Full text: 1955 (0083)

117 
aftefte Otu(vcfcCuHty 
vow C\cvCujmtvafl) 
Von Rektor Schmitt, Heiiigenwald 
Es war zur Zeit, da unsere engere Saarheimat 
in einer Reihe von winzigen,, politisch selbständi 
gen Kleinstaaten oder Herrschaften zersplittert 
war. Zwischen der Grafschaft Nassau-Saarbrücken 
und der Grafschaft Ottweiler lag als Enklave die 
Reichsherrschaft Jllingen. Um die Mitte des 
14. Jahrhunderts belehnten die Grafen von Saar 
werden das altkurtrierische Rittergeschlecht von 
Kerpen aus der Eifel (Kreis Daun) mit der Herr 
schaft Jllingen, die seit Ende des 16. Jahrhunderts 
zur unmittelbaren Reichsritterschaft gehörte. 
Unsere heutige, erst 1921 gebildete Dorfgemar- 
kung erstreckte sich, wie das die alten Grenz-* 
steine bezeugen, über zwei Herrschaftsgebiete. 
Der größte östliche Teil gehörte zur Herrschaft 
Ottweiler und der westliche zur Herrschaft Jllin 
gen. Die Grenzsteine tragen nach Osten die 
Wolfsangel als Hoheitszeichen von Nassau-Saar 
brücken und nach Westen ein Zickzackband, das 
Hoheitszeichen der von Kerpen. 
Bei Festlegung unseres Gemeindebannes mit 
einer Gesamtfläche von 4,46 qkm wurden 40 Pro 
zent vom Banne Schiffweiler, 35 Prozent von. 
Banne Landsweiler und 25 Prozent vom Ge 
meindebanne Wemmetsweiler zugeteilt (Karte 1). 
Ein flüchtiger Blick auf unsere Karte zeigt, daß 
unsere Gemarkung vor zwei Jahrhunderten noch 
eine menschenleere, geschlossene Waldlandrchaft 
war. Ganze Rudel von Rot- und Schwarzwild 
und Wölfen belebten noch den Grubenwald, den 
„kleinen“ und „großen Helgenwald“ und den 
„Kerpenwald“ östlich von Steigershaus. Im Jäger 
haus Erkershöhe hielten die fürstlichen Jäger zu 
Zeiten der großen Herbstjagden, Parforcejagden 
genannt, bei welchen das Wild zu Tode gehetzt 
wurde, am Schlüsse des Jagens ihre großen Zech 
gelage ab. 
Der Kerpenwald wurde durch Vertrag vom 
1. 4. 1754 dmch Ritter Franz Lothar von Kerpen 
(1732—1789) den Schaftuntertanen seiner Herr 
schaft als gemeinsames und unteilbares Gemein 
gut überlassen (Großgemeindewald). Etwa ein 
Viertel unseres heutigen Gemeindebannes ge 
hörte zu diesem Walde. 
Im „Hemel“ (südlich den Anlagen der Grube 
Itzenplitz) befanden sich schon um die Mitte de« 
18. Jahrhunderts mehrere „Bauemgruben“. Die 
Fürsten merkten bald, daß sie mit den Kohlen 
ein erträgliches Geschäft machen könnten und 
nahmen darum den Bergbau in eigene Regie. 
Eine Verordnung vom 12.12.1754 bestimmte, 
daß in Zukunft von niemand mehr eine Stein 
kohlengrube eröffnet, noch weniger aber daraus 
Steinkohlen „Bey 100 Reichstalern Straff verkauft 
werden dürften.“ „Uns gehört das Schürf recht“ 
ließen sie durch ihre Amtmänner verkünden. Da 
mit hörte die planlose Kohlengräberei auf, es 
begann die bergmännische Ausbeutung. 
Ritter Franz Lothar von Kerpen ließ 1754 im 
südlichen Zipfel des Kerpenwaldes in einer Wald 
senke in der Nähe des herrschaftlichen Forsthau 
ses eine Grube anlegen. „Sie lag 3 500 Meter 
von Jllingen entfernt in einem mit dichtem Wald 
bewachsenen Gebiet, genannt Heimei (Hemel?).“ 
Ihre Betriebspunkte lagen westlich der heutigen 
Siedlung Steinseiters, entlang des Abhanges am 
Südverlauf des Rußhüttentales, am sog. „Fünf 
fingerweg“. Das bezeugen noch heute die vor 
handenen Bergehalden am westlichen Ende der 
Rußhüttenstraße, wo 1952/53 eine Reihe von 
Siedlungshäusern gebaut wurden. 
In einem Bericht über diese Grube heißt es: 
„Die Grube Jllingen baut auf zwei Flözen, 
welche sehr gleichmäßig gelagert und nur durch 
ein SV2 Lachter mächtiges Zwischenmittel von 
einander getrennt sind. Flöz Nr. 1 ist 1 Lachter 
8 Zoll, hat 81 Zoll reine Kohle und 17 Zoll 
Berge. Es werden in einem Quadrat-Lachter 
6 Fuder 4 Zentner = 184 Zentner Kohle und 
6 Zentner Berge gewonnen. Es wiegt ein Kubik- 
achtel Lachter 47,8 F Pfd. Der Hauer haut in 
einer Schicht vor der Abbaustrecke 26 Zentner, 
Ein Fuder kostet zu hauen 18 „gute Grosdien“ 
Karte I. Heiligenwald im Jahre 1818. M. 1:25000
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.