Full text: 1962 (0090)

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behalten wird." Und Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Erhard stellte 
anläßlich des Steinkohlentages sehr eindeutig fest, daß sich die neue Bundes= 
regierung der Verantwortung bewußt sei, die sie für die wichtigste deutsche 
Energiequelle zu tragen habe. Das sind Worte, die nicht überhört werden 
sollten, die aber auch zu Taten verpflichten und an die deshalb immer wieder 
erinnert werden muß. Vor allem deshalb, weil in zahllosen Produktions= 
Prozessen auf die Kohle einfach nicht verzichtet werden kann. 
Das augenfälligste Beispiel dafür ist die in weiterer Aufwärtsentwicklung 
begriffene Eisern und Stahlindustrie, die der Hauptverbraucher unserer 
Steinkohle ist und es auch noch auf lange Sicht bleiben wird. Auch bei vielen 
weiteren Energieverbrauchem wird man ohne die Kohle nicht auskommen 
können. Auf anderen Sektoren dagegen, das mag zugegeben werden, ist die 
Kohle als Primärenergie nicht mehr so souverän dominierend wie ehedem. 
Aber sie hat vielfältige Möglichkeiten, über den Weg der Veredelung — sei 
es als Koks, Gas oder Elektrizität sowie in Form von Kohlenwertstoffen — 
allen Verbraucherwünschen weitgehend entgegenzukommen und damit 
ihren angemessenen Marktanteil zu behaupten. An Anstrengungen, die bei 
uns an der Saar unternommen werden, um diese Möglichkeiten zu nutzen, 
fehlt es wahrhaftig nicht. 
Vor zweierlei sollte man sich allerdings hüten: Einmal vor der Annahme, 
daß sich der Bergbau durch immer neue Stillegung von Anlagen von selbst 
,,gesundschrumpfen" könne; damit wäre langfristig ein Kapazitätsverlust 
verbunden, der sich eines Tages bitter rächen müßte. Zum anderen ist es 
dem Steinkohlenbergbau auch beim besten Willen und unter größten An= 
strengungen nicht möglich, sich allein und ohne gesetzgeberische Maßnah* 
men im Energiebereich aus der Situation „herauszurationalisieren", in die er 
ohne sein Verschulden hineingeraten ist. Damit allein ist es auch nicht getan, 
weil alle großen Anstrengungen des Bergbaus letztlich umsonst bleiben 
müssen, wenn der VerdrängungsWettbewerb unter den für die Kohle un= 
fairen Voraussetzungen weiter betrieben werden kann, wenn die durch in= 
ternationale Bindungen immer noch fest an die Kette gelegte Kohle Zusehen 
muß, wie sich ihre Konkurrenz frei und unbehindert auf dem Energiemarkt 
tummelt und weiter entfaltet. Mit starken Ellbogen und vorübergehenden 
Schleuderpreisen für einen von weither eingeführten Energieträger läßt sich 
auf die Dauer weder eine gesunde, noch eine vernünftige Energiepolitik be= 
treiben. Sie wäre langfristig zur Ausweglosigkeit verurteilt und müßte 
zwangsläufig in der Sackgasse ständiger Abhängigkeit und Versklavung 
enden. 
Es wäre deshalb mehr als unklug, unseren heimischen, immer greifbaren 
Energieträger Kohle in seiner überragenden Bedeutung für die gesamte 
deutsche Volkswirtschaft zu verkennen und ihn verkümmern zu lassen. Was 
die Kohle vor allem braucht, was ihr dazu verhelfen kann, all ihre ernsten, 
anerkannten Bemühungen auf lange Sicht auch vom Erfolg gekrönt zu 
sehen, ist eine klare und eindeutige energiepolitische Konzeption der für 
eine gesunde nationale Energiepolitik verantwortlichen Stellen, eine Linie, 
die die Marschrichtung für die Zukunft aufzeigt. Nach den Stimmen, die 
man beim letztjährigen Steinkohlentag als Grußworte vernahm, darf an= 
genommen werden, daß sich auch auf höchster Ebene mehr und mehr die 
Erkenntnis durchgesetzt hat: Unser Steinkohlenbergbau ist es wert, zum 
Nutzen des gesamten Volkes in seiner ganzen Kraft erhalten zu bleiben! 
Willi Hold
	        

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