Full text : 1957 (0085)

43

Eine  Bergmannserzählung  aus  unserer  Saarheimat  nach  einer  wahren  Begebenheit

Von  Hans  B  r  e  i  n  i  g

Nachdem  Otto  Hellenthal  seine  paar  Jahre  als
Pferdebursche  auf  einer  Grube  im  oberen  Saarrevier
  gearbeitet  und  dann  nach  einigen  Monaten
Schlepperarbeit  beim  Aufhieb  eines  Querschlages
geleistet  hatte,  wurde  er  um  die  Jahrhundertwende
zur  Garde  nach  Berlin  eingezogen.  Ein  strammer
Bursche  war  er,
wie  man  so  sagt,
und  der  Hauptmann ­
  redete  ihm
nach  Beendigung
der  Militärdienstzeit ­
  sehr,  allerdings ­
  umsonst,
zu,  doch  Soldat
zu  bleiben.  Otto
zog  es  wieder  zu
seinen  Kameraden ­
  in  die  Tiefe,
heim  an  die  Saar.
Und  so  verschlug
ihn  sein  Schicksal ­
  um  die  Jahrhundertwende ­

wieder  als  Gesteinsknappe ­
  in
den  zur  gleichen
Inspektion  gehörenden ­
  erst  im
Abteufen  begriffenen ­
  Südschacht
droben  im  Walde. ­

Seit  Jahresfrist
war  dort  die  Arbeit ­
  im  Gange
und  allmählich
wuchs  eine  kleine, ­
  blaugraue
Bergehalde  um
das  Schachtgerüst, ­
  und  der  Schacht  selbst  war  bereits  an  die
]00  Meter  tief.  Die  kleine  Kameradschaft  und
Schachtbelegschaft  bestand  aus  kaum  einem  Dutzend ­
  Knappen.  Hellenthal,  obwohl  der  jüngste
unter  ihnen,  der  —  wie  damals  üblich  —  die
Beservistenmiitze  keck  auf  dem  Haupte  trug,
machte  in  kurzer  Zeit  seine  Hauerprobe  und  war
wegen  seiner  Tüchtigkeit  bald  anerkannter  Gesteinsarbeiter, ­
  dem  man  Vertrauen  schenkte,  das
er  auch  nie  enttäuschte.

Manch  harte,  aber  auch  manch  frohe  Stunde
verlebte  der  junge  Hauer  damals  in  der  Tiefe  wie
auch  in  seiner  Freizeit  droben  im  Dorfe  gemeinsam ­
  mit  seinen  Bergmannskameraden.  Besonders
gut  befreundet  war  er  mit  dem  um  ein  paar  Jahre
älteren  Karl  Herres,  den  den  verantwortungsvollen ­
  Posten  des
Schießmeisters  in
der  Partie  bekleidete. ­
  Und
beide  Kameraden
achteten  besonders ­
  während
ihrer  gefahrvollen ­
  Arbeit  einer
auf  den  andern,
daß  ihm  nichts
passiere,  abgesehen ­
  von  der  sonst
allgemeinen  Vorsicht ­
  und  Hilfsbereitschaft ­
  aller
für  alle,  wie  es
ja  im  Bergbau
oberstes  Gesetz
zu  allen  Zeiten
war.
Einmal  hatten
die  Knappen
während  der  ganzen ­
  Sei  lieht  Löx
  eher  in  das  har-\
  te  Gestein  getrieben, ­
  und  derweil
der  Schießmeister ­
  sie  versetzte,
bestiegen  die
meisten  schon  die
Fahrtonne  und
fuhren  an  Tage.
Einige  nur,  unter
ihnen  auch  Otto  Hellenthal,  blieben  mit  dem  bald
nachkommenden  Schießmeister  in  dem  etwa  30
Meter  höher  gelegenen  Schutzörtchen  im  Schacht
zurück,  nachdem  Karl  Herres  kurz  zuvor  sämtliche
Zündschnüre  im  Gestein  in  der  Tiefe  mit  Feuerstein ­
  und  Zunders  Hilfe  angebrannt  hatte.  Die
Männer  duckten  und  kauerten  sich,  wie  schon  so  oft,
im  schmalen  Schutzort  eng  aneinander.  Sie  hörten
lange  das  sirrende  Abbrennen  der  Streifen  und
rochen  auch  schon  die  davon  brenzlich  gewordenen

die  Männer  duckten  und  kauerten  sich  am  schmalen  Schutzort
eng  aneinander
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.