Full text: 1956 (0084)

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Von Hans B I ä s , Ensdorf-Griesborn 
In Südosten des Köllertales liegt in dem träu 
merischen Winkel eines Buchenwaldes die alte 
Grube Lampennest. Wo sich einst unermüdlich 
die Seilscheiben drehten, wo das Talrund wieder 
hallte vom Aufeinanderstoßen der Hunte, wo das 
Zischen und Stampfen der Maschinen den Puls- 
Schicht verfuhr. Mit Ehrlichkeit und Fleiß hatte 
er sich durch's Leben gerungen, bis er ein Häus 
chen und etliches Vieh sein Eigen nennen konnte. 
Wer zählt die Tage, an denen er nach harter Ar 
beit in dunkler Bergesnacht mit Pflug oder Sense 
über seine Äcker schritt und dann noch spät- 
>Zum letzten Male 
trat der Alte 
zu seinem Pferd « 
schlag der Arbeit verkündeten, da ist es schon 
lange still geworden. Das Grau der Halde und die 
kümmerlichen Mauerreste werden von Birken und 
Sträuchern überdeckt, als wollten sie dem Be 
schauer mit ihrem satten Grün den Blick auf Ver 
gangenes erleichtern. 
Der Tag liegt schon weit zurück, an dem der 
alte Glauber Michel hier seine denkwürdige letzte 
abends bei kärglichem Licht das Schuhwerk seiner 
siebenköpfigen Familie ausgebessert oder sein 
Feldgerät in Ordnung brachte. Wer weiß um die 
Sorgen der Frau, die den mit Schweiß errungenen 
Lohn im Voraus einteilen mußte, damit auch ja 
nichts unüberlegt aus gegeben wurde. Aber dann 
kam auch einmal die Zeit, daß der alt und grau 
gewordene Glauber Michel daran denken konnte,
	        
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