Full text: 1957 (0085)

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Graben- 
Lampen 
einst 
und jetzt 
Von Walther A I b r e c h t 
ie Überlieferungen aus dem ältesten Berg 
bau sind sehr spärlich. Unsere Kenntnisse 
aus dieser Zeit stützen sich zum größten Teil 
auf Funde, die man gemacht hat. Die ältesten 
Grubenlampen, die gefunden wurden, bestanden 
aus Ton und stammen aus Gruben, die von den 
alten Römern betrieben wurden. Hauptsächlich 
dürfte zu dieser Zeit Kienspan und Fackel dem 
Bergmann in den Erdlöchem und Stollen das 
Licht gespendet haben. 
Im Museum zu Hallstatt (Oberösterreich), wo 
der Steinsalzbergbau seit altersher umgeht, ent 
deckte ich auf einer Ferienreise eine prachtvolle, 
ungebrauchte Fackel, die hier durch 2 700 Jahre 
von dem Salzberg behütet worden war. Etwa 
fünfzig fast meterlange und einen Zentimeter 
starke Spaltstäbe aus Fichten- und Tannenholz, 
oben und unten durch einen kunstvoll gearbei 
teten Gleitring aus Lindenbast zusammengehalten, 
das war der uralte Lichtträger. 
Heute rast die Zeit. Damals hielt sie wohl ab 
und zu still. Die Menschen der Vorgeschichte, ins 
besondere die Bergleute, waren außerordentlich 
konservativ! Mit unglaublicher Zähigkeit hielten 
sie an bewährtem Kulturgut fest. Die Fackel als 
Grubengeleuchte überlebte Altertum und Mittel- 
alter, trat sieghaft in die Neuzeit ein. Noch in 
der Mitte des verflossenen Jahrhunderts gab es 
in den österreichischen Salzbergwerken „Puchein“, 
wie diese Fackeln nunmehr hießen, und erst nach 
einem Grubenbrande im Außer Salzbergwerk 
wurden sie endgültig abgeschafft. Leuditspäne 
und Puchein, so erzählte man mir weiter, wurden 
bisweilen auch an den „Ulmen“ (Seitenwänden) 
der Gruben befestigt oder mit den — Zähnen 
gehalten! In der „Historia de gentibus septen- 
trionalis“ von Magnus (1555) ist ein Bauer abge 
bildet, der, gleich seinem Weib, bei häuslicher 
Arbeit den brennenden Leuchtspan mit den Zäh 
nen hält Auch auf altjapanischen Bildern ist der 
lei zu sehen, und der menschliche Mund gab da 
mit den Vorläufer ab für den späteren „Maul 
auf“ aus Ton. 
In der Form erinnert noch an die alte Ton 
lampe (Bild 1) der sogenannte Frosch (Bild 2), der 
im Mittelalter lange im Gebrauch war. Nach 
diesem Grubengeleucht kam die offene Öllampe 
auf (Bild 3). Diese Lampen, mit Talg oder Rü'böl 
gefüllt, erhielten sich Hunderte von Jahren und 
sind auch im Ruhrrevier bis vor fünfzig Jahren 
vielfach benutzt worden. Das Rüböl gehört zu 
den pflanzlichen Ölen, die damals und auch heute 
noch im sächsischen Erzbergbau z. B. wegen ihres 
hohen Entflammungspunktes und ihrer sparsamen, 
langen Brenndauer ein gutes Beleuchtungsmittel 
darstellen. Die in Freiberg gebräuchliche Öllampe, 
die „Blende“ (Bild 4), war in einem Gehäuse 
aus Metallblech befestigt, das an einem Riemen
	        

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