Full text: 1958 (0086)

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Abbildung 4: Grabmal des Grafen Ludwig Kraft und 
seiner Gemahlin Philippine Henriette 
Auf dem Gebälk: „Der Tod trennt die Liebenden 
nicht.“ 
Auf der Inschrifttafel Beweine, Leser, das durch 
Adel, Würde und Schönheit erlauchte Ehepaarl 
Den erhabenen und erlauchten Grafen, Herrn 
Ludwig Kraft, Grafen zu Nassau-Saarbrücken 
und Saarwerden, Herrn zu Lahr, Wiesbaden und 
Idstein, des allerchristlichsten Königs General 
leutnant und Obersten des Reiterregiments 
Royal-Allemand. Die erhabene und erlauchte 
Gräfin, Frau Philippine Henriette, Gräfin 
zu Nassau-Saarbrücken und Saarwerden, Herrin 
zu Lahr, Wiesbaden und Idstein, geborene Grä 
fin von Hohenlohe und Gleichen, Herrin zu Lan- 
genburg und Kranichfeld. Der Tod, der den Leib 
zerstörte, konnte die Beharrlichkeit der Seelen, 
die fester ist als dieser Stein, nicht zerstören. 
Der erhabene und erlauchte Graf, siegreich in 
den Waffen, in der Rede und in der Menschen 
freundlichkeit, starb unerschüttert im Glauben 
im Jahre 1713 den 14. Februar. Die erhabene und 
erlauchte Gräfin, siegreich in Hoffnung, Geduld 
und Beständigkeit, starb unerschüttert im Glau 
ben im Jahre 
Das reich bemalte Grabmal besteht in der 
Hauptsache aus Sandstein, Teile sind aus Stuck 
marmor angefertigt. 
Graf Ludwig Kraft war der älteste Sohn von 
Gustav Adolph- und Eleonore Clara. 1685 über 
nahm er im Alter von 22 Jahren die Regierung, 
die er mit großer Umsicht und Tatkraft führte. 
Er sorgte für Ordnung und Sparsamkeit, Sicher 
heit im öffentlichen Leben und Schutz seiner Un 
tertanen im Kriege. Für die Armen war er ein 
Wohltäter. Besondere Hilfe ließ er den Kirchen 
und Schulen zukommen. Aber seine friedliche 
Tätigkeit war immer nur kurz, denn die meisten 
Jahre seines Lebens waren dem Kriegsdienst ge 
widmet, so daß er die Mitarbeit seiner „herz 
allerliebsten Frau Mutter", wie er sie als Student 
in seinen Briefen aus Tübingen nannte, sehr zu 
schätzen wußte. Im französischen Heeresdienst 
brachte er es zum Generalleutnant und Chef des 
Reiterregiments Royal-Allemand. Ludwig XIV. 
versuchte, ihn zum katholischen Glauben zu be 
wegen, aber Ludwig Kraft blieb seinem luthe 
rischen Bekenntnis treu. Trotzdem war er am 
französischen Hofe sehr angesehen. 
Das Renaissanceschloß in Saarbrücken ließ er 
durch den Architekten J. C. Motte dit la Bonte 
im barocken Sinn erneuern; als Schlußpunkt 
wurde dem großen Schloßturm eine welsche 
Haube aufgesetzt. Ludwig Kraft vollendete da 
mit das von seiner Mutter begonnene Werk. 
Dann ließ er den großen Schloßgarten mit den 
vom Schloß absteigenden Terrassen und Frei 
treppen, Baumreihen und Rasenflächen, Rabatten 
Abbildung 5: Graf Ludwig Kraft
	        
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