Full text: 1958 (0086)

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vom „Marksuggler" bis zum „Mutter-Klotz" 
Privat-Initiative schuf in Püttlingen ein kleines Bergbau-Museum 
I nmitten der landschaftlich schön gelegenen, 
nahezu 15 000 Einwohner zählenden Groß 
gemeinde Püttlingen befindet sich am alten 
Marktplatz seit Jahrzehnten ein großes Gast 
haus: die Kaisersaal-Gaststätte, die in den letz 
ten Jahren eine bemerkenswerte Wandlung er 
fahren hat. Sie begannen mit der Änderung des 
Namens für dieses Gasthaus, das sich heute 
„Haus der Bergleute" nennt. Die Bezeichnung 
„Haus der Bergleute" würde für eine Gastwirt 
schaft in einer ausgesprochenen Bergarbeiter 
gemeinde, die den Hauptteil ihrer Arbeiter auf 
der örtlichen Grube Viktoria in Beschäftigung 
sieht, keine Besonderheit darstellen. Mit der 
Namensänderung hat sich in dem Lokal selbst 
aber auch etwas getan: es ist ein kleines Berg 
bau-Museum entstanden, wie es — auf Privat 
initiative zurückzuführen — wohl nirgends zu 
finden sein dürfte. 
Schon beim Betreten des Gasthauses wird man 
unwillkürlich von einer bergmännischen Atmo 
sphäre umfangen, hervorgerufen durch zahl 
reiche an den Wänden befindliche elektrisch 
beleuchtete Grubenlampen verschiedenster Ar 
ten und Alters. Es mag ein Kuriosum sein, daß 
der Schöpfer und Pfleger dieses kleinen Mu 
seums selbst kein Bergmann ist und mit dem 
Bergbau praktisch auch nie etwas zu tun hatte. 
Das Zustandekommen der reichhaltigen Samm 
lung bergmännischen Gutes verdankt er in der 
Hauptsache seinen Gästen, die ihm diese vie 
len alten Gruben-Gerätschaften im Laufe der 
Zeit brachten, so daß es sich schon bald lohnte, 
sie sinngerecht an den Wänderi des Lokales an- 
zubringen. Der Sammler legte besonderen Wert 
darauf, nur gebrauchte Original-Gerätschaften 
zur Schau zu stellen; dabei sind auch die 
Streichholzschachtel (mit dem Bergmannsbild), 
eine Füchsel- und eine Kautabak-Packung nicht 
vergessen, wie auch der traditionelle „Mutter- 
Klotz" nicht fehlt. In der Mitte einer etwa 15 
Meter langen Längswand hängt — auf Perga 
ment geschrieben — das Anfahrtsgebet der 
Bergleute, das von einer Grubenlampe beleuch 
tet wird und von Meter-Stöcken und kunstvoll 
verzierten Steigerstöcken umrahmt ist. 
Das Geleuchte des Bergmanns nimmt einen 
besonderen und zweckmäßigen Platz ein. Da fin 
det man die ältesten Geleuchte, von der ehe 
mals primitiven Ölfunzel mit qualmendem, of 
fenem öllieht, über ausgediente Petroleum- und 
Benzinlampen, bis zur modernen Kopflampe, die 
am Leder- oder Kunststoffhelm befestigt ge 
tragen wird. Eine Original-Karbidlampe aus 
einer lothringischen Erzgrube ist sehr hübsch 
zu einem Benzin-Feuerzeug für den „Stamm 
tisch" umgearbeitet. 
Das Gezähe des modernen Bergmannes hat 
heute ein anderes Gesicht als früher, doch 
haben sich einige Teile nur unwesentlich geän 
dert. Da ist die „Olga", die große Pfannen 
schaufel, zu sehen, die verschiedenen Pickel- 
Arten, und aus der großen Zahl alter und neuer 
Gezähe-Teile seien hier nur einige genannt: als 
ältester Schrämpickel der „Marksuggler", ein 
Revolverpickel, ein Zweispitzschrämer, ein Rei 
terbeil, Spitzhammer, Fäustel, Spitzkeile, Schlä 
gel und Eisen, Schlagbohrer, ein „Hirz", Knie 
schoner, Sitzgurt, Handschützer, Handbeil und 
Handsäge, eine Patrone mit Schießdraht, eine 
Gesteinsbohrstange mit Bohrkrone. Audi Trenn-, 
Halte- und Verbindungsstücke werden gezeigt. 
Weiter sind da zu sehen: Bohrhammerspitze, 
Schrämmeißel und Schrämkrone. Selbst das 
„Arschleder" ist nicht vergessen, auch nicht die 
heute allgemein übliche Staubmaske. Das viel 
fältige Bild rundet ein gründlich „verbawwer- 
tes" Kaffeeblech ab. 
Ausstellungsstück in dem kleinen Püttlinger 
Bergbau-Museum
	        

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