Full text: 1956 (0084)

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Von Walter Albrecht 
Der Bergmann der alten Zeit besaß ein tiefes 
religiöses Empfinden. Die Schwere des Berufs 
und die Gefahr bei der Arbeit im dunklen Schoße 
der Allmutter Erde, in den nie ein Sonnenstrahl 
eindringt, stimmten seine Seele zu ernster Ein 
kehr und zu demütigem Gottvertrauen. Einstmals 
begann jede Schicht mit einer Andacht. Dann ver 
sammelte sich im „Huthause“ (Zechengebäude) die 
anfahrende Belegschaft, um bei Gesang und Gebet 
den Segen des höchsten Bergherrn im Himmel zu 
erflehen. (Bild 3). Vielleicht wird sich mancher 
noch unter uns weilende Bergveteran jener Zeit 
und jenes Brauches erinnern? — 
Schon im 13. Jahrhundert bildeten sich überall 
an den Mittelpunkten des deutschen Bergbaus 
engere Vereine der bergmännischen Genossen, die 
unter dem Namen „Bruderschaften“ oder „Hauer 
zechen“ zum Teil neben oder innerhalb der allge 
meinen Knappschaft bestanden. Die Pflege echter 
Kameradschaftlichkeit und Wahrhaftigkeit war die 
vornehmste Aufgabe der Bruderschaft, die nach 
außen namentlich in der gemeinsamen Begehung 
besonderer, regelmäßiger Feste hervortrat. Das 
treue Zusammenstehen in Not und Gefahr ist 
auch heute noch ein schöner Charakterzug des 
Bergmannstandes. 
Eine sehr alte Bruderschaft gab es in Frei 
berg in Sachsen. Jährlich am Fronleichnamstage 
marschierte sie geschlossen unter eigener Fahne 
zum Bergmeister, um in dessen Hause nach da 
maliger schlichter Bergmannssitte die Früh 
suppe einzunehmen. Wen hier der Vorwurf der 
Unredlichkeit traf, und wer sich nicht zu recht- 
fertigen vermochte, den hießen Bergmeister und 
Älteste von der Suppe aufstehen und die Bruder 
schaft verlassen. Nur Männer reinen, ehrenhaften 
Lebenswandels wurden als Mitglieder der Bruder 
schaft gelitten. Darauf bezieht der alte Berg- 
mannsspruch: „Nur wer Schlägel und Eisen in 
Ehren führt, ist wert, daß er unsere Knappschaft 
ziert“. Wegen dieser strengen Grundsätze stand 
die Hauerzeche zu Freiberg in hohem Ansehen, 
und die Kur- und Landesfürsten und viele Adelige 
und Bürger der Stadt, die Gewerken waren, ge 
hörten ihr an. Eine besondere Bergfahne mit dem 
kurfürstlichen Wappen wurde an hohen Festtagen 
in der Wohnung des Bergmeisters ausgesteckt. 
Solange diese Fahne aushing, durfte keiner eine 
„mörderische Wehr“ haben oder Unfrieden an- 
Abb. I. St. Florion als Beschützer gegen Feuersgewalt 
fangen oder gotteslästerlich reden und sich be 
trinken, noch verleumden oder Brett-, Karten- 
und Würfelspiel treiben. Wurde die Fahne ein 
gezogen, mußte jeder nach Hause gehen. 
Von der Bergstadt Hüttenberg in Kärnten 
heißt es in der dortigen Bergverordnung vom 
Jahre 1424, daß die „Berggesellen alle Quattember 
eine Bruderschaft in den Ehren unserer lieben 
Frau und anderer Heiligen halten mögen“. In 
Siegen hatten die Bergleute sowie die Hütten-
	        

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