Full text: 1955 (0083)

und im größten, nördlichen Teil des Tunnels 
gehören den Heiligenwalder Schichten, der 
restliche Teil in diesem und im südlichen Ein 
schnitt den Luisenthaler Schichten an. Beide, 
durch den Tonstein 1 deutlicher gegeneinander 
abgegrenzte Schichtenabschnitte führen Flamm- 
kohlenflöze. In den tiefsten Heiligenwalder 
Schichten, wie sie hier aufgeschlossen sind, 
liegen die Flöze A, B, Bi, C, D, E und F, in 
den Luisenthaler Schichten sind es die Flöze 
Motz = Kallenberg, 26 zöll. und Liegendes. 
Nennenswerte Störungen, wie Sprünge z. B., 
sind hier nicht vorhanden. Der bekannte 
„Cerberus-Sprung" mit einer seigeren Verwurfs- 
höhe von rund 180 m verläuft weiter in der 
Tiefe, über Tage ist er etwa nach der Linie 
Straßenbahn-Depot Elversberg-Hoferkopf-Bahn- 
hof Bildstock zu verfolgen. 
Der Tonstein 1 ist neben anderen Tonstein 
bänken innerhalb des saar-lothringischen Stein 
kohlengebirges ein sehr wichtiger Leit- und 
Grenzhorizont, gewissermaßen ein Wegweiser 
in vertikaler Richtung. Aufgeschlossen und be 
kannt ist er im gesamten Bereich zwischen den 
Gruben Falkenberg in Lothringen und Franken 
holz. Auch durch das 1803 m tiefe Bohrloch 
Ottweiler wurde er in einer Teufe von 740 m 
festgestellt. Wenn man diesen antrifFt, über 
oder unter Tage, weiß man genau, daß 30 bis 
40 m tiefer (bei Bildstock etwa 35 m) das Flöz 
Motz-Kallenberg angetroffen wird. Glücklicher 
weise besteht der Horizont des Tonsteins 1 aus 
zwei Bänken von jeweils wechselnder Mächtig 
keit. Sie liegen weniger als ein bis sechs Me 
ter auseinander. Die durchschnittliche Mächtig 
keit der beiden Bänke beträgt je 0,20 m. Der 
etwa 1,80 m tiefer liegende Tonstein 2, eben 
falls durchschnittlich 0,20 m mächtig, hat mit 
unter das gleiche Aussehen und eine ähnliche 
chemische Zusammensetzung wie der Ton 
stein 1. Jener kann aber mit dem Tonstein 1 
nicht verwechselt werden, da er aus nur einer 
Bank besteht. Im neuen Süd-Einschnitt ist der 
Horizont mit dem Tonstein 1 aufgeschlossen, 
und die beiden Bänke sind an ihrer eigenarti 
gen senkrechten Zerklüftung, größeren Härte 
und Farbe deutlich zu erkennen und von den 
anderen hier vorkommenden Gesteinen gut zu 
unterscheiden. Die Aufschlußstelle liegt 15 bis 
20 m über dem neuen Tunnel-Eingang, die 
obere Bank über dem oberen Böschungsweg 
(Berme), die untere unter demselben. Der Ab 
stand zwischen beiden beträgt rund 1,50 m. 
Die Tonsteine des saar-lothringischen Steinkoh 
lengebirges sind durch einen verhältnismäßig 
hohen Tonerdegehalt (bis 40 Prozent) ausge 
zeichnet. Auf Grund dieser Eigenschaft stellen 
sie für die keramische Industrie, insbesondere 
für die Schamotte-Industrie einen begehrens 
werten Rohstoff dar. Vor dem ersten Weltkrieg 
wurde der Tonstein 1 im Walde zwischen Fisch- 
Oben: Süd-Eingang des neuen Tunnels. Der kreisförmige 
Querschnitt ist zu erkennen. Links und rechts die noch 
wegzusprengenden Gesteinspartien. Mitte: Starke Ver 
eisung der Einschnitt-Böschung im Winter 1953/54, Unten: 
Tunnelbau-Belegschaft, aufgenommen am Tage des Durch 
schlages im First-Stollen am 19. Dezember 1953. Rechts 
Ob.-Ing. Müller (Fa. Lehnhard), links Bauwerkmeister 
- Wennina (Saarberawerke). Mitte der Verfasser.
	        

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