Full text: 1960 (0088)

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Der Hauptaltar in Gräfinthal 
hierzu: Bliesmengen bedeutet „Ort zu den Magin= 
gen", das ist der Ort, wo sich die Sippe eines ger= 
manischen Ansiedlers namens „Mago" niederließ 
und die Ortschaft „Magingen = Mengen" grün= 
dete. Die Herren von Mengen hatten eine Burg 
unmittelbar an der Blies. Es war eine Wasserburg. 
Nur eine Erderhebung im flachen Gelände mit 
einem kleinen Mauerrest läßt noch auf die Was= 
serburg schließen. Die Burg wurde 1362 durch die 
Herren von Bitsch zerstört und nicht mehr auf* 
gebaut. 
Da ist weiter Reinheim, das von den Kelten besie= 
delt war. 1933 wurden hier keltische Bodenfunde 
gemacht. J. Moreau schreibt in seinem Buch „Die 
Welt der Kelten": „Sehr orientalisch wirken die 
Goldsachen, die im Frauengrab von Reinheim ge= 
funden worden sind. Der Goldtorques, der an der 
Stelle des Halses lag, ein dreilamellig gedrehter, 
vorne offener Reif, ist mit plastisch gearbeiteten 
Enden versehen. Diese sind mit Knöpfen, mensch= 
liehen Köpfen und Löwenmasken verziert. Über 
den Köpfen erhebt sich ein Vogelkopf mit Flügeln, 
die unten mit waagerecht liegenden Ohren ver* 
sehen sind. Unter dem Kinn der Menschenköpfe 
hängen drei Quasten, die in einer Ranke endigen. 
Die Ranke umgibt den Menschern und den Vogel= 
köpf, so daß aus den beiden ein einziges Wesen 
wird. Noch reicher verziert ist der offene Armreif, 
der aus der gleichen Werkstatt wie der Torques 
stammt. Die menschliche Figur ist dort zur Halb* 
figur einer geflügelten Sphinx mit geschuppten 
und gefiederten Oberarmen geworden, die sich in 
eine Leier= und Perlenornamentik einfügt. Die 
Kanne, die neben vielen anderen Grabbeigaben 
(Spiegel, Anhänger, Perlen, Glas* und Lignitarm= 
ringe) gefunden wurde, ist ein sehr schönes Stück, 
das von der gleichen Hand angefertigt wurde wie 
die Kanne von Waldalgesheim, Der Deckel trägt 
einen Kentauren mit Pferdekörper und vol!bärti= 
gern Menschenkopf. Die gegossenen Muster des 
Henkels (männliche Gesichtsmaske über einem 
Widderkopf) entsprechen dem orientalisierenden 
Geschmack des Goldschmucks , . 
1785 wurden in Reinheim Grundmauern eines Ve= 
nustempels, 1806 eine römische Badeanlage frei* 
gelegt. Beachtliche Kunstschätze sind in der 1790 
erbauten Kirche vorhanden. Die Kanzel aus Eichern 
holz wird von dem Riesen Simson getragen. Bis 
ins einzelne sind die Flachreliefs ausgearbeitet. Die 
Beichtstühle stammen aus dem ehemaligen Kloster 
Gräfinthal, die Holzschnitzereien sind ein Werk 
des Meisters J. F. Maderstock. Die Reichsgräfin 
Marianne ist die Erbauerin der Kirche. Der jetzige 
Kirchturm, Heidenturm, ist ein alter Rundbau aus 
der Römerzeit; im 12 Jahrhundert wurde er bau= 
lieh verändert. Zu erwähnen sind noch der Heide= 
oder Heilbrunnen sowie das keltische Fürstengrab 
auf dem „Heidenhübel" aus dem Jahre 400 vor 
Chr. Geburt. 
Und da ist schließlich noch Erfweiler im Mandel= 
bachtal, wo bedeutende Funde von Bauresten auf 
eine römische Niederlassung schließen lassen. Ur= 
kundlich wird der Ort 1264 erstmals genannt. „Erf* 
wilre" heißt es dort. Sehenswürdigkeiten sind der 
runde Kirchturm, die Zehntscheuer und in der 
Pfarrkirche der Kelch aus dem Jahre 1617. Der 
runde Kirchturm verjüngt sich nach oben; er ist 
der älteste runde Kirchturm im unteren Bliesgau. 
Dieser Turm gehörte im Mittelalter zum befestig* 
ten Hause der Ritter von Erfwiler. gewinn 
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