Full text: 1958 (0086)

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Abbildung 3: Gräfin Eleonore Klara 
Die Witwe Eleonore Clara trat nun die Regent 
schaft an. Ihr Start war unglücklich, denn in die 
sem Jahre noch sollte Saarbrücken vom schwer 
sten Schlage getroffen werden. Beim Heran 
nahen der kaiserlichen Armee hatten die Fran 
zosen sich auf das südliche Saarufer zurückge 
zogen und sich in Alt-Saarbrücken verschanzt. 
Um die Stadt besser verteidigen zu können und 
freies Schußfeld zu haben, brannten sie die vor 
der Stadtmauer gelegenen Häuser ab. Dabei 
aber ging aus Unvorsichtigkeit die ganze Stadt 
in Flammen auf. Die Schloßkirche brannte aus 
und ihre steingewölbte Decke stürzte ein. Nur 
fünf Häuser und das Schloß blieben damals ver 
schont; das war im Jahre 1677 und seitdem ist 
die Decke der Schloßkirche nie wieder einge 
wölbt worden. Die Gräfin Eleonore Clara ließ 
sich aber nicht entmutigen. Klug und energisch 
führte sie in ihrem Lande das Regiment und tat 
alles, die Kriegsschäden zu überwinden, ihre 
Untertanen wieder zu sammeln und besseren 
Tagen entgegenzuführen. Vor allem galt es, die 
erschreckend zusammengeschmolzene Bevölke 
rung zu ergänzen, insbesondere durch die För 
derung des Zuzugs von außen. Die Einwande 
rung war damals in vollen Gang gekommen. Von 
Frankreich, hauptsächlich von Lothringen, von 
Belgien, aus der Schweiz, von Vorarlberg und 
Tirol, aus Süddeutschland, den Rheinlanden und 
vom Hunsrück kamen die Einwanderer in die 
Grafschaft Saarbrücken. Heute noch findet man 
die Familiennamen dieses neu zugezogenen 
Volksteils allenthalben in der Stadt und in den 
Dörfern. Auch das Bauwesen kam unter der Re 
gierung der tatkräftigen Gräfin wieder in 
Schwung, und sie fing nun auch wieder an, 
Künstler an den Hof zu ziehen, unter denen an 
erster Stelle der Architekt und Ingenieur J. C. 
Motte dit la Bonte zu nennen ist. Als Eleonore 
Clara im Jahre 1709 die Augen für immer schloß, 
hatte sie ein segensreiches Friedenswerk getan. 
Sie ist in einer eigenen Gruft in der Schloß 
kirche bestattet. 
2. Grabmal des Grafen Ludwig Kraft 
und seiner Gemahlin Philippine Henriette von Nassau-Saarbrücken. 
as mächtige barocke Wandgrabmal (Ab 
bildung 4) steht im Schiff der Schloß 
kirche. Der Unterbau besteht aus einem 
• Sarkophag, vor dem das mit der Grafenkrone 
bekrönte, von Löwen gehaltene Ehewappen von 
Nassau-Saarbrücken und Hohenlohe-Gleichen 
angebracht ist, und einer auf dem Sarkophag 
stehenden schwarzen Inschrifttafel zwischen 
weißen Konsolen. Zu beiden Seiten halten En 
gel die Ahnenwappen empor. Es sind links acht 
Wappen: Nassau, Baden, Hessen, Rheingrafen, 
Hohenlohe, Pfalz, Nassau-Dillenburg und Braun 
schweig. Rechts folgen die acht Wappen von Ho 
henlohe, Solms, Fürsten von Nassau, Nassau, 
Castel, Hohenlohe, Hohenlohe und Erpach. Ueber 
dem Gesims des Unterbaues erhebt sich als Rah 
men für eine Bühne eine barocke Säulen- und 
Pilasterarchitektur. Vor dem blauen, mit golde 
nen Hermelinschwänzchen besetzten Vorhang 
präsentieren sich die hell getönten Figuren des 
Grafen und der Gräfin. Graf Ludwig Kraft, in 
Panzer und übergeworfenem Mantel, hat das 
rechte Bein über das linke geschlagen und stützt 
sich auf den auf einem Pfeiler sitzenden Helm. 
In der rechten Hand hälte er den Kommando 
stab. Sein Haupt ist mit der langen Perücke ge 
schmückt (Abbildung 5). Seine theatralische Hal 
tung ist charakteristisch für die Zeit, in der der 
französische Sonnenkönig Ludwig XIV. den Ton 
angab. Ohne Beziehung zu dem Grafen steht da 
neben die Gräfin Philippine Henriette, angetan 
mit der vornehmen Hoftracht jener Zeit. Stolz 
erhebt sie das Haupt; in der rechten Hand hält 
sie ein Kreuz. Außerhalb der Architektur stehen 
zwei allegorische Figuren: links die Beredsam 
keit, rechts den Reichtum darstellend. Ueber dem 
Gebälk sitzt auf der Weltkugel, umgeben von 
Fahnen und Waffen, der Siegesengel und hält 
den Lorbeerkranz über das Haupt des Grafen. 
Die lateinischen Inschriften mit vergoldeten Let 
tern lauten.
	        
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