Full text: 1955 (0083)

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In Abbaustrecken ist reiner Ankerausbau 
bisher nur ausnahmsweise eingebracht worden. 
Naturgemäß bestehen hier wegen der beim 
Vorbeigehen der Streben auftretenden Ge 
birgsbewegungen noch starke Bedenken. Die 
Verankerung vermag aber in vielen Fällen das 
Hangende über einer Strecke zu befestigen 
und zu verbessern. Damit kann der übliche Aus 
bau entlastet oder durch einen leichteren er 
setzt werden. Abb. 6 zeigt eine schwebende 
Wetterstrecke in Flöz Josefa der Grube Göttel 
born. Hier sind U-Schienen an vier Ankern auf 
gehängt, am abgebauten Seitenstoß von Holz 
pfeilern unterfangen und am anderen Stoß in 
der Kohle eingebühnt. Der aus schmalen Blech 
streifen bestehende Verzug am Kohlenstoß 
wird ebenfalls von Ankerbolzen gehalten. 
Die Grube Göttelborn hat eine Reihe von 
Strecken in den Flözen Eiiert und Josefa in 
dieser Art ausgebaut, die sich mit einer Aus 
nahme sehr gut gehalten haben. Besonders be 
merkenswert ist die schwebende Bandstrecke 
Nr. 4 in Flöz Josefa, wo trotz der durch Fahr 
weg, 1000-mm-Band und Monorait bedingten 
lichten Streckenbreite von 5 m und trotz einer 
erheblichen, in zwei Abschnitten erfolgenden 
Absenkung der Zustand der Strecke vorzüglich 
und der notwendige Querschnitt voll erhalten 
geblieben ist. 
Es ist unwahrscheinlich, daß dieser Quer 
schnitt bei Verwendung von Streckengestellen 
ohne Nachreißen hätte aufrecht erhalten wer 
den können. Die Zusammensetzung des Han 
genden aus dünnbänkigem Schiefer und einer 
Kohlenlage unmittelbar über den Ankerköpfen 
beweist, daß hier nicht eine Aufhängung der 
Dachschichten an eine feste Bank, sondern ein 
wandfrei eine Bündelung und Festigung dünner 
Schichten zu einer festen Platte vorliegt. 
Eine weitere, schon mehrfach mit Erfolg ver 
wandte Möglichkeit der Verbolzung besteht 
darin, eine zum Quellen neigende Strecken 
sohle durch Anker so zu befestigen, daß das 
Abgraben unterbleiben kann. Von der Ver 
ankerung der Seitenstöße ist bereits gespro 
chen worden. Sie ist überall möglich, wo eine 
harte, nicht unter starkem Druck stehende Kohle 
ansteht. Die Versuche dagegen, in Abbaustö 
ßen einen gebrächen Nachfall durch Anker 
bolzen anzubauen, sind im allgemeinen nicht 
erfolgversprechend verlaufen und dürften sich 
auch kaum bezahlt machen. 
Der Umfang des im Ankerausbau im Saar 
bergbau aufgefahrenen Streckennetzes (bis 
Ende Mai 1954 etwa 6.200 m) und die Zahl der 
bisher eingebrachten Ankerbolzen (rd. 44.000) 
zeigen, daß das neue Ausbauverfahren heute 
bereits weit über das eigentliche Versuchs 
stadium hinaus ist. Es ist verständlich, wenn es 
heute noch einem gewissen Mißtrauen und 
Unsicherheitsgefühl begegnet. Der große Nach- 
Abb. 4. Grundstrecke, 2. Sohle, Flöz Gisela, Gr. Göttelborn 
teil besteht nun einmal darin, daß das tragende 
Element des Ausbaues dem Auge unsichtbar 
bleibt. Theoretische Berechnungen, ausgedehnte 
praktische Erfahrungen und eingehende Zieh 
versuche haben aber gezeigt, daß bei Einhal 
tung bestimmter Voraussetzungen die notwen 
dige Sicherheit durchaus gegeben ist. Diese be- 
Abb. 5. Bandstrecke im Schwalbacher Flöz, Gr. Griesborn 
stehen in einer sorgfältigen Beobachtung des 
Gebirges und einer Beschränkung des Anker 
ausbaues auf das geeignete Gestein, in gewis 
senhafter Einbringung und regelmäßiger Kon 
trolle der Verankerung und in periodischen 
Ziehversuchen zur Überprüfung von Ankern 
und Gestein. 
Abb. 6. Schwebe nde Wetters trecke, FlözJosefa, Gr. Göttelborn
	        

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