Full text: 1959 (0087)

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Warum verdienen feste Brennstoffe den Vorzug? 
Kohle und Koks als sichere einheimische Energiequelle / von W. Hold 
Eeste Brennstoffe oder Heizöl — das ist die 
■Frage, die in letzter Zeit heftig und häufig 
diskutiert wird. Und das nicht nur auf höchster 
Ebene und in Kreisen der Erzeuger dieser bei 
den Energieträger, die lebhafte Diskussion hat 
sich über Presse und Rundfunk bis zum Endver 
braucher fortgesetzt, der sich vor die Entschei 
dung gestellt sieht, ob er Kohle und Koks, also 
den festen Brennstoffen, oder dem Heizöl den 
Vorzug geben soll. 
In dem damit entfachten und von Seiten der Mi 
neralölindustrie mit lebhafter Werbung geführ 
ten Konkurrenzkampf zwischen der Kohle und 
dem Heizöl dürfte der Verbraucher an der Saar 
eigentlich von sich aus wissen, welchem Brenn 
stoff er den Vorzug geben will. Das Saarland 
ist ein ausgesprochenes Kohlenland, und gerade 
um diesen wertvollen Besitz wurde in den letz 
ten Jahrzehnten viel gestritten. Die Kohle ist 
seit eh und je der natürliche Reichtum unseres 
Landes. Und es ist kein Schlagwort, sondern eine 
Binsenwahrheit, daß der Bergbau, in dem nahe 
zu ein Fünftel der werktätigen Bevölkerung an 
der Saar Beschäftigung und Auskommen findet 
und der an der Wertschöpfung des Landes maß 
geblich beteiligt ist, eine der tragenden Säulen 
der gesamten Saarwirtschaft ist. Auch das Vor 
handensein und der Aufschwung bedeutender 
Industrien an der Saar wäre ohne die Kohle 
undenkbar. 
Aber nicht nur aus solchen Erwägungen her 
aus verdienen die im Lande vorhandenen festen 
Brennstoffe den Vorzug. Auch wirtschaftliche 
und technische Gesichtspunkte spielen dabei eine 
gewichtige Rolle. Als Vorteile von Ölheizungs 
anlagen wird häufig geltend gemacht, daß sie 
sauberer seien als Heizanlagen für feste Brenn 
stoffe und daß sie automatisch betrieben wer 
den könnten. Auch eine Kohle- und Koksheizung, 
vor allem, wenn es sich um eine neue und mo 
derne Anlage handelt, läßt sich mit minimalem 
Arbeitsaufwand immer tadellos sauber halten. 
Dagegen wird die Reinigung einer Ölanlage 
schwieriger, wenn nur etwas öl durch Undich 
tigkeit in der Leitung oder am Brenner in den 
Keller ausgelaufen ist, und der lästige Ölge 
ruch tagelang durch das Haus zieht. Hinzu 
kommt noch, daß bei ausgelaufenem öl immer 
Brandgefahr besteht, und in einer Reihe von be 
kannt gewordenen Fällen in der Bundesrepublik 
und in Frankreich dadurch verheerende Brände 
ausgelöst wurden. Was die Automatik, das viel 
gerühmte sog. „Druckknopfsystem" betrifft, so 
funktioniert diese bei neuzeitlichen Heizungs 
anlagen für feste Brennstoffe, insbesondere für 
Koks, genau so zuverlässig wie bei Ölheizungen. 
Allerdings ist bei einer Ölheizung Stromausfall 
gleichbedeutend mit Betriebsausfall, während 
bei automatischen Koksheizungen bei Stromaus 
fall der eingerichtete Handbetrieb eine Fort 
setzung der Heizung ohne weiteres gewähr 
leistet. Heute ist man jedenfalls so weit, daß 
Koks- und Kohlenschaufeln sowie das Asche 
tragen im Heizungskeller bei modernen Anla 
gen überflüssig geworden sind. 
Nach einem Bericht der „Deutschen Zeitung 
und Wirtschaftszeitung" ist das öl in der Nähe 
von Trinkwassergebieten besonders gefährlich. 
Durch ein Gutachten wurde nachgewiesen, daß 
öl im Wasser schon im Verhältnis 1:500 000 zu 
schmecken ist. In einem weiteren Gutachten von 
Prof. Hettche vom Hygiene-Institut im Hamburg 
wurde festgestellt, daß der Ruß von Heizölan 
lagen, der wesentlich flugfähiger ist als Stein 
kohlenruß, für die Gesundheit schädlich sei. Von 
Schornsteinfegern, die lange im Beruf sind, sei 
bezeugt worden, so heißt es in dem Gutachten 
weiter, daß bei Rußarbeit in früheren Zeiten, 
als nur feste Brennstoffe verfeuert wurden, 
nicht annähernd solche Beschwerden der At 
mungsorgane eintraten, wie sie jetzt bei der 
Reinigung von Ölheizungen Vorkommen. Was 
hier für die Schornsteinfeger im besonderen 
gilt, das hat auch für die Allgemeinheit Gültig 
keit, daß nämlich die sehr aggressiven schwe 
felhaltigen Rauchgase des Heizöls die Luft nicht 
nur verpesten, sondern beim Einatmen auch ge 
fährlich sind. 
Wie steht es demgegenüber mit Koks? Von 
berufener Seite ist gefordert worden, daß Kran 
kenhäuser nur Heizungsanlagen erhalten, die 
bestimmte Voraussetzungen erfüllen, daß ein 
Brennstoff verfeuert werden muß, der wirtschaft 
lich und geruchlos verbrennt, und dessen Ab 
gase weder Rußflocken noch schädliche Dämpfe 
enthalten dürfen. Und es wurde festgestellt, daß 
von allen festen und flüssigen Brennstoffen nur 
der Koks diese Vorzüge besitzt. 
Auch von einem preislichen Vorteil des Heiz 
öls gegenüber den festen Brennstoffen ist wie 
derholt die Rede. Der Kalorienheizwert einer 
Tonne Heizöl liegt höher als der einer Tonne 
Kohle oder Koks; der Preis mag augenblicklich 
verlockend erscheinen, da er für den Verbrau 
cher günstig liegt. Es darf aber keinesfalls über 
sehen werden, daß es sich dabei um nur vor 
übergehend eingeräumte Kampf- und Dumping 
preise handelt, bei der die Mineralölindustrie, 
die durch keinerlei Bindungen behindert ist, wie 
es bei der Kohle beispielsweise durch den Mon 
tanunionsvertrag der Fall ist, weit unter ihrem 
eigenen Gestehungspreis bleibt. Sie will dabei 
buchstäblich „um jeden Preis" ins Geschäft 
kommen, auch wenn sie vorübergehend Ein
	        

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