Full text: 1955 (0083)

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In der Kaffeeküche des Schachtes Engelfangen. 
Kurz vor Schichtwechsel. Bergleute sitzen in 
Gruppen um die Tische, zum größten Teil schon 
in Arbeitskleidung, die Lederkappen übergezo 
gen. Von Zeit zu Zeit nehmen sie einen Schluck 
Bier oder Sprudel aus einer Flasche, die sie vor 
sich stehen haben. 
Wir warten hier auf den 60jährigen Berg 
mann Jakob MAAS aus Püttlingen. Schon kommen 
die ersten Bergleute vom Schacht, Nach einer 
Weile erscheint auch unser Jubilar. Er hat sich 
in Schale geworfen, denn schwarz will er im 
Bergmannskalender nicht abgedruckt werden. 
Wir plaudern zusammen. MAAS erzählt von .sei 
nem Werdegang und seinen Kindern. Er fuhr 
1909 als Jugendlicher in Püttlingen an, war 
vorübergehend im Mathildenschacht und ist heute 
als Abfiiller auf Engelfangen beschäftigt. Den 
Weltkrieg machte er von 1914 bis 1919 als Ulan 
Bergmann Jakob Maas, Püttlingen, in seinem Vorgarten 
in Rußland und Frankreich mit. Unser Jubilar 
hat 6 Kinder, 3 Buben und 3 Mädels. Einer der 
Jungen i,st Postbeamter, ein anderer Radiotech- 
niker in Bonn — „im Hauptquartier Adenauer“ 
wie MAAS sagt, und der Jüngste Berglehrling. 
Von den Töchtern ist eine in Amerika verhei 
ratet, eine in Saarbrücken beschäftigt und eine 
zu Hause. Man sieht unserem Jubilar an, daß 
er stolz auf seine Kinder ist und darauf, daß 
sie es zu etwas gebracht haben. Und das kann 
er auch mit Recht. 
ln seinen jüngeren Jahren war Bergmann MAAS 
ein eifriger Sänger. Er gehörte dem Gesang 
verein „Heiterkeit“ in Püttlingen bis 1945 an 
und beteiligte sich gern an den Sängerfahrten 
und Wettstreiten. Aber auch auf der kommunal 
politischen Ebene betätigt er sich. Seit 1947 ist 
er Gemeinderatsmitglied in Püttlingen und Mit 
glied der Personalkommission. 
Wir wollen den Jubilar nicht allzulange auf 
halten, denn sicher wartet Mutter mit dem Mit 
tagessen auf ihn. Wir fahren ihn an seine Woh 
nung. MAAS nennt ein schönes, großes Haus 
sein Eigen, das er von seinen Eltern übernom 
men hat. Im vorgelagerten Garten zieht er Rosen, 
die er gerne während seiner Freizeit wartet. 
Doch die Blumenpflege ist nur eine Erholung 
für die Abendstunden. Es gibt noch wichtigere 
Aibeit für ihn, denn unser Jubilar besitzt zwei 
Morgen Land und baut seine Kartoffeln und 
sein Korn selbst an. Früher hielt er sich noch 
zwei „Bergmann,skühe“ — aber in den letzten 
Jahren hat er sie abgeschafft. 
Im August wird auch Bergmann MAAS sich zur 
Ruhe setzen. Er freut sich schon darauf, mit 
seinen Enkeln, von denen zwei in Püttlingen 
wohnen, nach Herzenslust Spazierengehen zu 
können. 
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Schicht 1 wechsei auf Grube Göttelborn. Im Ver 
lesesaal ein Kommen und Gehen. Bergleute mit 
kohlegeschwärzten Gesichtem zwischen solchen, 
die frisch und ausgeruht von zu Hause kommen. 
Der 56 jährige Bergmann Valentin BETT 
SCHEIDER aus Göttelborn verläßt das Bad und 
passiert .soeben die Lampenbude. Vor der Ein 
fahrt bleibt ihm noch eine halbe Stunde Zeit für 
uns. Er ist sehr freundlich und aufgeschlossen 
und gibt uns freimütig Auskunft auf unsere neu 
gierigen Fragen. Seit 1913 ist er ununterbrochen 
auf Grube Göttelborn beschäftigt. 30 Jahre lang 
war er als Hauer vor dem Stoß bis ihm sein 
Gelenkrheumatismus auf einen weniger schweren 
Posten zwang. Er bediente zunächst die Tele 
fonzentrale unter Tage, wurde dann als Spreng 
stoffausgeber eingesetzt. BETTSCHEIDER ist 
stolz darauf einen verantwortungsvollen Posten 
ausfüllen zu dürfen. Ja, man sieht es ihm auf 
den ersten Blick an. Er ist mit sich und der Welt 
zufrieden, immer guter Laune und hat auch 
Grund dazu, denn wenn er nadi der Schicht nach 
Hause kommt, betritt er ein gepflegtes und fried 
liches Heim. Von 9 Kindern hat er 8 behalten 
dürfen. Die beiden Söhne sind ebenfalls Berg 
leute, die Töchter zum Teil verheiratet, zum 
Teil im Beruf. Nur der Jüngste besucht noch die 
Schule. 
Valentin BETTSCHEIDER entstammt einer 
Bergmannsfamilie. Vater und Großvater waren 
Bergleute, sein Vater arbeitete 42 Jahre lang auf 
der Grube und gehörte einer Bergkapelle an. 
Von ihm hat er die Freude an der Musik geerbt, 
denn er war passionierter Sänger und jahrelang 
Mitglied des dortigen Gesangvereins. Die Musik 
ist jedoch nicht sein einziges Steckenpferd. Eine 
zweite Vorliebe offenbart .seinen Sinn für das 
Schöne. Unser Jubilar züchtet Blumen, Rosen 
vor allem. Bald werden sie in den mannigfaltig-
	        

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