Full text: 1956 (0084)

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Schutzanlage, die in einen ungefähr 30 m hohen 
Hang südl. der Anlage Velsen getrieben wurde. 
Nach dem Kriege wurde der größte Teil dieser 
Anlage der Ausbildungsabteilung zur Einrich 
tung eines Lehrstollens übergeben, in dem Lehr 
linge und Berufsfremde geschult werden sollten 
Um sich den Verhältnissen in der Grube mög 
lichst weit zu nähern, entschloß man sich zu 
einer Erweiterung des Luftschutzstollen. 
Ein Stapel von 4,50 m Durchmesser und 20 m 
Höhe und 2 Aufhauen mit Kopfstrecken brach 
ten zusätzlich zwei neue Sohlen mit je einer 
Kopfstrecke und 2 Streben mit 12° und 21 ° Ein 
fallen und mit einer vollkommenen Einrichtung. 
Nach Beendigung dieser Erweiterungsarbeiten 
konnten unsere Lehrlinge nach Untertage 
gesichtspunkten mit den Verhältnissen und den 
Arbeiten im Ostfeld der Grube Velsen gründ 
lich vertraut gemacht werden. 
In dieser Zeit war der Grubenbetrieb durch 
den Rösselsprung in das Velsener Westfeld 
vorgedrungen. Dabei wurde festaestellt, daß 
das Westfeld ein Einfallen von 45° hat. Als- 
baid wurde der Lehrstollen so erweitert, daß 
auch hier ein Westfeld entstand, das die glei 
chen Verhältnisse aufweist wie das wirkliche 
Westfeld. Zwischen dem Ost- und Westfeld der 
Grube Velsen liegt der Rösselsprung. Dieser 
Sprung wurde auch im Lehrstollen als vorhan 
den angenommen und nach bergmännischen 
Regeln ausgerichtet. 
Heute sind wir in der Lage, unsere Lehrlinge 
und unsere jungen Hauer unter Berücksichti 
gung der Arbeitsbedingungen im Ost- und 
Westfeld unserer Grube auszubilden. 
Seit seiner Erweiterung ist der Lehrstollen 
von vielen Hunderten Besuchern befahren und 
von mehreren Tausend Lehrlingen und Knappen 
im Rahmen ihrer Ausbildung benutzt worden. 
Kenner sagen, daß er schöner, größer und 
echter ist ais die bekannten Schaubergwerke 
etwa des Deutschen Museums in München oder 
des Bergbaumuseums in Bochum. 
Die Interessierten — und wer wäre im Saar 
land nicht am Bergbau interessiert — werden 
gebeten, das nebenstehende perskeptivische 
Bild gründlich anzusehen und dann mit dem 
Verfasser im Geiste den Lehrstoilen gemein 
sam zu befahren. 
Die Abbildung zeigt uns bei (1) das Stollenmund 
loch. In diesem befindet sich ein Tor, das die 
aufgehende Sonne versinnbildlicht und in deren 
Mitte „Schlägel und Eisen" prangen. Bei (2) sind 
wir im Vorraum des Stollens. Hier sind sechs 
Schaukästen angebracht mit Unfailschutzmitteln, 
mit elektrischen Geräten, mit einer Gesteins 
und Kohlensammlung, mit früheren und heu 
tigen Grubenlampen, mit einer Holzsammlung 
u. a. m. 
Wir fahren — sagt der Bergmann und meint 
damit gehen — weiter und kommen nach dem 
Mcdellraum (3). Hier finden wir die Arten des 
Ausbaues, die verschiedenen Mauerverbände, 
Rohre, Ventile, Schmierapparate u. a. mehr. 
Wir fahren im Hauptquerschlag weiter nach Sü 
den. Unser Blick wendet sich nach Osten zum 
Belehrungsraum (4), der mit den gebräuchlichsten 
Streckenausbauarten in natürlicher Größe aus 
gestattet ist. Gegenüber finden wir den Raum 
für den Ausbildungssteiger (5). Es folgt der 
Hauptquerschlag in ganzer Länge (6), der mit 
Saarstreckengestellen ausgebaut und an einer 
Stelle mit Polygonzimmerung verstärkt ist. Das 
zusammenhängende System eines modernen 
Kohlengewinnungspunktes lassen die Bilder 7-9 
erkennen, der östlich vom Hauptquerschlag 
liegt. Er besteht aus der Grundstrecke mit Strek- 
kenvortrieb, aus dem Streb, in dem die Kohle 
gewonnen wird und aus der Kopfstrecke. Die 
Grundstrecke ist in Holz in verschiedenen Arten 
ausgebaut. (Deutscher und polnischer Türstock). 
Für den Ausbau im Streb werden Gerlach- 
stempel und Schiomskappen verwendet. Als 
Fördermittel dient eine Schüttelrutsche, ange 
trieben durch einen Flottmanndruckluftmotor. 
Bei einem Einfallen von 12° und einer Mächtig 
keit von 1,25 m wird Wanderpfeilerbruchbau 
angenommen. Türstöcke aus Holz und Stahl 
gibt es in der Kopfstrecke. Im Westen des 
Hauptquerschlages erkennen wir nochmals eine 
Fußstrecke, einen Streb und eine Kopfstrecke, 
also wieder einen Abbau (Bild 10—12). In der 
Fußstrecke ist Mollausbau, ein Stahlausbau an 
gewandt, der nachgiebig ist. Der Streb ist bei 
einem Einfallen von 21» und mit einer Mächtig 
keit von 1,60 m mit Holzstempeln und Holzkap 
pen in streichender Richtung ausgebaut. In der 
Kopfstrecke sind Spitzbaue eingebracht. Ein 
Kratzband dient als Fördermittel. Als Versatz 
ist Vollversatz angenommen. Fahren wir vom 
Hauptquerschlag in westlicher Richtung, so 
kommen wir zum Gezäheraum und zum Maga 
zin (13—14), anschließend zum Rösselsprung 
(18). Es treten jetzt die Verhältnisse im Westfeld 
der Grube Velsen in Erscheinung (19—22). Im 
Aufhauen 45» (19) gibt es streichenden Holzaus 
bau. Die Fußstrecke (20) steht zum Teil in Stahl, 
zum Teil in Holz. Der Streb (21) als Schrägbau 
mit 32° Einfallen aufgefahren, an dessen Fertig 
stellung zur Zeit noch gearbeitet wird, erhält 
Leichtmetallausbau. Ein Winkelförderer wird 
als Fördermittel Verwendung finden. Das För 
dergut wird von einem Streckenband übernom 
men und durch die Fußstrecke (20) zur Groß 
ladestelle im westlichen Abteilungsquerschlag 
(16) transportiert. Deutscher Türstock und Poly 
gonausbau bilden den Ausbau der Kopfstrecke 
(22). Unser Weg führt nun zur Richtstrecke (23), 
aus welcher der Stapel (24) hochgebrochen 
wurde. In der Verlängerung der Richtstrecke 
befinden wir uns an einer mit Toussaint-Heintz- 
mann-Ausbau versehenen Nachreißerstelle (26). 
Wir sind nun am Ende unserer Befahrung wie 
der im Hauptquerschlag (6). Nachdem wir die 
Wettertüre (25) passiert haben, sehen wir wie 
der das Stollenmundloch (1).
	        

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