Full text: 1956 (0084)

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Betriebsorganisation im Bergbau 
Von Dipl.-lng. Günter S c h I i e s i n g, Saarbrücken 
Genau wie jedes industrielle Fertigungspro 
dukt, sei es ein Auto oder ein Radio, ist jede 
Tonne Kohle, welche dem Verbraucher zuge 
führt wird, das Ergebnis vieler Hände und 
Köpfe. Diese Zusammenarbeit ist im Bergbau 
mit seinen täglich sich ändernden Verhältnissen 
noch notwendiger, als anderswo. 
Mit dem Fortschritt der Technik und infolge 
härterer Konkurrenzbedingungen durch bei 
spielsweise Erschließung neuer Energiequellen 
sind heute im Bergbau an die Stelle vieler 
kleiner Gruben wenige große mit hohen und 
teilweise sehr hohen Förderziffern getreten. In 
diesen Gruben finden jeweils'mehrere tausend 
Bergleute Arbeit und Brot. 
Im Rahmen dieser Entwicklungsarbeiten sind 
außerordentlich hohe Kapitalaufwendungen 
notwendig gewesen. Dies bedeutet, daß jede 
Fördertonne von vornherein durch Kapital 
kosten belastet ist, deren Anteil an den Ge 
samtkosten vom Ausnutzungsgrad der Anlage 
abhängt. Anders ausgedrückt: die vorhandenen 
Anlagen und Maschinen kosten Geld, selbst 
wenn sie nicht arbeiten! 
Es ist Sache der Betriebsorganisation dafür 
zu sorgen, daß dieser Fall nicht eintritt, son 
dern daß im Gegenteil eine möglichst hohe 
Ausnutzung der eingesetzten Maschinen und 
Geräte erreicht wird. 
Diese Aufgabe kann heute nicht mehr mit 
reinen Erfahrungswerten gelöst werden. Viel 
mehr haben- im modernen .. Bergwerksbetrieb 
Methoden Eingang gefunden, wie sie schon 
lange in den Fertigungsbetrieben übertage an 
gewendet werden. 
Während jedoch letztere ihre Fabrikations 
bedingungen selbst wählen und festlegen kön 
nen, ist dies im Untertagebetrieb bei der Ge 
winnung der verschiedenen Mineralien nicht 
möglich. Vielmehr muß sich der Bergmann den 
naturgegebenen Bedingungen der Lagerstätte 
unterwerfen und sich ihnen im Rahmen des 
Möglichen anpassen. 
Welche Schwierigkeiten treten für die Or 
ganisation des Betriebes auf? 
1. Die Bauwürdigkeit ist nie sicher vorauszu 
bestimmen, sodaß während des Abbaus un 
liebsame Überraschungen eintreten können. 
Neue Erkenntnisse müssen gesammelt und 
ausgewertet werden. 
2. Die Lagerstätte verliert durch den Abbau 
an Wert. Um die „Produktion" zu erhalten, 
müssen laufend neue Betriebe vorgerichtet 
werden, die Betriebspunkte wandern. 
3. Der Arbeitserfolg ist unsicher, das Verhält 
nis der „produktiven" (Abbau-)Schichten zu 
den „unproduktiven" (Aus- und Vorrichtung, 
Instandhaltung, Förderung) kann von heute 
auf morgen stark schwanken. 
4. Es muß Rücksicht auf die Erdoberfläche ge 
nommen werden, um Bergschäden zu ver 
meiden. 
Trotz dieser Schwierigkeiten werden in den 
verschiedenen Bergbaugebieten gleichbleibende 
und stetig wachsende Förderziffern und Lei 
stungen erreicht. Dies ist ein Zeichen für die 
Leistungsbereitschaft der Bergleute und die un 
ermüdliche Kleinarbeit der Betriebsleitungen. 
Bei der Organisation eines Bergbaubetriebes 
sind zwei Etappen zu unterscheiden: 
1. Eine Planung und Organisation für die Zu 
kunft (Planung neuer Anlagen, Abbau neuer 
Feldesteile und Sohlen) — 
2. Organisation des laufenden Betriebes durch, 
stetige Betriebsüberwachung. 
Bei der Planung und der Schaffung einer 
Rahmenorganisation neuer Anlagen oder für 
den Abbau neuer Feldesteile werden eine Reihe 
von Größen festgelegt, welche später für den 
laufenden Betrieb sehr wichtig sind, wie bei 
spielsweise Lage und Förderkapazität der 
Schächte, Sohlenabstand, Energieversorgung, 
Bewetterung. Zur Bestimmung dieser Faktoren 
greift man auf Erfahrungswerte, technisch 
wissenschaftliche Studien und auf Kennziffern 
zurück, welche vielfach der Zusammenarbeit 
der bergtechnischen Schulen und der Bergbau 
unternehmungen zu verdanken sind. 
Während es sich bei dieser Großplanung um 
eine einmalige Arbeit handelt, welche nur in 
größeren Zeitabständen, beispielsweise bei 
einer Teil- oder Gesamtmodernisierung der 
Anlagen wiederholt wird, ändert sich die Orga 
nisation des laufenden Betriebes stetig. Durch 
eine gründliche Betriebsüberwachung wird da 
für gesorgt, daß das organische Ineinander 
greifen sämtlicher Arbeitsvorgänge, welche im 
Grubenbetrieb auftreten, vom Abbau der Kohle 
bis zur Verladung der verkaufsfertigen Sorten 
in den Eisenbahnwaggon immer gewährleistet 
bleibt, ja als selbstverständlich hingenommen 
wird. 
Dabei stützt man sich einerseits auf Erfah 
rungswerte, welche in den Betriebsstatistiken 
systematisch gesammelt und ausgewertet wer 
den. 
Ein weiteres Hilfsmittel, welches man sich 
heute aus dem modernen Grubenbetrieb nicht 
mehr wegdenken kann, ist die Zeitstudie. 
Es muß unterschieden werden zwischen der 
Arbeitszeitstudie und der Arbeits- oder Be 
triebsablauf Studie. 
Die Arbeitszeitstudie liefert Zeitaufwands 
werte, welche als Richtwerte für die Planung
	        

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