 
Nach Einrichtung der ersten zivilen Verwaltung 
des „District Sarrelibre" war es eine ihrer drin» 
gendsten Aufgaben, die Verhältnisse im Bergbau 
grundlegend zu ändern. Am 5. Fructidor Jahr II 
(18. 8. 1794) wurde der frühere nassau=saarbrücki= 
sehe Grubeninspektor Knorzer wieder in seine 
alten Funktionen eingesetzt. Henrion wurde da» 
neben allerdings, wahrscheinlich zu seiner Über» 
wachung, vorläufig beibehalten. Knorzer war nach 
seinem späteren Rechenschaftsbericht von der Mi» 
litärverwaltung seines Amtes enthoben worden, 
und seinem Nachfolger wirft er vor, in der übelsten 
Weise gewirtschaftet zu haben. Auf seinen Vor» 
schlag wurden die alten fürstlichen Bergbeamten 
ebenfalls wieder in ihre Posten eingesetzt. Er fand, 
wie er angibt, seinen Arbeitsbereich in dem ab» 
scheulichsten, jammervollsten Zustand vor. Um 
die Haldenbestände aufzufüllen und die seit einem 
Jahr stilliegende Förderung wieder in Gang zu 
setzen, fehlten alle Voraussetzungen. Die Gruben 
waren verwüstet, die Stollen waren eingestürzt und 
unzugänglich, die Gebäude demoliert. Kunden 
kamen kaum noch zu den Gruben, da keine Koh» 
len vorhanden waren und jedes geregelte Ver» 
kaufsverfahren aufgehört hatte. 
Nur mit vieler Mühe und Arbeit gelang es ihm
	        
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