Full text: 1955 (0083)

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Wie der Westschacht 
de r Grube Velsen entstand 
Im Warndt wurde im Gefrierverfahren abgeteuft 
Von Ingenieur Peter Caspar 
Der Westschacht der Grube Velsen, welcher 
an der Feldesgrenze des Westfeldes bei Lud- 
weiler niedergebracht wurde, ist als Wetter- 
und Seilfahrtschacht bestimmt. Gleichfalls soll 
er der Zubringung des Versatzgutes dienen. Er 
hat eine Teufe von 437 m bis zur Füllortsohle, 
bei einem lichten Durchmesser von 6,0 m. Un 
terhalb dieser Teufe befindet sich 25 m Schacht 
sumpf. Der Ausbau des Schachtes erfolgte bis 
zu einer Teufe von 71 m in 2- und stellenweise 
3-Steine starkem Ziegelsteinmauerwerk. — Die 
Schachtscheibe ist aufgeteilt in ein Fahr-, ein 
Förder- und ein Rohrtrum. Die Schachteinstriche 
sind aus U-Eisen hergestellt und liegen in Ab 
ständen von 3 m. Die Fahrten, die den einen 
über dem anderen liegenden Einstrich, auf 
denen die Ruhebühnen verlegt sind, verbinden, 
sind gegen das Fahrtrum durch Geländer ver 
kleidet. Das Fahrtrum ist für zwei Förderkörbe 
ausgelegt und mit Eichenholz-Spurlatten zur 
Führung der Förderkörbe versehen. Im Rohr 
trum ist eine Bergefall- und eine Wasserlei 
tung eingebaut; weitere zwei Spülleitungen sind 
vorgesehen, (s. hierzu Fig. 1). 
Das Abteufen des Schachtes erfolgte im Ge 
frierverfahren und war der Firma Haniel & 
Lueg, G. m. b. H. — Düsseldorf — übertragen. 
Nachfolgend über das Verfahren selbst eine 
kurze Erläuterung: 
Das Abteufen im Gefrierverfahren unterschei 
det sich von dem bekannten Handabteufverfah- 
ren dadurch, daß das zu durchteufende Ge 
birge vor dem Abteufen zu einer festen Masse 
gefroren wird. Es wird angewandt, wo die zu 
durchteufenden Gebirgsschichten weniger fest 
oder so stark wasserführend sind, daß das He 
ben des Wassers von der Schachtsohle mit Hilfe 
der Abteufkübel oder Pumpen zu unüberwind 
lichen Schwierigkeiten fuhren würde. Daß wir 
am Westschacht mit starken Wasserzuflüssen 
zu rechnen hatten, war durch umfangreiche 
Aufschlußbohrungen festgestellt worden. Das 
Gefrieren geht nun so vor sich, daß man in 
einem etwas größeren Umfang als der äußere 
Schachtumfang senkrechte Rohre in das Ge 
birge einführt, durch die man eine Kälteflüs 
sigkeit zirkulieren läßt. Es bilden sich dann um 
die Rohre Frostzylinder, die sich gegenseitig 
überschneiden und so eine geschlossene Frost 
wand erzeugen. Um das Überschneiden zu ge 
währleisten, müssen die Gefrierlöcher, in welche 
die Gefrierrohre eingeführt werden, möglichst 
senkrecht niedergebracht sein, was je nach der 
Beschaffenheit des Gebirges mehr oder weni 
ger schwierig ist. 
Wie das Abteufen am Westschacht durchge 
führt wurde, soll anschließend gezeigt werden: 
Zuerst wurde ein Vorschacht von 18 m lich 
ter Weite und 3 m Tiefe hergestellt. Auf der 
Sohle dieses Vorschachtes wurden auf einem 
Umkreis von 13 m Durchmesser 34 Bohrlöcher 
in gleichmäßig verteilten Abständen bis in eine 
Teufe von 378, d. h. bis 17 m in das feste 
wasserfreie Gebirge niedergebracht. (S. Fig. 2). 
— Es waren gleichzeitig drei von Loch zu Loch 
verfahrbare Bohrtürme eingesetzt {s. hierzu 
Fig. 3). Das Foto zeigt die Bohrtürme kurz nach 
der Montage; während des Bohrens waren 
diese mit Holz verkleidet. — Das Bohrverfah 
ren war ein Seilschnellschlagbohren mit Rutsch 
schere und Schwerstange. Die Bohrlöcher hat 
ten einen Anfangsdurchmesser von 235 mm und 
einen Enddurchmesser von 175 mm. Zur He 
bung des Bohrkleins war dem Spülstrom, der 
von Pumpen im Umlauf gehalten wurde, ein 
fein gemahlener Ton zugesetzt. Durch den Ton 
zusatz wird das Spülwasser spezifisch schwerer 
und hat einen Überdruck gegenüber dem im 
Gebirge anstehenden Wasser; außerdem er 
fährt das Bohrklein einen gewissen Auftrieb. 
Gleichzeitig wurde damit erreicht, daß die Bohr 
lochwände glatt ausgeschmiert und etwas ver
	        

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