Full text: 1955 (0083)

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das Eisengitter-Gerüst hergestellt werden. In 
eine Form, bzw. Verschalung gebracht, wird 
der Betonstein auf dem Rütteltisch gegossen. 
Durch eine Vakuumpumpe wird dem Betonstein 
nach dem Gießen das Wasser bis zu einem 
bestimmten Grade so schnell entzogen, daß er 
innerhalb von 3 bis 5 Minuten abbindet und 
aus der Form gelöst werden kann. Mit einer 
Seilbahn mit elektrischer Schaltknopf-Bedienung 
wird der fertige Stein dann weggebracht. Die 
Ansaugkraft des Vakuum-Motors ist so intensiv, 
daß er sicherer an der Ansaugefläche haften 
bleibt. Die Tagesproduktion an Betonsteinen 
beträgt im Durchschnitt 250 Stück. Die Ausmaße 
der Steine sind 80x50x13 bzw. 16 cm, d. h. 
die Außenstärke beträgt 16, die Innenstärke 
13 cm. Im Freien sind Tausende von Steinen 
Reste des „Versteinerten Steinkohlenwafdes", drei Baum 
stämme in der östlichen Böschung des nördlichen Ein 
schnitts. 
zum Trocknen aufgestapelt, wodurch die Festig 
keit erhöht wird. Per Kran mit Vakuum-Motor 
werden sie zu je vieren nach hier gebracht. 
Auf beiden Seiten des Tunnels, beim süd 
lichen und nördlichen Einschnitt, wurde jeweils 
eine ausgedehnte Barackenstadt errichtet. Ne 
ben solchen für Werkstatt-Betriebe, für die 
Preßluft-Kompressoren, zum Umkleiden der Ar 
beiter usw. sind auch eine Anzahl von schönen 
Wohn-Baracken gebaut worden, in denen sich 
die Arbeiter und Angestellten, die nicht täglich 
nach Hause fahren, nach getaner Arbeit aus 
ruhen und wohlfühlen können. In einer größe 
ren Baracke haben die Betriebsleitung der 
Firma Lehnhard und die technische Dienststelle 
der Saarbergwerke ihren Sitz. An den Wänden 
des Betriebsbüros sieht man riesengroß die ein 
zelnen Arbeitsvorgänge des Tunnelbaues gra 
phisch dargestellt mit dem jeweiligen Fortschritt 
pro Arbeitstag. 
In den beiden Einschnitten und im Tunnel 
wurden in den Nebengesteinsschichten des 
Steinkohlengebirges eine Anzahl von größeren 
und kleineren Stücken mit versteinerten Pflan 
zen: Farne, farnähnliche Gewächse. Schachtel 
halm- und Bärlapp-Gewächse gefunden. Die 
gesammelten Stücke werden teils der geologi 
schen Sammlung der Bergschule zu Saarbrük- 
ken, teils dem Bildstocker Heimat-Museum ein 
verleibt. In den Böschungen beider Einschnitte 
wurden eine Anzahl von im Gebirge noch auf 
recht stehenden Baumstämmen freigelegt. Sie 
sind bis ein Meter dick und stellen die Reste 
von Siegelbäumen dar, wie sie vor rund 250 
Millionen Jahren hier gewachsen sind. An einer 
Stelle des nördlichen Einschnittes stehen sogar 
drei Stämme dicht beisammen, so daß man im 
Bereich der Einschnitte und des Tunnels im 
wahrsten Sinn des Wortes von einem „Verstei 
nerten Wald" sprechen kann. 
Der alte Tunnel schneidet den Bereich der 
Jllinger Straße unter dem Hause der Bäckerei 
Welker neben dem Trierer Hof und verläuft 
unter der Wirtschaft „Schuck am Berg". Der 
neue Tunnel verläuft ungefähr unter den Häu 
sern Metzgerei Theobald auf der einen und 
Warken auf der anderen Seite der Jllinger 
Straße. 
Das große Bauvorhaben brachte Bildstock in 
ein ganz besonderes Blickfeld. Nicht nur die 
Bildstocker Bevölkerung, sondern auch Besucher 
aus den umliegenden Ortschaften sind vom 
Morgen bis zum Abend dabei, das grandiose, 
im Werden begriffene Werk, insbesondere die 
fortgeschrittene Tiefbautechnik zu bewundern. 
Die Sektion Saarbrücken der Societe de l'lndu- 
strie Minerale hatte ihre Mitglieder zu einer 
Besichtigung der Baustelle eingeladen. Unter 
großer Beteiligung hat diese stattgefunden. 
Zuvor wurden im „Gloria-Palast" zu Saarbrük- 
ken von den Herren Obermarkscheider Lenge 
und Direktor Pagel von den Saarbergwerken, 
Generalinspecteur Prof. Caquot und dem Chef 
der Tiefbaufirma Lehnhard, Herrn Lehnhard, 
entsprechende Vorträge gehalten. Aber auch 
die von weit her kommenden wissenschaftlich 
interessierten Kreise technischer Hochschulen 
und Universitäten kamen an die Baustelle. Zu 
nennen sind u. a. das Geologische Institut der 
Technischen Hochschule in Aachen und das 
Palaeontologische Institut der Universität Mün 
chen. 
Der größte und schwierigste Teil der Bau 
arbeiten ist bereits getätigt. Aber noch ist viel 
Kleinarbeit erforderlich, bis der erste Zug durch 
den neuen Tunnel rollen wird. Möge das Werk 
seiner glücklichen Vollendung zum Segen der 
Menschheit und des Bergbaues an der Saar 
entgegengehen.
	        

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