Full text: 1955 (0083)

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Mechanisches Laden beim Weiterteufen von 
Schacht II auf Grube Göttelborn 
Von Dipl.-Ing. Paul Kessler 
Das Abteufen eines Schachtes stellt im Berg 
bau eine der gefährlichsten und mühevollsten 
Arbeiten dar. Das gewöhnliche Abteufen eines 
Schachtes erfolgt von Hand mit Schießarbeit, 
d. h. jeder Abschlag muß von Hand geladen 
werden. Diese Ladearbeit nimmt natürlich eine 
große Zeitspanne in Anspruch und verlangt 
von den Hauern auf der Schachtsohle einen 
ganz erheblichen Arbeits- und Kräfteaufwand. 
Die Bestrebungen im Bergbau laufen da hinaus, 
einmal großen Gewinn an Zeit zu erreichen, 
zum anderen den Arbeitsaufwand durch Scho 
nung der Arbeitskraft des Schachthauers, der 
durch die schwere Wegfüllarbeit auf der 
Schachtsohle sehr beansprucht wird, zu verrin 
gern und schließlich den Einsatz von Menschen 
auf der Schachtsohle so niedrig wie möglich 
zu halten, um der Unfallgefahr vorzubeugen. 
Hierzu leistet das mechanische -Wegladen des 
Haufwerkes auf der Schachtsohle einen erheb 
lichen Beitrag. 
In einigen Jahren muß auf Grube Göttelborn 
die jetzige Hauptfördersohle, 3. Sohle, durch 
eine neue ersetzt werden. Der gewählte Soh 
lenabstand beträgt 120 m. Es mußte also mit 
dem Weiterteufen eines Schachtes begonnen 
werden und hierzu wurde Schacht II bestimmt, 
der einen lichten Durchmesser von 5,10 m hat. 
Dadurch, daß die Förderung von Schacht II von 
der 3. zur 2. Sohle umgestellt werden konnte, 
bereitete das Weiterteufen des Schachtes kei 
nerlei betriebsstörende Schwierigkeiten. Vor 
dem Weiterteufen mußten zwischen der 2. und 
3. Sohle die entsprechenden Schutzvorrichtungen 
eingebaut werden. Im Füllort der 3. Sohle be 
finden sich für das Abteufen folgende Einrich 
tungen : 
— Ein elektrischer Abteufhaspel mit Seilschei 
benverlagerung im Schacht, oberhalb des 
Sohlenanschlages. 
— Eine preßluftbetätigte Schachtklappe zum 
öffnen und Schließen des Schachtes. 
— Ein Bergetrichter zum Kippen des Kübels und 
Verladen der Berge in Wagen (2.500 I). 
— Eine Mörtelmaschine für das Mauern des 
Schachtes. 
— Ein Betonmischer zum Herstellen der Form 
steine. 
Erfolg: Schonung der Arbeits 
kraft des Schachthauers 
Kurz nur will ich den Ablauf der Arbeiten, 
eingesetzte Maschinen und Gezähe beim Wei 
terteufen schildern: 
1. Bohrarbeit 
Das Bohren der Abschläge wird mit Bohr 
hämmern MEUDON SP, bei einem Betriebs 
druck von 5 atü und einem Wasserdruck von 
10 atü, durchgeführt. Ein Bohrhammer wiegt 
26 kg. Es werden Abschläge von 3,0 m ab 
gebohrt, so daß man im Durchschnitt mit 
2,8 m Fortschritt je Abschlag rechnen kann. 
2. Schießarbeit 
Bei anstehender Kohle wird mit Schießstufe 2 
(Wettersprengstoff und Millisekundenzünder) 
und in reinem Gestein mit Schießstufe 1 (Ge 
steinssprengstoff und Millisekundenzünder) 
geschossen. Gezündet werden die Schüsse 
vom Füllort, 3. Sohle, aus. 
Die Schußschwaden ziehen durch einen sau 
genden Luttenstrang ab, ohne andere be 
legte Grubenbaue zu bestreichen. 
3. Ladearbeit 
Die Ladearbeit liefert wohl den interessan 
testen Teil des Weiterteufens. Erstmalig an 
der Saar wurde der Eimkolader auf der 
Schachtsohle zum Wegladen des Haufwerkes 
eingesetzt. 
Wir verwenden den Eimkolader 21. (Siehe 
Abb. 1). Normalerweise ist die Schaufel die 
ses Laders zentriert und kann nur in der 
Längsachse der Maschine entleeren. Diese 
Zentriereinrichtung wurde ausgeschaltet, so 
daß die Schaufel mit dem Oberbau jetzt ge 
dreht und auch nach der Seite hin entleeren 
kann. Ferner wurden an der Lademaschine 
4 Ösen angebracht, um einen Transport mit 
dem Abteufhaspel zu ermöglichen. 
Die zum Laden verwendeten Kübel fassen 
1.500 I. Das Fahren des Laders auf dem 
Haufwerk erfordert ein besonderes Gestänge, 
auf welchem er hin- und herfahren kann. 
Dieses Gestänge besteht aus einer Notlänge 
(24 kg Schienen) von 1,8 m Länge und zu 
sätzlichen auf die Seite gelegten Vorzugs 
schienen (24 kg), zum Verlängern der Fahr 
bahn von 2,5 m Länge. Die Gesamtfahrbahn 
länge beträgt somit etwa 4,0 m (siehe Abb. 2).
	        

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