Full text: 1958 (0086)

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fanden wir erst einen Arm, eingeklemmt zwi 
schen Firste und Streckengestell, den übrigen 
Körper etwa fünfzehn Meter weiter oberhalb 
unter dem Bruche eines Bremsberges. Mit die 
sem letzten Opfer fuhr ich zu Tage, abends ge 
gen zehn. Während der letzten Bergungsschich 
ten wurde den Leuten Branntwein ausgegeben. 
Als ich nach dieser Schicht ausgeschlafen und 
mich gewaschen hatte, merkte ich zu meiner 
Überraschung, daß mir ein ganzes Büschel Haare 
handbreitgroß am linken Kopf fehlte. Erst nach 
vielen Wochen wuchsen sie mir wieder nach. 
Dieses Camphauser Unglück war noch in 
lebendiger Erinnerung, als im Juni desselben 
Jahres auf Grube Dudweiler wieder 18 Bergleute 
infolge Schlagwetterexplosion zu Tode kamen. 
Nach diesen Unglücksfällen traten allmählich 
Verbesserungen ein. Die Schichtzeit wurde auf 
zehn Stunden gekürzt, die Wetterführungen ver 
bessert. Doch die Leute fingen an, unzufrieden 
zu werden. Sie wollten mehr Lohn und bessere 
Behandlung, bestanden doch trotz einiger Ver 
besserungen noch sehr viel Ubelstände. Der 
Lohn wurde anstatt besser geringer, die Behand 
lung seitens mancher Vorgesetzter war schlecht. 
Die Gärung wuchs, und im Frühjahr 1889 kam 
es zur Arbeitsniederlegung, es wurde gestreikt. 
Alle Gruben wurden sofort von Militär besetzt, 
dann zog man aus fremden Revieren genügend 
Gendarme zusammen, und das Militär wurde zu 
rückgezogen. Inzwischen hatten die Bergleute 
einen sogenannten Rechtsschutzverein gegrün 
det. Auf dessen Drängen und nach langen hart 
näckigen Verhandlungen gaben die Behörden 
nach, man sagte den Streikenden mehr Lohn und 
bessere Behandlung zu, die Bergleute fuhren 
wieder ein, bis auf die Rädelsführer, die abgelegt 
worden waren, und deren war eine ganze An 
zahl. So wurde wohl 
wieder gearbeitet, aber 
der Frieden war noch 
immer nicht ganz wie 
derhergestellt, die Er 
bitterung hielt an. Das 
dauerte bis zum Win 
ter 1892, dann brach 
wiederum Streik aus. 
Nach diesem Streik 
wurde es dann aber 
doch im allgemeinen 
besser. Die Schichtzeit 
dauerte nur noch neun 
Stunden, die Löhne 
wurden aufgebessert, 
wir bekamen mehr Ge 
halt und wurden zu 
Staatsbeamten beför 
dert. 
In dieser Zeit führte 
ich meine Abteilung 
von 180 bis 200 Mann. 
Mein Dienst war an 
strengend. Nach und 
nach, erst unbemerkt, 
stellten sich verschie- 
Friedrich Kümmels dene Leiden bei mir 
ein. Ich mußte ein 
paar Wochen ausspannen. Als ich wiederher 
gestellt war, wurde gerade die Stelle des Koh 
lenexpedienten frei. Ich kam ein paar Wochen 
lang zur Ausbildung im Expedieren und Tele 
graphieren auf die Kohlenexpedition, und schon 
nach vier Wochen wurden mir die Geschäfte 
des Kohlenexpedienten selbständig übertragen. 
Nachwort: Diese Stelle verwaltete Friedrich 
Kümmel bis zu seiner Pensionierung. Er starb 
am 1. Juni 1939 im Alter von 83 Jahren. 
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