Full text: 1962 (0090)

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Abb. 2: Bautyp um die Jahrhundertwende, wie er hier und da 
heute noch zu sehen ist (Vorderansicht und Grundriß des 
Erdgeschosses) 
Um die Jahrhundertwende begegnen wir dann dem 
sogenannten „Jugendstil", der auch das Gesicht 
des Bergmannshauses beeinflußte. (Abbildung 2). 
Die Häuser dieser Zeit sind gekennzeichnet durch 
größere Dachaufbauten und verschnörkelte Gestal= 
tung von Türen und Fenstern. Die Grundrisse zei» 
gen insofern eine bemerkenswerte Verbesserung, 
als alle Räume nun einen separaten Zugang von 
einem selbständigen Treppenhaus aus ha= 
ben. Aber noch immer vermissen wir sanitäre An= 
lagen innerhalb des Hauses. Den Abort finden wir 
jetzt vielfach als Anbau zusammen mit einem 
Kleintierstall. 
Nach dem ersten Weltkrieg traten abnorme wirt= 
schaftliche Verhältnisse ein, die dem einzelnen das 
Bauen unmöglich machten. Um die Wohnungsnot 
der Bergleute zu beheben, sah sich die Verwaltung 
damals veranlaßt, Arbeitermietshäuser zu bauen. 
So entstanden Kleinstsiedlungen. Aus Wirtschaft' 
liehen Gründen wählte man vorzugsweise die Form 
von Doppelhäusern. Nach der Festigung der Mark 
lebte auch der Eigenheimbau des Einzelbauenden 
wieder auf. Die Disposition der Wohnflächen war 
in diesem und den folgenden Jahren beherrscht 
durch die Begriffe der Wohnküche und der 
guten Stube. In der Wohnküche spielte sich 
das ganze häusliche Leben ab. Die Mutter und 
Hausfrau kochte, nähte und flickte dort, die Kin= 
der spielten oder machten ihre Aufgaben, und 
wenn der Vataer von der schweren Schicht heim» 
kam, bot sich ihm in der Küche ein Sofa oder ein 
sonstiges Polstermöbel zum Ausruhen. Die be= 
kannte gute Stube dagegen galt sozusagen als 
Heiligtum; sie blieb besonderen Familienfeierlich= 
keiten Vorbehalten. So lag kostbarer Wohnraum 
fast das ganze Jahr über ungenutzt. 
Nach dem letzten Kriege galt es, so schnell wie 
möglich den infolge Kriegseinwirkungen verloren» 
gegangenen Wohnraum zu ersetzen. Material' und 
Geldmangel stellten sich dabei immer wieder hin» 
dernd in den Weg. Die Forderung nach dem „Dach 
über dem Kopf" war lange oberstes Gebot. Aus 
ihr heraus ist es zu verstehen, daß man sich zu* 
nächst nicht allzu sehr um eine theoretische Grund= 
konzeption für die bauliche Gestaltung kümmerte. 
Erst nachdem sich die Finanzierungsmöglichkeiten 
durch Arbeitgeber' und Landesdarlehen günstig 
gestaltet hatten und so dem Bergmann das Bauen 
wesentlich erleichtert wurde, rangen sich neue Er= 
kenntnisse durch. Die Devise „besser und schöner 
wohnen" wurde geboren. Diese Forderung gilt in 
erster Linie dem Wohnkomfort. Wir finden nun 
kaum mehr einen Neubau ohne sanitäre Anlagen 
— Bad und W. C. — innerhalb der Wohnung. Die 
„gute Stube" ist im Verschwinden begriffen. An 
ihre Stelle ist ein wirklicher Wohnraum getreten. 
Er soll ein vollkommener Ort der Ruhe und Er= 
holung sein und muß daher ganz außerhalb des 
täglichen Getriebes liegen. Die Küche darf nur noch 
reine Arbeitsküche sein und soll der Hausfrau für 
ihren Arbeitsbereich Vorbehalten bleiben. Bei ihrer 
Planung und Ausstattung ist besonders darauf zu 
achten, daß die Arbeitswege so kurz wie möglich 
gehalten werden, um der Hausfrau jeden unnöti» 
gen Energieaufwand zu ersparen. Aus dem glei» 
chen Grund plant man heute die Innenausstattung 
der Arbeitsküche auch so, daß an einer Seite die 
Installationsgruppe (Herde, Spülbecken, Kühl» 
AN DER SAAR 
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^QUALITÄT
	        
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