Full text: 1955 (0083)

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Die Stromversorgung der Grube St. Barbara 
Von Dipl.-Ing. Winkelsträter 
Die SAARBERGWERKE haben vor kurzem im 
nordöstlichen Teil unseres Landes eine neue 
Grube — St. Barbara — in Betrieb genommen, 
die in vieler Hinsicht als bemerkenswerte tech 
nische Leistung angesehen werden kann. Nicht 
nur, weil sämtliche Übertageeinrichtungen voll 
ständig neu erbaut wurden, sondern auch 
weil die Förder- und Aufbereitungsanlagen 
nach dem neuesten Stand der Technik mechani 
siert sind. 
Diese Mechanisierung wäre ohne die weit 
gehende Verwendung elektrischer Energie nicht 
zu verwirklichen. Deshalb werden es unsere 
Leser begrüßen, wenn wir über einige Auf 
gaben berichten, die der Elektriker in St. Bar 
bara zu lösen hatte. 
St. Barbara ist für eine endgültige Tagesför 
derung von brutto 13 500 Tonnen Kohle geplant. 
Die Fördertiefe beträgt 582 m. Im jetzigen 
ersten Ausbau können arbeitstäglich 4 500 Ton 
nen gefördert und aufbereitet werden. 
Diese Fördermenge bewältigt eine einzige, 
elektrisch angetriebene Fördermaschine mit 
einer Leistung von 3 400 Kilowatt. Sie ist in 
einem Turm von 50 m Höhe aufgestellt. Dort 
ist noch Raum für eine zweite Maschine glei 
cher Größe. 
Die Beschickungsanlagen unter und über Tage 
arbeiten elektropneumatisch, d. h., sie werden 
elektrisch gesteuert und pneumatisch betätigt. 
Für sie und für den übrigen Bedarf an Preß 
luft wurde ein elektrisch angetriebener Turbo 
verdichter, der 32 000 Kubikmeter Luft je 
Stunde fördert, aufgestellt. Er hat einen Lei 
stungsbedarf von 3200 Kilowatt. Unter Tage 
sind die Druckluftleitungen bis nach Franken 
holz geführt, von wo aus ein zweiter Turbo 
verdichter von 40 000 Kubikmeter je Stunde in 
das gleiche Druckluftnetz liefern kann. 
Die bis zur Hängebank geförderte Kohle 
wird von Transportbändern der Wäsche zuge 
führt. Dort wird sie maschinell von den Beimen 
gungen — Berge genannt — getrennt, gebro 
chen und nach handelsüblichen Stückgrößen 
sortiert. Die für diesen Vorgang — der Berg 
mann nennt ihn Aufbereitung — erforderlichen 
Einrichtungen wie Transportbänder, Brecher, 
Waschtrommeln, Schleudern, Siebe, Rutschen, 
Pumpen und Separatoren werden elektrisch an 
getrieben und nach einem sinnvollen Plan mit 
einander verriegelt. 
Auch der Bergesturz, die Kohlenstapelanlage, 
der Landabsatz, die Nebenbetriebe wie Werk 
stätten, Bade- und Waschkaue, Lampenstube, 
Büros und Magazine sind elektrifiziert. 
Insgesamt sind jetzt schon 20 000 Kilowatt 
„installiert". Diese Leistung heranzuschaffen, sie 
auf die einzelnen Verbraucher zu verteilen, 
die Anlagen gegen Störungen zu sichern, all 
das gehörte zu den Aufgaben, die dem Elek 
triker in St. Barbara gestellt waren. Wie sie im 
einzelnen gelöst wurden, sei nun beschrieben: 
Die in den grubeneigenen Kraftwerken 
St. Barbara, Weiher, Fenne und z. T. noch Lui 
senthal erzeugte elektrische Energie wird über 
ein Freileitungsnetz, das mit einer Spannung 
von 65 000 Volt betrieben wird, an die Ver 
brauchsschwerpunkte des Grubengebietes — 
einer davon ist die Grube St. Barbara— heran 
gebracht. Der hochgespannte Drehstrom wird 
hier, in einer Freiluftanlage, über Umspanner 
— sogenannte Dreiwickler — geleitet, die ihn 
auf 10 000 Volt (10 kV) und 5 000 Volt (5 kV) 
transformieren. Aufgestellt sind drei Umspan 
ner, jeder für eine Leistung von 12 500 Kilo 
voltampere (kVA); einer davon dient als Re 
serve. 
Von den beiden Hauptschaltanlagen 10 kV 
und 5 kV wird die Energie den einzelnen Ver 
brauchern unmittelbar zugeführt, wie z. B. dem 
Umformer für die Fördermaschine, dem Kom 
pressormotor, der Wasserhaltung unter Tage 
— oder sie wird nochmals auf 500 Volt und 
220 Volt umgespannt. 
Lebenswichtige Verbraucher — z. B. die För 
dermaschine oder die Pumpen in der Wasser- 
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