Full text: 1956 (0084)

57 
Jahrhunderts ging mancher Sturm über die Burg 
hinweg. Zerstörungen und Wiederaufbau, Be 
satzungen der Schweden und Kaiserlichen, der 
Franzosen und Österreicher, Brände und Instand 
setzungen wechselten miteinander ab. Im Jahre 
1689 ging die Burg in Flammen auf. Wie es dazu 
kam, ist nicht geklärt. Jedenfalls brannte die Burg 
aus und wurde zur Ruine. 
Ein halbes Jahrhundert stand dann die um 
fangreiche Ruine dem Wetter ausgesetzt und zer 
fiel. Der Zahn der Zeit jedoch hätte uns heute 
noch eine gewaltige Burgruine hinterlassen, wenn 
man sie im 18. Jahrhundert nicht als Stembruch 
benützt hätte. Die Mauern wurden abgetragen; 
aus dem gewonnenen Baumaterial wurde der Neu- 
häuseler Weiherdamm repariert und so manches 
Haus in Kirkel aus den Steinen erbaut. Schließ 
lich war alles verschwunden, der ganze Burgbering 
mit Mauern und Häusern, mit Marstall, Viehstall 
und Scheune, mit den beiden Torhäusem, dem 
Brunnenhaus und dem Badchaus und mit dem 
herzoglichen Wohnbau. Auf der Oberburg ver 
schwand auch der Palas und es blieb nur noch die 
große Lücke zwischen Schulen und Bergfried, die 
beide selbst ruinös wie abgefaulte Zahnstümpfe 
noch in die Luft ragten. Aber auch diese wären 
heute nicht mehr da, wenn nicht die Regierung 
vor etwa hundert Jahren das Steinbrechen auf der 
Burgruine Kirkel verboten hätte. 
So standen die traurigen Reste bis in unsere 
Tage, für romantisch veranlagte Leute ein Objekt 
des Pinsels und des Photoapparates, für jugend 
liche Kletterkünstler eine Gefahr des tödlichen 
Absturzes, für die Eigentümer der steilen Berg 
wiesen und der paar kläglichen Zwetschenbäume 
ein ständiger Ärger mit den Besuchern, für den 
denkenden Menschen aber ein Denkmal an die 
einstige Größe, an die bewegte Geschichte, an das 
Werden des Dorfes und ein Mahnmal des Ent 
stehens und Vergehens aller Werke. — Wer wollte 
heute dieses Denkmal missen? Wir alle hüten 
und pflegen unsere Kirkeler Burgruine und wir 
zeigen sie gerne jedem Fremden, der hierher 
kommt. Es sind viele Fremde, die sie sehen, schon 
vom Eisenbahnzug aus oder vom Auto auf der 
Kaiserstraße. Die Burgruine Kirkel ist für unser 
Land eine Art Visitenkarte, die dem Ankommen 
den gereicht wird. Diese Karte aber verpflichtet. 
Sie darf nicht aussehen wie eine Zahnlücke mit 
zwei abgefaulten Stümpfen. Der Besucher soll 
sehen, daß die Denkmalpflege nicht nur m der 
Schweiz und in Belgien, in Deutschland und Frank 
reich arbeitet, sondern gerade auch bei uns. 
Der baufällige Zustand machte schon 1928 eine 
Instandsetzung nötig. Das oberste Geschoß des 
Bergfriedes und das übrige Mauerwerk wurde 
unter Konservator Klein mit einem Kostenauf 
wand von damals 8900.- frs. aus der Landeskasse 
instandgesetzt. Die Gemeinde Kirkel ließ im glei 
chen Jahr das Burggelände mit Stacheldraht um 
zäunen, um damit weitere Zerstörungen durch 
mutwillige Wanderer und rohe Burschen zu ver 
hindern. Diese Instandsetzung aber hielt nidit 
lange. 
In den letzten Jahren wurde die Gefahr durch 
heiabfallende Steine immer größer und der Berg 
fried drohte bald ganz einzustürzen, was für die 
unter ihm gelegenen Wohnhäuser eine Katastrophe 
bedeutet hätte. Aus diesem Grunde und auf den 
Notruf des Bürgermeisters von Kirkel-Neuhäusel 
entschloß sich die Denkmalpflege schon 1952, den 
Bergfried endgültig wieder aufzubauen. Dadurch 
sollte auch der Bestand des Turmes für lange Zeit 
gesichert werden. 
Nachdem die Regierung des Saarlandes, Mini 
sterium für Kultus, Unterricht und Volksbildung 
in verständnisvollem Entgegenkommen die Finan 
zierung in der Hauptsache sichergestellt hatte, 
Der wiedererstandene Bergfried 
wurden die Bauarbeiten im Jahre 1954 begonnen. 
Der Kreis Homburg, die Gemeinde Kirkel und der 
Fremdenverkehrsverband-Saar taten mit namhaf 
ten Geldbeträgen das ihrige dazu. Die Planung 
und Ausführung der Arbeiten lag in den bewähr 
ten Händen des Kreisbauamtes Homburg unter 
der Aufsicht des Staatlichen Konservatoramtes. Wir 
haben darauf geachtet, daß der Turm in echtem 
Material, das heißt aus Sandsteinquadem und ge- 
tieu nach seiner alten Gestalt wieder hergestellt 
wurde. Im Inneren allerdings wurden die drei 
Stockwerke durch eine Wendeltreppe ersetzt, die 
es gestattet, den Turm zu besteigen. Damit haben 
wir einem Bedürfnis unserer Zeit Redinung ge 
tragen. Ende Mai 1955 war das Werk vollendet; 
die feierliche Einweihung fand am 5. Juni unter 
großer Beteiligung der Bevölkerung statt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.