Full text: 1962 (0090)

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Abb. 2: Hopfen 
Halme begünstigt. Aus den Fruchtknoten der klei» 
nen weißen Blüten entwickeln sich steifhaarige 
Früchte (Klettfrüchte), die sich in das Fell vorbei» 
streifender Tiere und die Kleider des Menschen 
hängen und auf diese Weise verschleppt werden. 
In Auenwäldern, in feuchten Gebüschen und an 
Flußufern finden wir oft eine andere krautige 
Liane, den Wilden Hopfen. Auenwälder waren 
früher weit verbreitet. Leider sind sie durch Fluß» 
regulierungen stark zurückgedrängt worden. Dort 
wächst der Hopfen in Gesellschaft von Feldulme, 
Feldahorn, Weide, Pappel, Schwarzerle, Esche, Vo= 
gelbeere und vielen anderen Holzgewächsen. Das 
besondere Gepräge verleihen aber dem Auenwald 
die zahlreichen Lianen: Wilder Hopfen, Geißblatt 
und Waldrebe. Sie können den Auenwald zu einem 
undurchdringlichen Dickicht machen. 
Der Wilde Hopfen (Humulus lupulus L., Abb. 2) 
ist eine bis 5 m lange Schlingpflanze und nahe ver» 
wandt mit dem Maulbeerbaum. Er wird mindestens 
seit dem 8. Jahrhundert angebaut und ist eine 
unserer wichtigsten Kulturpflanzen geworden. Je» 
des Jahr treibt der Hopfen aus seinem unter 
irdischen Stamm, der mit seinen fleischigen Aus» 
läufern im Boden weit dahinkriecht, zahlreiche 
federkieldicke Stengel. Da sie zu schwach sind, 
sich selbst aufrecht zu halten, benötigen sie eine 
Stütze. So winden sie sich um die Äste und Stämme 
von Bäumen und Sträuchern, um ihre drei» bis 
fünflappigen Blätter zum Licht emporzuheben. 
Dabei helfen die in sechs Reihen angeordneten 
zweispitzigen, amboßähnlichen Klimmhaare (siehe 
Abb. 2) die Stengel an der Stütze zu verankern. 
Der Hopfen ist zweihäusig, d. h. auf einer Hopfen« 
pflanze kommen entweder nur männliche oder 
nur weibliche Blüten vor. Die weiblichen Blüten 
bilden kleine, zapfenartige Blütenstände (siehe 
Abb. 2), die nach der Bestäubung zu gelblichen 
Fruchtzapfen heranwachsen. In den Blättern dieser 
Zapfen kommt das Hopfenbitter oder Lupulin vor, 
das dem edlen Gerstensaft seine Würze und Halt 
barkeit verleiht. In den Hopfengärten zieht man 
daher nur weibliche Pflanzen hoch. 
In vielen unserer Laubwälder windet das Wald» 
Geißblatt (Lonicera periclymenum L., Abb. 3) 
seine verholzten Stengel um fremde Zweige und 
Stämme. Dabei überwuchert es bis zu 10 m hohe 
Bäume. Hier breiten sich die elliptischen, gegen 
ständigen Blätter im vollen Sonnenlicht aus. Die 
langen, röhrenförmigen, gelblichweißen Blüten 
sind der Bestäubung durch Nachtschmetterlinge gut 
angepaßt (siehe Bergmannskalender 1961, S. 105). 
Abb. 3: Blühendes Wald-Geißblatt 
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