Full text: 1955 (0083)

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Von Dr. Egon Ecker, Spiesen 
Der Einfluss der Kohlenbergwerke 
auf die moderne Siedlungs 
geschichte des Saarlandes 
Das Saarland (2 567,22 qkm, 929 829 Einwoh 
ner, Bevölkerungsdichte 362 Einwohner pro qkm) 
stellt in geographischer und geologischer Hinsicht 
einen wenig geschlossenen Raum dar. Die einzel 
nen natürlichen Landschaften, in die wir unsere 
Heimat einzuteilen pflegen, sind nach ihren Merk 
malen und topographischen Grundlinien ziemlich 
verschieden. Stellt der im Norden gelegene Hoch 
wald mit seinen Tonschiefern, Sandsteinen und 
Grauwacken einen Ausläufer der Rumpfschollen 
region des Rheinischen Schiefergebirges dar. so 
gehören der Westen und Süden des Saarlandes zur 
pfälzisch-lothringischen Triastafel. Zwischen beide 
eingebettet liegt das Saar-Nahe-Bergland als Ver 
bindungslinie von rheinischem Schiefergebirge und 
pfälzisch-lothringischem Stufenland. Es stellt eine 
mit kanonischen und permischen Ablagerungen 
ausgefüllte südwest-nordöstlich streichende Gra 
bensenke dar, in der die Flöze des Steinkohlenge 
birges eingelagert sind. Durch die zahlreichen Ver 
werfungen und Faltungen hat diese Landschaft in 
ihrer Oberflächengestaltung einen etwas ruhigen 
Charakter erhalten. Demgegenüber steht — vom 
Saar-Nahe-Bergland durch den Buntsandstein 
getrennt — die ruhiger wirkende Muschelkalk 
platte des Saar- und Bliesgaues, die die ältesten 
Kulturlandschaften unserer Heimat sind. 
Nicht nur in der Landschaft selber, sondern 
audi im Menschen und dessen Siedlungen tritt 
die Verschiedenheit der einzelnen Landschafts 
gürtel zutage. So finden wir z. B. im Saargau 
vielerlei Einflüsse, die Wohnhäuser Borgs bei 
Perl zeigen mit ihren abgewalmten Schiefer 
dächern typischen Hunsrückeinfluß, während die 
Gegend bei Sierck das lothringische flache Dach 
aufweist. — Die Häuser stehen Brandmauer an 
Brandmauer ohne Zwischenraum, so daß der Hof 
vor das Haus gelagert ist. So entstehen häufig 
reine Straßendörfer, wie dies z. B. Ittersdorf bei 
Wallerfangen zeigt. Während wir hier die typisch 
westlichen Flachdächer finden, haben wir im Ost 
gebiet bei einer Mischung von offener und ge 
schlossener Bauweise das Steildach, so z. B. in 
Bischmisheim, wo die geschlossene Bauweise vor 
herrscht, also Haus an Haus steht. 
Ursprünglicher und wahrscheinlich ältester 
Siedlungstypus ist das Haufendorf; die Häu 
ser stehen hier vereinzelt und zerstreut, und ein 
Dorfplan ist kaum zu erkennen. Ein besonders 
schönes Beispiel hierzu findet sich in Rosch 
berg bei Namborn, einer Siedlung, die selbst 
heute kaum dreihundert Einwohner aufzuweisen 
hat. Der aus dem 19. Jahrhundert stammende 
Dorfplan dieses Ortes zeigt uns einen reinen 
Platz weiler (siehe Abb. 1) d. h. ein unregel 
mäßig um einen Platz herumgebautes kleines 
Dorf, wie wir dies hauptsächlich in Oberdeutsch 
land, im Elsaß, in Schwaben und der Oberpfalz, 
sowie im S amland finden. Neben dieser Art der 
Siedlung ist im Saarland noch als alter Siedlungs 
typ das Haufendorf (siehe Abb. 2) in seiner 
eigentlichen Form verbreitet. Es stellt eine Reihe 
von Gehöften dar, die ohne sichtbare Ordnung 
meist um eine Kirche gegliedert sind. Moderneren 
Aufbau zeigen die Dorfanlagen des 17. Jahrhun 
derts, vor allem die Warndtdörfer. Hier finden 
sich —- ähnlich wie in Schlesien und dem Erz 
gebirge — typische Waldhufendörfer 
(siehe Abb. 3), die oft sehr ausgedehnt sein kön 
nen, da hinter jedem Haus das zugehörige Wie 
sen- und Gartenland liegt. Eine Mischung von 
offener Bauweise — also einzelnen Häusern bzw. 
Doppelhäusern, wie wir sie schon beim Wald 
hufendorf des Warndts finden — bei Beibehal-
	        

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