Full text: 1961 (0089)

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Aber das jährliche Produktionsergebnis an Koch= 
salz betrug schon in den ersten Jahren gegen 
3 000 Zentner, wodurch die Herrschaft Blieskastel 
in dem damals so wichtigen Salzhandel völlig un= 
abhängig wurde. Den Gewinn aus dem gesamten 
Salinenwerk verwendete Marianne zur Unterhai» 
tung des Armen= und Waisenhauses in Blies» 
kastei. 
Nach diesem ermutigenden Anfang nahm das 
wechselvolle Geschick der Rilchinger Quellen noch 
zu Lebzeiten der durch die Ereignisse der Fran= 
zösischen Revolution vertriebenen Reichsgräfin 
seinen Lauf. Mit dem politischen Anschluß an 
Frankreich trat infolge der reicheren lothringischen 
Salzvorkommen bei Dieuze und Saaralben für das 
Rilchinger Salinenwerk ein Rückgang ein. Die nun 
durch den Wegfall der Zollschranken in dem ein= 
heitlichen französischen Wirtschaftsgebiet nur 
noch geringe Rentabilität der Rilchinger Saline 
führte zu mehrmaligem Besitzerwechsel. 
Nach dem Übergang unserer Heimat an Preußen 
wurden in den Jahren 1828 bis 1833 Tiefbohrun» 
gen von der preußischen Bergbehörde im Salz» 
quellengebiet von Rilchingen vorgenommen. Auf 
Grund dieser Bohrungen wurde von der Anlage 
eines staatlichen Salinenwerkes in Rilchingen ab= 
gesehen. Das Quellgebiet verblieb in Privatbesitz 
und kam durch Heirat an den tüchtigen Landarzt 
Dr. Kirbs. Durch diesen wurde ein neues Kapitel 
der Rilchinger Ortsgeschichte eingeleitet, denn 
Kirbs dachte als Arzt nicht mehr an eine gewöhn= 
liehe Kochsalzgewinnung, sondern versuchte, die 
Solequellen wie in anderen großen Heilbädern als 
wertvolle Hilfe des Arztes im Kampf gegen Krank» 
heiten nutzbar zu machen. Tatsächlich erzielte er 
sowohl mit Trink» als auch mit Badekuren über» 
raschende Erfolge. Darauf wurde das Quellwasser 
wissenschaftlich untersucht, wobei neben Natrium» 
chlorit (NaCl) vor allem Calciumsulfat (CaSO^) 
und Magnesiumsulfat (MgS04) festgestellt wur» 
den. Auf Grund dieser Ergebnisse beantragte 
Dr. Kirbs die Errichtung eines öffentlichen Bades. 
Die Genehmigung hierzu erfolgte am 16. Septem» 
ber 1841, und damit war Rilchingen berechtigt, 
hinfort vor seinem Namen den Zusatz „Bad" zu 
führen. Aus dem einfachen Dorf Rilchingen ist so 
„Bad Rilchingen" geworden. 
An Stelle von Sudhaus, Göpelwerk und Magazinen 
ließ Dr. Kirbs eine gepflegte Anlage herrichten; 
wo vordem Siedemeister und Salzknechte in har» 
tem Tagewerk der Quelle das Kochsalz abgerun» 
gen, wo einst die Pumper auf das Göpelwerk und 
die Fuhrleute auf die Pferde gescholten hatten, da 
ergingen sich nun Kurgäste. Aber diese Blütezeit 
des jungen Bades war nur von kurzer Dauer. Nach 
dem Tode des Dr. Kirbs wechselte das Bad mehr» 
mals den Besitzer, wodurch die Entwicklung natur» 
gemäß gestört wurde. Zwar erlebte der Bade» 
betrieb unter der Leitung der Gebrüder Simon 
aus Saarbrücken noch einmal einen kurzen Auf» 
schwung, doch war Rilchingen der Konkurrenz der 
immer luxuriöser werdenden größeren Bäder nicht 
gewachsen. Um den Rückgang der Kurgäste aus» 
zugleichen, bemühten sich die Gebrüder Simon, 
eine ständige Ferienkolonie für kranke und 
schwächliche Kinder einzurichten, doch wurde ihr 
dahingehendes Gesuch abgelehnt. 
Erst viele Jahrzehnte später konnte diese fort» 
schrittliche Idee verwirklicht werden. Mitten im 
ersten Weltkrieg, im Jahre 1917, erwarb die Genos» 
senschaft der „Barmherzigen Brüder" in Trier das 
Gelände der ehemaligen Kuranlagen, um für skro» 
fulöse und in ihrer Entwicklung gehemmte Kinder 
eine Heilstätte einzurichten, die schon nach kurzer 
Zeit über 100 Knaben zur gleichen Zeit aufnehmen 
konnte. 
Der zweite Weltkrieg fügte auch Rilchingen schwere 
Schäden zu, doch der aufopfernden Tätigkeit der 
Barmherzigen Brüder gelang es, Kurhaus und 
Kinderheim soweit instand zu setzen,daß heilung» 
suchende Kranke wieder aufgenommen werden 
konnten. Im Kurhaus wurden zeitweise Rußland» 
heimkehrer betreut. Im Jahre 1954 wurde es dann 
zu einem Silikoseheim für die saarländischen Berg» 
leute umgewandelt, was durch die enge Zusam» 
menarbeit zwischen dem Ministerium für Arbeit 
und Wohlfahrt, den Saarbergwerken, der Bergbau» 
Berufsgenossenschaft, dem Oberbergamt und dem 
Staatlichen Gewerbeamt im ehemaligen Kurhaus 
möglich war. Vier verschiedene Stellen teilen sich 
dort in die Hilfsaktion für die mit Silikose behaf» 
teten Bergleute: die Bergbauberufsgenossenschaft 
trägt die Unkosten des Rilchinger Aufenthaltes, 
die Saarbergwerke errichteten die Inhalations» 
anlagen und übernahmen die fachärztliche Betreu» 
ung der Patienten, die Knappschaft kommt für das 
an die Bergleute zu zahlende Kurgeld und die 
Medikamente auf, und die Barmherzigen Brüder 
sorgen für das leibliche Wohl der erholungsbe» 
dürftigen Bergleute und überwachen gleichzeitig 
den Kurplan. 
Die Inhalation von Aerosolen stellt ein wirksames 
Kurmittel gegen die Staublunge dar. Zwar hat die 
Wissenschaft erwiesen, daß bei einem Großteil der 
Menschen in der Regel bis über 90 Prozent des 
bis in die feinen Lungenbläschen gelangten Stau» 
bes auf dem Bronchialwege wieder ausgeschieden 
werden. Die natürliche Reinigungsfunktion der 
Lunge wird aber unterstützt, wenn die Bergleute 
feinste Tröpfchen der schleimlösenden Rilchinger 
Sole inhalieren, die in die weitverzweigten Äste 
der Bronchien mittels besonderer Inhalationsvor*
	        

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