Full text: 1956 (0084)

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Zeit und einer der drei Dimensionen des Raumes. 
Die Zeit ist nur eine verzwickte Art von Raum.“ 
Es ist der Kern der großen Entdeckung des 
Erfinders, daß man auch in der vierten Dimension, 
der Zeit, reisen kann, wie im Raum. Der Roman 
von Wells schildert nun, wie der Zeitreisende 
seine Zeitmaschine besteigt und in die Zukunft 
reist. Eine grauenhafte Vision wird uns geschil 
dert, die zuletzt wahrhaft grotesk wird. Bei einer 
zweiten Reise kehrte der Zeitreisende nicht wie 
der zurück. 
Die Geschichte hat andere Schriftsteller zu Fort 
setzungen angeregt, z. B. Carl Grunert „Pierre 
Maurignacs Abenteuer“. Der Zeitreisende reist 
hier in die Vergangenheit zu den Urweltmenschen. 
Das Kino vermag heute die lebendige Vergan 
genheit festzuhalten, und das Fernsehen die Ge 
genwart zu vervielfältigen. Bei beiden Geräten 
sind sozusagen die Lichtstrahlen, die ein Ereignis 
widerspiegeln, festgehalten worden. Die Licht 
strahlen, die ein Bild aussenden, eilen aber sonst 
mit einer Geschwindigkeit von 300 000 km/sek. in 
das Weltall hinaus. Könnte man mit dem wahn 
witzigen Tempo des Lichtstrahls, der von einem 
Geschehen ausgeht, Schritt halten und mitreisen, 
so hätte man ständig dasselbe Bild vor Augen; 
für den mit Lichtgeschwindigkeit Reisenden bliebe 
die Zeit unaufhörlich stehen. Reist er schneller als 
das Licht, so holt er sogar die vor ihm abgereisten 
Lichtstrahlen ein, d. h. er sieht die Vergangenheit, 
jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Die jüngsten 
Vorkommnisse gewahrt er zuerst, die ältesten zu 
letzt. Hätte der mit solcher Phantasiegeschwindig 
keit Reisende keine Kenntnis von seinem Bewe 
gungszustand, so spielte sich für seine Augen das 
Weltgeschehen hinsichtlich Ursache und Wirkung 
ganz entgegengesetzt ab. Bisweilen werden im 
Kino bei Trickfilmen einige Szenen rückwärts ge 
dreht, die Zuschauer lachen natürlich über die 
merkwürdige Wirkung. Man sieht z. B. einen 
Schiffsuntergang rückwärts: Menschen tauchen aus 
dem Wasser auf, dann die Bruchstücke eines 
Dampfers, das Heck taucht empor, die Bruchstücke 
setzen sich mit dem Heck zusammen, die Men 
schen schnellen sich aus dem Wasser kopfunter 
an Bord, ein Torpedo fährt rückwärts aus dem 
Schiffskörper heraus, das Schiff fährt rückwärts 
davon. Alles ist völlig verständlich. Damit der 
Vorgang geschehen konnte, mußte erst das Tor 
pedo rückwärts ausgestoßen werden, die Trümmer 
sich richtig vereinigen, die Mensdien aus dem 
Wasser an Bord kommen usw. Man sieht, wie 
anders die Verdrehung des Zeitablaufs unser 
Weltbild gestalten würde. 
In Phantasie und Scherz ist es uns unmöglich, 
der Herrschaft der Zeit zu entgehen, in Wirklich 
keit aber bleibt sie unerbittlich. Wenn wir also 
ihre Knechte sind, so verspüren wir wenigstens 
das Verlangen, unseren Herrn so genau wie mög 
lich kennen zu lernen. Wir diktieren ihm unserer 
seits menschliche Forderungen zu. Wir teilen die 
Zeit ein, wir ringen ihr die Sekunden, die Minu 
ten, Stunden, Jahre ab, wir schaffen die ge 
nauesten Uhren. Wir haben es mit unserer moder 
nen Technik fertig gebracht, die Millionstel- 
Sekunde zu messen, ebenso wie wir in der Messung 
sehr langer Zeiträume Meister sind. Die genaue 
sten Uhren, die es heute hierfür gibt, sind die 
Quarzuhren. Ihr Geheimnis beruht auf der Tat 
sache, daß der Quarz oder auch Bergkristall bei 
elektrischer Aufladung sich elastisch zusammen 
zieht. Nimmt man sich ein Bergkristallplättchen
	        

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