Full text: 1958 (0086)

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Von Ingeborg Margait, Saarbrücken 
sj ie haben wohl eines gemeinsam — die 868 Männer, die am St.-Barbara-Tag 
V mit einer Ehrenurkunde und einem Geldgeschenk für ihre 40jährige Tätig- 
^J keit bei den Saargruben ausgezeichnet wurden. Und dieses Gemeinsame ist 
ihre schwere Jugend. Oft nicht einmal vierzehn Jahre alt, fuhren die meisten 
von ihnen im harten Kriegsjahr 1917 auf der Grube an. Sie waren vorzeitig aus der 
Schule entlassen werden und sollten nun mit ihren schwachen Kräften die Väter 
ersetzen, die an der Front standen. Als Vierzehn- und Fünfzehnjährige arbeiteten 
sie schon unter Tage. Früh nahm das Leben sie in seine harte Schule. Das ist bitter. 
Und dennoch gereichte es ihnen nicht zum Schaden. Aus den frühreifen Kindern wur 
den ernste, tüchtige Bergleute, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen und sich 
durchzusetzen wissen. Es sind Bergleute vom alten Schlag, die, voll Stolz auf ihren 
Beruf, den Bergmannsstand hochhalten. Als geachtete Männer haben viele 
von ihnen Ehrenposten inne. Sie wurden zu Sicherheitsmännern, Knappschafts 
ältesten oder Betriebsratsmitgliedern gewählt, sie betätigen sich aktiv als Gemeinde 
ratsmitglieder oder gar als Bürgermeister in der Gemeinde, sie bekleiden die ver 
schiedensten Ämter bei der Freiwilligen Feuerwehr, sie stellen sich den freiwilligen 
Sanitätskolonnen zur Verfügung und stehen als Vorsitzende an der Spitze von 
Vereinen. 
Und andere, die nicht in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt sind, erwerben 
sich einen guten Ruf durch Erfolge, die sie ganz privat auf dem Gebiete ihrer Lieb 
habereien gewinnen — etwa als Musiker, Maler, Bastler, Imker, Tauben-, Hunde 
oder Blumenzüchter, Gartenfreund und Bergmannsbauer. Uber jeden einzelnen von 
ihnen gäbe es viel zu erzählen, aber es ist verständlich, daß wir nicht die Lebens 
läufe von 868 Belegschaftsmitgliedern wiedergeben können. Deshalb bleibt es mehr 
oder weniger dem Zufall überlassen, unter all diesen tatkräftigen Männern einige 
herauszufinden, deren Leben für das ihrer Kameraden mitsprechen soll. 
Weit geringer an Zahl sind unsere Belegschaftsmitglieder mit 50 Dienstjahren. 
Diesmal können nur fünf verdiente Männer, die als Abteilungsleiter, Grubeninspek 
toren und Fahrsteiger bei den Saarbergwerken tätig sind, dieses seltene Jubiläum 
begehen. Ihnen allen, die dem Betrieb in guten und in schlechten Tagen die Treue 
hielten, sagen wir unseren herzlichsten Dank. Für ihr zukünftiges Wirken und ihren 
weiteren Lebensweg ein herzliches 
GLUCK AUF! 
„ic Jtai, was JkotvhU" 
„Nur nicht zu viel aufschreiben, nur nicht zu 
viel Aufhebens machen!" wehrt Grubeninspek 
tor August Knoblauch von Grube König 
ab, den wir als Repräsentanten der Männer be 
suchen, die in diesem Jahre ihr 50jähriges 
Dienstjubiläum feiern. Wir verstehen seine 
Reaktion, denn es liegt auf der Hand, daß ein 
solch vitaler Mensch, dessen Leben ganz auf die 
Tat abgestimmt ist, von großen Worten nichts 
hält. Dem Jubilar kann keiner etwas vormachen, 
denn er hat von der Pike auf gedient. Am 20. 
April 1907 fuhr er als Jugendlicher auf Grube 
J 
Dechen an und wurde zwei Jahre später nach 
Grube König verlegt. Von 1907 bis 1908 besuchte 
er die Werkschuloberklasse, von 1908 bis 1910 
die Bergvorschule und von 1910 bis 1912 die 
Bergschule zu Saarbrücken. Nachdem seine Aus 
bildung abgeschlossen war, wurde er zunächst 
aktiver Soldat und nahm als solcher auch am 
Weltkrieg teil. Er kam auf allen Kriegsschau 
plätzen zum Einsatz und war zweimal schwer 
verwundet. 1919 kehrte er in die Heimat zurück 
und nahm seine Tätigkeit als Reviersteiger in 
Grube König auf. 1925 wurde er zum Fahrsteiger, 
1935 zum Obersteiger und 1952 zum Gruben 
inspektor befördert.
	        

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