Full text: 1957 (0085)

134 
Leopard, der wie alle Raubtiere ein Einzelgänger ist 
aus verschiedenen Tieren wie Gazelien, Antilopen, 
Zebras und Straußen zusammen. 
Welches sind nun die Gründe, die die Tiere zu 
solchen Gesellschaftsbildungen führten? Zunächst 
ist in allen Fällen eine Veranlagung zum geselligen 
Leben Voraussetzung. Bei den erwähnten Ge 
burtsgemeinschaften ist es wohl nur der reine Zu 
fall, der die Tiere zusammenführt. In anderen 
Fällen, wie bei den Nahrungs-, Schlaf-, Jagd- und 
Familienverbänden lassen sich aber Vorteile fest 
stellen, wie im Erkennen der Gefahr, beim Auf 
suchen der Nahrung, bei der Aufzucht der Jungen, 
bei der gemeinsamen Abwehr von Feinden, größe 
rer Erfolg bei gemeinsamer Jagd. So mögen es 
solche unbestreitbaren Vorteile gewesen sein, die 
die Tiere zum Zusammenschluß veranlaßte. Die 
Tiergesellschaften sind aber nur dann möglich, 
wenn den einzelnen Herdentieren neben dem Ge 
selligkeitstrieb ein gewisses Gemeinschaftsgefühl 
eigen ist, das sie dauernd zusammenschweißt. Eine 
weitere unbedingte Voraussetzung für die Herden- 
biidung ist die Möglichkeit der Verständigung. 
Diese führt jede Tierart auf ihre eigene Weise 
durch (Kopf-, Körper- und Schwanzbewegungen, 
Laute). 
Was ist nun ein Tierstaat? Am besten lernen wir 
das an einem Beispiel verstehen — vielleicht dem 
uns bekannten Bienenstaat. In ihm leben 40 bis 
70 000 Honigbienen in einer so strengen Ordnung 
zusammen, daß keine Biene ohne die andere leben 
kann. Die Königin ist das einzige fruchtbare 
Fliegende Hunde am Schlafbaum 
Weibchen in diesem Biesenvolk. Sie hat „nur“ die 
Aufgabe, Fier zu erzeugen und zu legen und da 
mit den Bestand des Volkes zu erhalten, während 
das Heer der Arbeitsbienen für die Nahrungsbe 
schaffung, Brutpflege, Wohnungsbau und Bewa 
chung des Bienenstocks zu sorgen hat. Die Arbeits 
bienen sind verkümmerte Weibdien, die nidit 
fortpflanzungsfähig sind. Deshalb nennt man sie 
auch Arbeiterinnen. Eine dritte Gruppe bilden die 
dickköpfigen, großen und plumpen Drohnen. Sie 
sind zu keiner Arbeit fällig und müßten verhun 
gern, wenn sie nidit von den Arbeiterinnen ge 
füttert würden. Ihre einzige Aufgabe besteht da 
rin, daß eine von ihnen während des Hochzeit 
fluges die Königin befruditet. Ist das geschehen, 
dann sind die Drohnen in dem wohlorganisierten 
Bienenstaat überflüssig und sie werden gewaltsam 
aus dem Volk entfernt (Drohnensdiladit). Die 
Arbeitsteilung im Bienenstaat ist sogar soweit 
durchgeführt, daß selbst im Lebensablauf jeder 
Arbeitsbiene ein streng geregelter Arbeitswedisel 
vorliegt. Er beginnt in dem nur wenige Wodien 
umfassenden Leben dieser Bienen mit den ein 
fachsten und leichtesten Arbeiten und endet mit 
den schwierigsten (Zellenputzen, Fütterung alter, 
später junger Maden, erste Orientierungsflüge, 
Futterabnehmen, Pollenstampfen, Reinhalten des 
Stockes, Wächterdienst, Sammeln). Jede Arbeits 
biene muß so im Laufe ihres Lebens sämtliche im 
Stock anfallenden Arbeiten in gesetzmäßiger Rei 
henfolge ausführen. 
Hier drängt sich der Vergleich des Bienenvolkes 
mit einem vielzelligen Tierkörper auf. Bei diesem 
arbeiten alle Organe voll zum Wohle des Ganzen 
zusammen. Genau so ist es im Bienenvolk, wo die 
einzelnen Arbeitsgruppen Königin, Drohnen und 
Arbeiterinnen harmonisdi zum Gedeihen des Staa 
tes beitragen. Mit dieser Arbeitsteilung ist je 
doch eine starke Abhängigkeit untereinander ver 
bunden. Keine Arbeitsgruppe darf ganz ausfallen. 
Das würde den Untergang des Volkes bedeuten. 
Eine einzelne Honigbiene auf sich allein gestellt, 
muß deshalb auch zugrunde gehen. Das einzige 
eierlegende Weibchen nennt man Königin. Wir 
müssen uns aber darüber im klaren sein, daß die 
ser Name nur rein äußerlich zutrifft. Der Königin 
kommt weder Führung noch Herrschaft zu. Sie ist 
ausschließlich Träger der Vermehrung. Um sich 
ganz dieser Aufgabe widmen zu können, wird sie 
von den Arbeiterinnen umsorgt, verpflegt und 
verteidigt. Sie ist eher eine Sklavin als eine Herrin 
ihrer Volksgenossen. 
Es erscheint uns als selbstverständlich, daß in 
einem solchen wohlorganisiertcn Staat auch ein 
Mitteilungs- und Verständigungsvermögen vorlie 
gen muß. Die sog. Bienensprache ist heute den 
interessierten Naturfreunden kein Geheimnis mehr. 
Worin liegt nun das Wesentliche eines Tier 
staates? In ihm sind im Gegensatz zu den Tier 
gesellschaften, die in einem Volk anfallenden Ar 
beiten unter den einzelnen Individuen aufgeteilt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.