Full text: 1959 (0087)

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Verrottung der Pflanzenteile höher, sodaß die 
Ausstiege nicht so schnell zufrieren können. 
Der Bisam ist ein ausgesprochener Pflanzen 
fresser. Die weichen und fleischigen Teile und 
auch die Wurzeln der verschiedensten Wasser 
pflanzen dienen ihm zur Nahrung, also Kalmus, 
Schachtelhalm, Rohrkolben, Binsen, Seerosen, Iris, 
Riedgräser, Schilfrohr und ander®. Weidenzweige 
werden gerne benagt. Der Bisam verschmäht aber 
auch Kulturpflanzen nicht, die er nahe am Ge 
wässer findet. An tierischer Nahrung werden 
lediglich Krebse und sehr gerne Muscheln ange 
nommen. Ausnahmsweise findet man auch einmal 
einzelne Tiere, die eine Vorliebe für Fischnahrung 
zeigen, doch ist das selten der Fall. — Obwohl der 
Bisam zu den Wühlmäusen gehört, benagt er die 
Wurzeln der Obstbäume nicht, wie die nahe ver 
wandte und deswegen gefürchtete Wühlmaus! 
Der Bisam kommt im allgemeinen nur von Ein 
bruch der Dämmerung an aus seinen Bauen her 
vor. Man bekommt ihn daher normalerweise nur 
selten zu Gesicht, und es ist dadurch auch zu er 
klären, daß der Bisambefall meist erst längere Zeit 
nach der Zuwanderung der Tiere bemerkt wird. 
Findet man aber mit schräger Abbißstelle ver 
sehene Pflanzenteile einzeln oder in Bündeln auf 
dem Wasser schwimmend, die den oben genann 
ten Pflanzenarten angehören, dann kann mit ziem 
licher Sicherheit auf das Vorhandensein des Bisams 
geschlossen werden. Es besteht natürlich auch die 
Möglichkeit, daß abgemähte Pflanzenteile herum 
schwimmen, daß ferner Wassergeflügel Pflanzen 
oder Pflanzenteile ausgerissen hat, die herum 
schwimmen und daß schließlich feinere Gräser ab 
gebissen auf dem Wasser schwimmen. Letztere 
stammen allerdings von der Wühlmaus, die eben 
falls häufig direkt am Wasser anzutreffen ist. 
Dieser Verbiß ist jedoch viel feiner. Häufig findet 
man in Gewässern mit vielen Treib- und Schwimm 
pflanzen regelrechte Schwimmstraßen, die der 
Bisam immer wieder benutzt. Sie können aller 
dings auch vom Wassergeflügel herrühren. Leere 
Muschelschalen am Ufer lassen gleichfalls Ver 
dacht auf das Vorhandensein des Bisams auf- 
kommen. 
Der Bisam hält keinen Winterschlaf. So kann 
man auch unter der Eisdecke sein lebhaftes Trei 
ben an Ketten von Luftblasen erkennen, die aus 
seinem Fell stammen und 
sich unter der Eisdecke gut 
abheben. 
Vom Laien wird der Bi 
sam gerne mit der Nutria 
oder dem Sumpfbiber ver 
wechselt, jenem viel grö 
ßeren Nagetier, das als 
Pelztier auch hier im Saar 
land häufig in Farmen ge 
halten wurde und von 
dort aus vielfach die Frei- 
, heit erlangte. Die Nutria 
unterscheidet sich vom Bi 
sam, abgesehen von der bedeutenderen Größe 
(Körperlänge 40 bis 45 cm, Schwanz 30—40 cm), 
deutlich durch die Beschaffenheit des Schwanzes 
Der Schwanz der Nutria ist drehrund und dichter 
behaart. Die Füße sind ebenfalls verschieden groß, 
doch hat die Nutria Schwimmhäute an den Hinte • 
füßen. Die großen Nagezähne der Nutria sind 
gelbrot und breit und treten deutlich hervor. — 
Es kommt auch vor, daß junge Bisame mit der 
Wühlmaus verwechselt werden. Eine Wühlmaus 
mißt nur 12—19 cm für den Körper und 5—12 cm 
für den Schwanz, der außerdem drehrund ist. Die 
Wühlmaus besitzt keine verschieden großen Vor 
der- und Hinterfüße wie die beiden beschriebenen 
Tierarten. 
Der Bisambefall im Saarland, der seit 1956 be 
kannt ist, sich nachträglich aber bis 1953, aller 
dings nur durch einzelne Meldungen, zurückver 
folgen läßt, nimmt seinen Ursprung von Frank 
reich her, insbesondere aus dem Departement 
Moselle. Über alle Cewässer, also Saar, Blies, Bist, 
Nied und Mosel und kleinere Zuflüsse vom We 
sten her, ist das Tier ins Saarland eingedrungen. 
Die Ploda wasserkatastrophen der letzten Jahre 
haben die Ausbreitung des Bisams sehr stark be 
günstigt und dazu beigetragen, daß er entlang der 
Mosel bis zum Rhein hin Vordringen konnte. 
Der Bisam muß mit allen zur Verfügung stehen 
den Mitteln bekämpft werden. Dazu gehört vor 
allem die aufmerksame Beobachtung der Bevölke 
rung, die ihr verdächtig erscheinende Feststellun 
gen, die auf das Vorhandensein des Bisams schlie 
ßen lassen, über die zuständige Polizeistelle an 
die Landwirtschäftskammer melden muß. Auch 
alle von ihr erlegten oder tot gefundenen Tiere 
sind auf diesem Wege zu melden. Werden Tiere 
fes(gestellt, so muß versucht werden, sie zu töten. 
Das kann durch Erschlagen mit Stöcken oder 
Steinen, eventuell auch Abschuß durch Jagdberech- 
ligte und bei Anglern durch Fischreusen geschehen. 
Abb. 2: Schema eines Bisambaus
	        

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