Full text: 1962 (0090)

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Planmäßige Gasabsaugung 
auf der Grube Luisenthal Von Dipl.-Ing. Reinhardt Schmidt 
I. 
Es ist jedem Bergmann bekannt, daß beim Abbau 
der Kohle Grubengas frei wird, auch Methan oder, 
in der Formelsprache der Chemiker, CFU genannt. 
Dieses Gas hat sich im Laufe der Bildung der Kohle 
bei der Vermoderung der Pflanzenreste unter Luft 
abschluß gebildet und ist heute in wechselnder 
Menge an die Kohle angelagert. Beim Abbau der 
Kohle treten starke Druckkräfte auf, die die Kohle 
und das Nebengestein zerklüften und dabei das die 
Kohle begleitende Grubengas freimachen. Das Gru 
bengas tritt in den Wetterstrom über. Hier kann nun 
Grubengas gefährlich werden, denn es hat die 
Eigenschaft, mit der Luft explosionsfähige Gemische 
zu bilden (Schlagwetter). Methan-Luftgemische kön 
nen zu Explosionen führen zwischen etwa 5 und 
14 % Methananteil. Unter 5 % ist zu wenig Methan, 
über 14% zu wenig Luftsauerstoff zu einer Explo 
sion vorhanden. 
Um die Explosionsgefahr zu bannen, darf gemäß 
den bergbehördlichen Vorschriften unter Tage der 
Methangehalt der Grubenwetter 1 % nicht überstei 
gen. Der Grubengasgehalt wird mehrmals täglich 
kontrolliert, um alle auftretenden Veränderungen 
sofort feststellen zu können. 
Gruben mit starkem Grubengasanfall hatten bis zur 
Entwicklung der Grubengasabsaugung mit großen 
Schwierigkeiten zu kämpfen. Um die austretenden 
Gasmengen bis zu dem vorgeschriebenen Wert von 
1 % CH« zu verdünnen, mußten große Wettermen 
gen herangeführt werden. Das brachte andererseits 
erhebliche Nachteile mit sich. Die hohen Wetter 
mengen erforderten am Ventilator eine besonders 
hohe Depression (Sog), die nun wieder Schleich 
ströme und Wetterkurzschlüsse in alten Bauen und 
Kohlenpfeilern und damit die Entstehung von Brän 
den begünstigte. Grubenbrände, an meist völlig un 
zugänglichen Stellen, sind sehr gefährlich, weil 
dabei Kohlenoxyd entsteht, das schon in sehr klei 
nen Ansammlungen zu schweren Vergiftungen führt. 
In einer Schlagwettergrube ist ein Brand besonders 
bedenklich, weil in diesem Falle die Voraussetzun 
gen für eine Explosion, ein zündfähiges Grubengas 
gemisch und eine Zündquelle, der Brand, vorhanden 
sein können. Daneben führen hohe Wettermengen 
in den Grubenbauen zu einem starken Wetterzug 
(Wettergeschwindigkeit), der, wie man sich vorstel 
len kann, vom Bergmann als unangenehm empfun 
den wird. 
Manchmal war es auch durch hohe Wettermengen 
nicht möglich, die geforderte 1 %-Grenze zu halten. 
Es blieb dann nichts anderes übrig, als die Kohlen 
förderung zu drosseln oder ganz einzustellen, bis 
sich die Ausgasung verringert hatte. Daß diese oft 
beträchtlichen Förderausfälle die Wirtschaftlichkeit 
des Abbaues erheblich verschlechterten, bedarf 
wohl keiner Erläuterung. 
Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß eine Schlag 
wettergrube wie die Grube Luisenthal, in ihrer Ent 
wicklung stark gehemmt war. Die starken Aus 
gasungen ließen nicht immer eine regelmäßige För 
derung und einen planmäßigen Abbau zu. Dazu 
kamen häufige Brände, die zu langen und kost 
spieligen Abdämmungsarbeiten zwangen. Schieß 
arbeit war zuerst gar nicht, später nur mit großen 
Einschränkungen gestattet. Unter diesen Umstän 
den konnte ein größerer Ausbau der Anlage lange 
Zeit nicht durchgeführt werden. 
II. 
Eine entscheidende Änderung trat erst in den Jahren 
1948 bis 1949 durch die Entwicklung der Gasab 
saugung ein. Der Grundgedanke der Gasabsaugung 
ist ebenso einfach wie genial. Das beim Abbau der 
Kohle freiwerdende Grubengas wird in konzentrier 
ter Form abgesaugt, bevor es in den Wetterstrom 
übertreten kann und durch eine Rohrleitung nach 
über Tag geleitet wird. Es ist dabei zwar nicht mög 
lich, das Gas des im Abbau stehenden Kohlenflözes 
abzufangen, aber man weiß schon seit längerer Zeit, 
daß ein Teil des beim Abbau eines Flözes freiwer 
denden Gases nicht aus dem Flöz selbst, sondern 
aus den über und unter dem Flöz liegenden Kohlen 
streifen und Nebenflözen kommt. Auch diese Koh 
lenbänke im Hangenden und Liegenden unterliegen 
den Einwirkungen des Abbaudruckes und geben ihr 
Gas ab, das dann durch die Klüfte und Setzrisse 
des Gesteins in den Wetterzug gelangt (Abb. 1). Bei 
der Gasabsaugung wird ein Bohrloch oder eine 
Strecke zu diesen Kohlenbänken getrieben und das 
Gas abgesaugt.
	        

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