Full text: 1956 (0084)

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Sie gewöhnte sich auch an das neue, schöne 
Heim, freute sich über die feinen, neuen Kleider, 
die herrlichen Spielsachen und den kleinen, weißen 
Spitz, der ganz allein ihr gehörte. Sie freute sich 
auch über das feine Essen, das sie bekam; Kuchen, 
Braten und Obst waren Dinge, die sie nie gekannt 
und von denen sie nun essen konnte, soviel sie 
wollte. Wie im Traume gingen dem glücklichen 
Kinde acht Tage dahin, und zufrieden meinten 
die Pflegeeltem: 
„Nun ist’s geschafft! Nun wird Rosel kein Heim 
weh mehr bekommen. 
Eines Tages bei Tisdi, die Köchin hatte gerade 
einen knusprigen Braten auf den Tisdr gestellt, 
sagte Rosels Pflegevater zu seiner Frau: 
„Das reidilidie und gute Essen bekommt mir 
gar nidit mehr. Ich werde zu dick und fühle mich 
gar nicht wohl. Bringe doch einmal eine einfache 
Mahlzeit auf den Tisch!“ 
Die Frau sagte: 
„Es ist recht!“ und dadite: „Morgen gibts Pell 
kartoffeln und Sauermilch wie damals im Köhler 
haus!“ 
Am anderen Mittag stellte die Köchin eine 
Schüssel Sauermilch und Pellkartoffeln auf den 
Tisdi. Rosel kam wie immer fröhlich ins Zimmer 
gesprungen, und lustig sdiwatzend setzte es sidi 
auf ihren Platz. Dodi das Wort erstarb auf ihren 
Lippen, als sie die dampfenden Pellkartoffeln und 
die Schüssel mit Sauermilch erblickte. Plötzlich sah 
sie die Eltern und die Gesdiwister daheim um 
den Tisch sitzen. Sie legte den Löffel hin, und 
Tränen stürzten aus ihren Augen. 
„Ich will wieder nach Hause!“ rief sie, „ich will 
keinen Braten, ich will keine sdrönen Kleider, 
keine herrlidien Spielsachen, — ich will nur nach 
Hause!“ 
Bestürzt sahen die Pflegeeltern sich an. Alles 
gute Zureden half nichts. Das Heimweh war so 
plötzlidi und stark über Rosel gekommen, daß sie 
zuletzt ganz krank davon wurde. Sie aß und trank 
nichts, weinte nur immer und rief: 
„Ich will nadi Hause!“ 
Der Arzt wurde gerufen, und nadidem er Rosel 
gesehen hatte, sagte er: 
„Da hilft keine Medizin, da hilft nur eins: Das 
Kind muß wieder nach Hause!“ 
Sdiweren Herzens packten die Pflegeeltem 
Rosels Sachen, und auch der kleine, weiße Spitz 
durfte mit. 
Wie groß war die Freude, als der Wagen mit 
Rosel vor dem Köhlerhäuschen vorfuhr. 
Jubelnd fiel Rosel der Mutter, die vor Freude 
weinte, um den Hals, und der Vater streidielte 
nur immer wieder über die blonden Locken seines 
Töditerdiens. Und die Geschwister reichten das 
Schwesterchen hemm wie einen Gummiball, herz 
ten und küßten es. 
Zu den Pflegeeltem aber, die traurig wieder 
davonfahren mußten, sagte Rosel bittend: 
„Seid nidit böse! Es war so sdiön bei Euch! 
Aber bei Vater und Mutter ist es doch am aller 
schönsten! Jeden Sommer aber werde ich Euch 
bestimmt besuchen!“ 
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