Full text: 1957 (0085)

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Wir spielen täglich 
mit dem £eben 
Unfälle im Hause, die sich vermeiden 
lassen — Ratschläge für Erste Hilfe 
Nicht im Verkehrsgewuhl der Großstädte ist 
unser Leben am meisten gefährdet, sondern zu 
Hause zwischen unseren „sicheren“ vier Wänden. 
Wie Versicherungsstatistiker festgestellt haben, 
passieren im Hause weit mehr Unfälle als auf 
der Straße. Dafür gibt es hauptsächlich vier 
Gründe, die alle in uns selbst liegen: Leichtsinn, 
Unachtsamkeit und unnötige Hast. Es ist erstaun 
lich, was alles geschieht. Manchmal hat man den 
Eindruck, die Leute legen es direkt darauf an, 
sich zu verbrühen, zu schneiden, die Knochen oder 
gar das Genick zu brechen. Man klettert auf 
Möbel, die nicht dafür bestimmt sind; man legt 
Läufer und Brücken auf den spiegelglatt geboh 
nerten Fußboden, man fällt die Treppen hin 
unter, schüttet sich heißes Fett über die Beine, 
öffnet Konservendosen mit falschen Instrumenten, 
spaltet Holz mit dem Küchenmesser und stürzt 
auch zur Abwechslung gelegentüch aus dem 
Fenster. Gerade beim Frühjahrs-Großreinemachen 
häufen sich solche häuslichen Unfälle. 
Kommentare dazu sind überflüssig. Wer beim 
Gardinenaufstecken auf einer Stuhlpyramide steht, 
braucht sich nicht nur zu wundern, wenn er nicht 
hinunterfällt. Die Teppichbrücke auf dem glatten 
Fußboden wird einem ganz bestimmt unter den 
Füßen wegrutschen. Geschieht es nicht, muß ein 
Schutzengel seine Hand im Spiel haben. Wenn 
wir morgens in wilder Hast, das halbe Früh 
stücksbrötchen noch im Munde, aus dem Hause 
rasen, kann es schon Vorkommen, daß wir mit 
dem Kopf zuerst am Fuß der Treppe landen. 
Das Küchenmesser ist nun einmal nicht als Dosen 
öffner konstruiert. Wer es nicht glaubt, sollte 
eine Reihe von Konserven damit „knacken“, aber 
möglichst nicht am Samstag-Nachmittag, denn 
dann haben die meisten Ärzte keine Sprechstunde. 
Auch Stubenbrände (von richtigen Feuersbrün 
sten ganz abgesehen), lassen sich in den meisten 
Fällen vermeiden. Es gibt immer noch Frauen, 
die Petroleum in den Ofen kippen, wenn das 
Feuer nicht richtig brennen will. Die Fälle mit 
den nicht abgeschalteten Bügeleisen sind so häu 
fig, daß ich sie ‘hier gar nicht näher zu schildern 
brauche. Die Folgen solcher Hausunfälle sind 
Verstauchungen, Knochenbrüche, Prellungen, 
Hautabschürfung, Schnittwunden und Verbren 
nungen. Außer bei Brand- und Schnittwunden 
sind Umschläge mit einer Salzwasserlösung eine 
gute erste Hilfe. Man nimmt einen Teelöffel Salz 
auf einen halben Liter Wasser und tränkt darin 
saubere Tücher, am besten Leinen, Baumwolle, 
Gaze oder Verbandsmull. Bei Schnitten sind trok- 
kene Verbände besser. 
Niemals soll man verletzte Menschen umher 
schleppen. Die Natur hat es so eingerichtet, daß 
sie sich automatisch selbst in die günstigste Lage 
legen. Frieren sie, be 
decke man sie mit 
Wolldecken und gebe 
ihnen heißen süßen Tee 
oder Kaffee mit viel 
Milch, niemals aber Al 
kohol, Es muß immer 
wieder nachdrücklich 
gesagt werden: In 99 
von 100 Fällen ist 
Alkohol schädlich, gün 
stig kann er sich nur 
für die Zeugen des Un 
falls auswirken, wenn 
ihnen beim Anblick des 
Verletzten schlech t wird. 
Immer wieder kommt es 
vor, daß man auch schwer zu Schaden gekom 
menen Menschen Schnaps eintxkhtert. Das ist das 
Schlimmste, was man tun kann. 
Wenn der Verletzte, was häufig der Fall ist, 
selbst zum Arzt gehen kann, dann rufe man den 
Onkel Doktor nicht ins Haus, sondern suche ihn 
in der Sprechstunde auf. Zwei Dinge sollten wir 
uns zum Grundsatz machen: 1) Man doktere nicht 
selbst an Verletzungen und Krankheiten herum, 
zu deren Behandlung man nicht die notwendigen 
Kenntnisse besitzt; 2) Man renne nicht mit jeder 
Kleinigkeit zum Arzt, wenn man sidi tatsächlich 
selbst helfen kann. 
Hier die Grenzen zu erkennen, dürfte audi dem 
Laien nicht schwerfallen. Vor allem aber gilt 
gerade bei Unfällen: Vorbeugen ist besser als 
heilen.
	        
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