Full text: 1955 (0083)

In der Nacht zum 19. Dezember, um 0,10 Uhr, 
ist der Durchschlag glatt erfolgt. Die Stollen 
arbeiten verliefen ohne persönliche Unfälle, 
dank der Beachtung aller entsprechenden berg 
polizeilichen Vorschriften. 
Die Arbeiten für den Tunnelbau wurden in 
einzelne Arbeitsvorgänge eingeteilt. Bevor diese 
kurz erläutert werden, sei darauf hingewiesen, 
daß der neue Tunnel einen besonderen, von 
dem französischen Professor Caquot konstruier 
ten Ausbau erhält, der hier erstmalig ange 
wandt wird. Es handelt sich in diesem um einen 
Stahl-Ausbau, bestehend aus 22 cm starken 
Doppel-T-Trägern, die jeweils aus 10 Segmen 
ten zu einem Ringe zusammengesetzt werden. 
Auf diese werden 5 mm starke Stahlbleche auf 
geschweißt. So entstand zunächst eine glatt- 
wandige, kreisförmige Röhre. Der Raum zwi 
schen den Stahlblechen und dem Gebirge wird 
mit Beton mittels Betonpumpe, die außerhalb 
des Tunnels steht, ausgefüllt. Vor diesen Stahl 
ausbau werden Steinringe versetzt, deren jeder 
aus 185 Betonsteinen von je 160 kg Gewicht 
besteht. Zum Versetzen der Betonsteine mußte 
eine Stein-Versetzmaschine eigens für diesen 
Tunnel konstruiert und gebaut werden. Sie ist 
mit einem Vakuum-Lifter versehen, der die 
Steine durch das Ansaugverfahren sicher an die 
Stellen des Einsatzes bringt. Vom Laien be 
trachtet, ist es eine sehr komplizierte Einrich 
tung, die fast den ganzen Tunnel-Querschnitt 
gerüstartig einnimmt. Unter ihr ist noch so viel 
Platz, daß die Wagenzüge durchfahren kön 
nen. über die Herstellung und Maße der Steine 
wird weiter unten berichtet. Zwischen je zwei 
Steinringen von 0,50 m Stärke bleibt eine Lücke 
von 0,40 m, so daß man hier von einem Glie 
derausbau sprechen kann. Dieser recht kost 
spielige Ausbau soll den Vorteil haben, sich 
den später während des Abbaues der einzel 
nen Flöze im ehemaligen Sicherheitspfeiler ent 
stehenden Bewegungen und Senkungen derart 
anzupassen und diese mitzumachen, daß der 
Tunnel keinen Schaden erleidet und somit der 
Eisenbahnbetrieb nicht gestört wird. Die ein 
zelnen Vorgänge bei der Herstellung des Tun 
nels sind folgende: 
1. Herstellen des Firststollens. 
2. Ausbruch der Kalotte sowie Einbauen und 
Richten der Ring-Segmente. 
3. Betonieren der Kalotte. 
4. Kern-Ausbruch. 
5. Voll-Ausbruch sowie Einbauen und Richten 
der restlichen Ring-Segmente. 
6. Betonieren des unteren Teiles (Ulme). 
7. Steinringe versetzen. 
Bezüglich der Herstellung des Firststollens ist 
noch nachzutragen, daß dieser an der „Firste", 
d. h. im obersten Teil des endgültigen Tunnel- 
Querschnitts aufgefahren wurde. Nach Fertig 
stellung desselben wurde die Kalotte heraus 
geschossen und nach dem Einbauen von drei 
Ring-Segmenten war nun der „Kopf geschützt". 
Der Steinfall war dadurch verhütet, es konnten 
keine Unfälle mehr durch hereinfallende Ge 
steinsmassen entstehen. Um die Standsicherheit 
der Kalotten-Segmente zu erhöhen, wurden 
jeweils am Fuße derselben ein armierter Sporn 
aus Beton als Auflager hergestellt. Nachläufig 
zu diesem Arbeitsvorgang wurde der Kern- 
Ausbruch getätigt, der mittlere Teil des rest 
lichen Querschnittes wurde herausgeschossen 
und zum Schluß der restliche Teil auf den Sei 
ten. Der gesamte herausgeschossene Quer 
schnitt hat einen Durchmesser von rund 11 m, 
was einer Querschnittsfläche von 95 qm ent 
spricht. Ein imposantes Bild bietet der im Wer 
den begriffene Tunnel: am Südeingang Ein 
bauen der restlichen Stahlring-Segmente und 
Aufschweißen der Stahlbleche; weiter drinnen 
noch Bohr-, Schieß- und Wegladearbeiten im 
Lichtschein der Schweiß-Apparate. Die schwe 
ren, bis 50 cm dicken Stempel zur Stützung des 
Hangenden vor Einbringung der Kalotten-Seg 
mente sind bereits restlos verschwunden. Pla 
nierraupen schieben das hereingeschossene Ge 
stein in nördlicher Richtung vor, von Salzgitter- 
Ladern in Kippwagen verladen, die mit starken 
Diesel-Lokomotiven zur Kippstelle am Bahnhof 
Bildstock gebracht werden und von dort aus 
mittels Lastwagen zur Bergehalde. 
Nun noch etwas über die Fabrikation der 
Beton-Formsteine. Für den ganzen Tunnel sind 
rund 50 000 solcher Steine erforderlich. Es 
lohnte sich deshalb schon, die Fabrik in be 
sonderen Baracken unterzubringen. Da es sich 
bei den Steinen um Eisenbetonsteine handelt, 
mußte zunächst in verschiedenen Arbeitsgängen
	        

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