Full text: 1955 (0083)

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floh und ihre Besitzungen wurden als Staats 
eigentum eingezogen. Die Grube Jllingen war 
zum Teil zerstört, die Rußhütte zerfiel immer 
mehr und war 9 Jahre ganz verlassen. „Wenn 
die Rußhütte nicht durch den Krieg zerstört 
worden wäre, so hätte man sie sicher auch 
weiter ausgebeutet. Man hätte ihr die Kohlen 
weiter geliefert zu dem im Pachtvertrag festge 
setzten Freis.“ 
Die Besitzer der Merchweiler Glasfabrik durf 
ten für ihren Betrieb die Kohlen selber fördern, 
mußten sich aber verpflichten, im Umkreis von 
10 Meilen keine Kohlen für eine andere Ruß 
fabrik abzugeben. Des weiteren mußten sie die 
zerfallenen Gebäude auf ihre Kosten, die sich 
auf 9 000 ffrs. beliefen, wieder aufbauen, ohne 
später dafür eine Entschädigung von der Regie 
rung zu erhalten. 
Die Grube Jllingen wurde auf Rechnung der 
franz. Republik durch das alte Grubenpersonal 
als Regiebetrieb weitergefühlt. Durch Vertrag 
vom 29. 3. 1797 übernahm Dern als Vertreter der 
Pachtgesellschaft Equer & Cie. in Paris die un 
terste Hemelgrube zum Pachtzins von 1 000 ffrs., 
die einzige, die zu der Zeit noch in sehr gutem 
Zustand war. Der Bergsteiger der Grube Jllingen 
mußte die zum Betriebe der Rußfabrik notwen 
digen Kohlen liefern. Die Gesellschaft Engelke 
blieb im Besitz der Gebäude bis zum Ablauf 
ihres Pachtvertrages (1803) und war erst dann 
verpflichtet, diese an den Pächter der Grube zu 
übergeben, falls sie keinen neuen Vertrag mehr 
abschließen wollte. 
Der letzte Freiherr von Jllingen, Franz Georg 
(1789—1808) erhielt 1805 von Napoleon alles 
persönliche Eigentum, Schloß und Ländereien 
wieder zurück, aber seine herrschaftlichen Rechte 
wurden ihm nicht mehr zuerkannt. Zwischen den 
beiden Pachtgesellschaften Engelke (Rußfabrik) 
und Compagnie Eger (Grube Jllingen) kam es 
in der Zeit vom Juli 1798 bis April 1799 zu 
mehrfachen Streitigkeiten, insbesondere wegen 
der Weitergewährung der bisherigen Haus- und 
Kalkbrandkohlen an die Kerpensdien Gemeinden 
(Bereditigungskohlen). Die Regierung ordnete 
nun an, daß die Maires (Bürgermeister) den Be 
wohnern Besdieinigungen über die Menge der 
Kohlen ausstellten und die Pachtgesellschaft wur 
de zur Lieferung verpflidrtet. Der Handelswert der 
Kohlen war aber viel höher. Die Bauern gruben 
heimlich Kohlen und verkauften sie als Berech 
tigungskohlen an Gastwirte, Schlosser und 
Schmiede, Bierbrauer und Schnapsbrenner. Um 
diesen Betrügereien ein Ende zu bereiten, setzte 
der Präfekt des Saardepartements 1803 die 
Menge der Bereditigungskohlen auf 30 Zentner 
für jede Haushaltung und (A Zentner für jeden 
Morgen zum Kalkbrennen fest. Im Jahre 1813 
betrug die Förderung der Grube Jllingen 2949 
Fuder (= 4 222 t) bei einer Belegschaft von 35 
Bergleuten, was für die einfachen Gewinnungsver 
hältnisse eine sdröne Leistung war. Die Gesell- 
sdiaft brauchte jährlidi 620 Fuder Kohlen zur 
Unterhaltung von 5 Öfen, davon 1 /s Kohlenstaub, 
i/s geringwertige und */3 fette Kohlen. 
Im II. Pariser Frieden fiel der größte Teil des 
Saarlandes wieder an Preußen. Vom 1. Mai 1816 
ab wurde die Grube Jllingen als Königl. Grube 
weitergeführt und dem 2. Bezirk des Bergamtes 
zu Saarbrücken zugeteilt. Die Familie von Ker 
pen, die ihren Wohnsitz seit 1748 in Koblenz 
hatte, wurde wieder als Privatbesitzer der Grube 
anerkannt. Dort war 1808 der letzte Freiherr 
Franz Georg gestorben und hinter ließ keine 
männlichen Erben. Am 24.9. 1819 kam zwischen 
dem Vertreter des preußischen Bergfiskus, BeTg- 
amtsdirektor Seile und dem Baron Philipp Lo 
thar, vormaliger Stadthalter und Domdedrant
	        
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